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Franquismus
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Als Franquismus (spanisch franquismo [], deutsch auch Franco-Regime und Franco-Diktatur), andere Schreibweise Frankismus,cite-ref-1[1] werden das System und die ideologische Untermauerung der rechtsgerichteten Diktatur Francisco Francos in Spanien von 1936 respektive 1939 bis zu den ersten freien Wahlen 1977 bezeichnet. Der amtliche Landesname lautete damals Spanischer Staat (Estado Español).
Die Herrschaftsform bzw. das System des Franquismus gilt als ausgesprochen personalistisch, das heiĂt, dass die Person des Diktators selbst dafĂŒr prĂ€gender war als eine bestimmte Ideologie. Der als wenig charismatisch geltende Franco verstand es, sich seine fast unumschrĂ€nkte Macht bis zu seinem Tod im Jahr 1975 zu erhalten. In Spanien gab es wĂ€hrend seines Regimes keine kodifizierte Verfassung, sondern nur eine geringe Anzahl von ihm erlassener Grundgesetze mit Verfassungsrang. Franco hielt unter anderem dadurch die ZĂŒgel in der Hand, dass er alle wichtigen politischen Ămter bis hin zur Provinzebene auf der Basis persönlicher VertrauensverhĂ€ltnisse besetzte. Zudem hielt er diejenigen Institutionen, denen er Machtbefugnisse ĂŒbertragen hatte oder die er nicht ignorieren konnte â unter anderem die Staatspartei Movimiento Nacional, die katholische Kirche und das MilitĂ€r â dadurch unter Kontrolle, dass er sie fortwĂ€hrend gegeneinander ausspielte.
Seine Legitimation leitete der Franquismus aus der Sicht seiner Eliten im Wesentlichen aus dem militĂ€rischen Sieg im Spanischen BĂŒrgerkrieg ab, der nicht nur als Sieg der eigenen Weltanschauung, sondern darĂŒber hinaus als Verteidigung der spanischen und europĂ€ischen Zivilisation und Kultur gedeutet wurde. Da der Katholizismus als integrierender Bestandteil der spanischen Kultur betrachtet wurde, kam es zu einer engen Zusammenarbeit von Kirche und Staat im Rahmen des nacional-catolicismo (âNationalkatholizismusâ).
Der Franco-Staat war wĂ€hrend der 39 Jahre seiner Existenz in wirtschaftlicher und auĂenpolitischer, in geringerem MaĂe auch in innenpolitischer Hinsicht bedeutenden Entwicklungen unterworfen. Daher lĂ€sst sich die Zeit der Herrschaft des Diktators in mehrere Phasen einteilen. Die anfĂ€ngliche Despotie, in der massive Vergeltung an den im BĂŒrgerkrieg unterlegenen Bevölkerungsgruppen geĂŒbt wurde, wies gewisse Merkmale zeitgenössischer faschistischer Systeme auf und zeigte planwirtschaftliche ZĂŒge. Zum Schluss war die Herrschaftsform eher autoritĂ€r-konservativ geprĂ€gt und nach langer innerer Stagnation erlebte Spanien ein Wirtschaftswunder. Es gelang der Aufstieg vom Niveau eines Entwicklungslandes unter die zehn gröĂten Industrienationen der Erde. Dem ökonomischen Fortschritt stand allerdings keine nennenswerte politische Ăffnung im Inneren gegenĂŒber.
Contents
⹠Das MilitÀr
âą Das Opus Dei
âą AuĂenpolitik
âą Wirtschaft
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entstehung des franquistischen Systems
Francos Weg zur Macht
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Hauptartikel
:
Spanischer BĂŒrgerkrieg
Francisco Francos Herrschaft begann 1936 mit dem Spanischen BĂŒrgerkrieg in den von der nationalspanischen Koalition beherrschten Teilen Spaniens. Ausgangspunkt war ein Putsch gegen die wenige Monate zuvor gewĂ€hlte Regierung der Zweiten Republik, die aus einem Volksfront-BĂŒndnis hervorgegangen war. In der Interimshauptstadt Burgos entstand bereits in der ersten Woche des BĂŒrgerkriegs eine provisorische Junta, die umgehend alle Gewerkschaften und Parteien sowie die Autonomierechte der Regionen aufhob und Streiks verbot.cite-ref-2[2]
Dem bereits seit seiner Rolle bei der Niederschlagung des asturischen Bergarbeiteraufstandes von 1934 bei der spanischen Rechten angesehenen Franco gelang es, durch den propagandawirksamen Entsatz Toledos und die besondere UnterstĂŒtzung Hitlers, der in Franco den fĂ€higsten der putschenden GenerĂ€le sah, in dieser Junta eine FĂŒhrungsrolle zu ĂŒbernehmen. Am 1. Oktober 1936, spĂ€ter im franquistischen Jahreslauf als âTag des Caudilloâ festlich begangen, wurde Franco im Thronsaal des Palasts von Burgos (Casa del CordĂłn) von dieser Junta und den Vertretern der befreundeten faschistischen MĂ€chte Deutschland, Italien und Portugal zum GeneralĂsimo aller StreitkrĂ€fte ernannt. Am 1. Oktober 1936 wurde auch die Junta TĂ©cnica del Estado zum Zweck der Einrichtung eines provisorischen Staatswesens begrĂŒndet. Von da an galt Franco als unumschrĂ€nkter Herrscher der nationalspanischen BĂŒrgerkriegspartei. Die möglichen Rivalen Sanjurjo und Mola starben wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs (am 20. Juli 1936 bzw. am 3. Juni 1937) bei FlugzeugabstĂŒrzen.
Nicht alle Beteiligten an der frente nacional, der Nationalen Front, kĂ€mpften â anders als es oft vereinfachend dargestellt wird â im Zeichen und fĂŒr Ziele des Faschismus. Das BĂŒndnis beruhte vielmehr auf einem recht allgemeinen kleinsten gemeinsamen Nenner: dem von einem rigiden Antikommunismus herrĂŒhrenden Wunsch nach einem anderen Spanien sowie der Abneigung gegen die Demokratie im Allgemeinen und gegen die herrschende Volksfrontregierung (Frente Popular) im Besonderen. Die Angreifer im Spanischen BĂŒrgerkrieg bestanden aus einer Koalition verschiedenartiger radikaler, aber auch gemĂ€Ăigt rechter Parteien, Bewegungen und Sympathisanten. Diese umfasste sowohl die GroĂgrundbesitzer, die rechtsrepublikanisch-katholische Partei CEDA, die akademisch-katholische Laienbewegung AcciĂłn CatĂłlica als auch Monarchisten und Carlisten bis hin zu der âeinzige[n] Gruppe, die man mit einigem Recht fĂŒr faschistisch halten durfte, die Falange Españolaâcite-ref-nolte135-3-0[3] â wobei freilich die Grenzen zum Faschismus bei einigen Organisationen wie insbesondere der Jugendorganisation der CEDA, der Juventudes de AcciĂłn Popular (JAP), flieĂend waren.cite-ref-4[4]
Vorrangig wurden, nach Auffassung vieler Historiker, im Spanischen BĂŒrgerkrieg alte Konflikte der mindestens seit der Zeit der napoleonischen Kriege unversöhnlich entzweiten Gesellschaft (Konzept der dos Españas, der âzwei Spanienâ) gewaltsam ausgetragen, die oft nur oberflĂ€chlich mit den politischen, ideologischen und sozialen Streitfragen des damaligen Europas verbunden waren.cite-ref-5[5]
âĂber viele Jahre hin [wurde Spanien] durch politische MiĂgriffe und durch die Verschleppung alter sozialer und politischer Ăbel in einen hoffnungslosen Zustand des Chaos und der Anarchie manövriert [âŠ]â
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Hans-Christian Kirsch
:
Der Spanische BĂŒrgerkrieg in Augenzeugenberichten
Die Putschisten hatten, wie bereits beim vereitelten Putschversuch Sanjurjos von 1932, ohne vorherige klare politische Zielvorstellungen gehandelt. Die beteiligten GenerĂ€le erwarteten nĂ€mlich, binnen weniger Tage die Herrschaft ĂŒber das Land erringen zu können, ohne hierbei auf Bundesgenossen wie die Falange angewiesen zu sein (die Carlisten nahmen hingegen an der Verschwörung teil). Abgesehen von einigen Schlagworten und Vorstellungen darĂŒber, was abgeschafft werden sollte, existierte wĂ€hrend mehrerer Monate kein weitergehendes Konzept fĂŒr die angestrebte politische Nachkriegsordnung, auf das sich alle Mitglieder der Nationalen Front hĂ€tten einigen können.
Im Detail waren die politischen Ziele der Koalitionsteilnehmer vielfach fast völlig unvereinbar. Franco sah die Gefahr des Scheiterns und strebte danach, die auf nationalspanischer Seite am BĂŒrgerkrieg teilnehmenden KrĂ€fte möglichst umgehend unter seiner FĂŒhrung zu vereinen und die Deutungshoheit ĂŒber Sinn und Zweck des Kampfes gegen die Republik zu erlangen.
Der Griff nach der Falange
Mit der Rolle des AnfĂŒhrers der Junta konnte sich Francisco Franco auf Dauer nicht zufriedengeben. Er wollte nach seinem ausdrĂŒcklichen Bekunden die Fehler des frĂŒheren spanischen Diktators Miguel Primo de Rivera vermeiden, dessen Diktatur zwischen 1923 und 1930 nie ĂŒber eine âpersönliche MilitĂ€rdiktatur lateinamerikanischen Stilsâcite-ref-7[7] hinausgekommen war, weil seine Herrschaft jeder politischen Inspiration, Doktrin oder Struktur entbehrt hatte. Zur Vereinigung der spanischen Rechten unter seiner FĂŒhrung bedurfte es jedoch eines geeigneten Sammelbeckens. Er fand es in der âFalange Española de las JONSâ, die aufgrund ihres FĂŒhrerprinzips (caudillaje) dafĂŒr besonders geeignet schien.
1934, noch zu Zeiten der Zweiten Republik, hatte sich die 1933 gegrĂŒndete Falange Española mit den ihr weltanschaulich nahestehenden Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalista (JONS), zu deutsch âVereinigungen der Nationalsyndikalistischen Offensiveâ zur âFalange Española de las JONSâ zusammengeschlossen. Die neue Organisation propagierte in einem aus 27 Punkten bestehenden Parteiprogramm aus dem Jahr 1934 unter anderem die Abschaffung der Demokratie und einen ânationalen Syndikalismusâ. Unter Letzterem verstand sie die Erfassung der Bevölkerung in stĂ€ndischen Organisationen. Hierbei beschrĂ€nkte sich der Falangismus jedoch im Wesentlichen auf die Zwangsmitgliedschaft aller ArbeitsfĂ€higen in Syndikaten. Ferner enthielt das Programm Forderungen nach Verstaatlichung des Bankenwesens und einer radikalen Agrarreform.
Der AnfĂŒhrer der Falange, JosĂ© Antonio Primo de Rivera, Sohn Miguel Primo de Riveras, glorifizierte Ă€hnlich wie Mussolini das Soldatentum. Der 1935 aus der Falange wieder ausgeschlossene Ramiro Ledesma, vormals AnfĂŒhrer der JONS, war ein offener Bewunderer der faschistischen Schwarzhemden, die Italien in den Jahren um den âMarsch auf Româ (Herbst 1922) mit Terror ĂŒberzogen hatten. Der Einfluss dieser Partei mit ihren etwa acht- bis zehntausend Mitgliedern war wĂ€hrend der gesamten Zweiten Republik zu vernachlĂ€ssigen. In den letzten Wahlen von 1936 hatte sie nicht ein einziges Mandat erhalten.cite-ref-nolte135-3-1[3] Sie gehörte auch nicht zu den Urhebern des pronunciamiento im Juli 1936. Obwohl die Falange von den PutschplĂ€nen wusste, war sie nicht daran beteiligt.
Am 20. November 1936 wurde der bereits seit MĂ€rz dieses Jahres inhaftierte JosĂ© Antonio Primo de Rivera durch die spanische Republik nach einem Gerichtsverfahren hingerichtet und die Partei damit fĂŒhrerlos. Franco, dem Antony Beevor nachsagt, er habe einen Befreiungsversuch persönlich unterbunden, um keinen charismatischen Rivalen im eigenen Lager zu habencite-ref-8[8] bemĂ€chtigte sich an Stelle des vorlĂ€ufigen FĂŒhrers der Falange, Manuel Hedilla, handstreichartig der geschwĂ€chten und zerstrittenen falangistischen Bewegung und wurde deren Caudillo (span. âAnfĂŒhrerâ). Er hatte der Falange vorher weder angehört noch politisch nahegestanden. Dieser Erhebung Francos zum Caudillo wohnt etwas ZufĂ€lliges inne. HĂ€tte sich eine andere Bewegung mit vergleichbarer Verfassung und Ă€hnlicher Eignung fĂŒr die Herrschaft ĂŒber einen autoritĂ€ren Staat angeboten, hĂ€tte Franco sich wohl ebenso gut dieser anderen Bewegung bedient. Ironischerweise hatte Primo de Rivera junior aus der Zelle heraus seine AnhĂ€nger ermahnt:
ââPasst auf die Rechte auf ⊠Die Falange ist keine konservative Kraft.â Sie sollten sich nicht als AuĂenseiter an einer Bewegung beteiligen, âdie nicht zur Errichtung des national-syndikalistischen Staats fĂŒhren wirdâ. Offensichtlich wusste er, dass ein solcher Versuch bevorstand [âŠ] Nur wenige Tage vor Ausbruch des nationalistischen Aufstands, am 12. Juli, schrieb er an einen Freund: âEines der schrecklichsten Dinge wĂŒrde die nationalrepublikanische Diktatur sein. Ein anderer falscher Versuch, den ich befĂŒrchte, ist [âŠ] die Herrschaft eines falschen, konservativen Faschismus ohne revolutionĂ€ren Mut und junges Blut.â [âŠ] Was er befĂŒrchtete, war genau das, was eintrat.â
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Francis L. Carsten
:
Der Aufstieg des Faschismus in Europa
, S. 237
Franco zeigte bald darauf, dass er sich der Falange hauptsĂ€chlich zum Zweck der Machtergreifung und als Klammer fĂŒr die Parteien und Bewegungen der frente nacional bemĂ€chtigt hatte. Ernst Nolte geht so weit zu sagen, dass âder spanische Faschismus [âŠ] den konservativen MĂ€chten nicht mehr bloĂ verbĂŒndet, sondern versklavt warâ.cite-ref-9[9] Mit den Zielsetzungen der Falange identifizierte Franco sich wenig, obwohl er gewisse Punkte und Forderungen des Parteiprogramms umsetzte. Das falangistische Programm von nunmehr sechsundzwanzig Punkten wurde in den Rang einer Staatsdoktrin erhoben, wĂ€hrend Franco dieses Programm nur als Ausgangspunkt bezeichnete, das nach den Anforderungen der Zeit abzuwandeln sei. Darum nahm er die falangistischen Vorstellungen auf und lieĂ sie wieder fallen, wann immer das opportun erschien.
âGeneral Franco hatte nicht die geringste Absicht, die revolutionĂ€ren Losungen und Forderungen der Falange zu ĂŒbernehmen, mit denen er keinerlei Sympathie hatte. Er war ein Konservativer der alten Schule und der Aufstand der Generale ein Putsch, und nicht die soziale und nationale Revolution, von der die Falange getrĂ€umt hatte. [âŠ] Da er [Primo de Rivera jun.] die Kreise des Regimes nicht mehr stören konnte, wurde er zum offiziellen MĂ€rtyrer und Schutzheiligen der Diktatur Francos, einer Diktatur, deren erklĂ€rter Gegner er sicherlich geworden wĂ€re, falls sein Leben lĂ€nger gedauert hĂ€tte.â
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Francis L. Carsten
:
Der Aufstieg des Faschismus in Europa
, S. 237 f.
Die GrĂŒndung der franquistischen Staatspartei
Der 19. April 1937 ist die eigentliche Geburtsstunde des franquistischen Staates. An diesem Tag wurde die revolutionĂ€r-antimonarchistische Falange mit der monarchistisch-absolutistischen und daher im Spektrum der rechten Bewegungen genau entgegengesetzten carlistischen ComuniĂłn Tradicionalista zur Einheitspartei Falange Española Tradicionalista y de las JONS zusammengeschlossen. Diese eigenartige Vereinigung einer revolutionĂ€ren mit einer reaktionĂ€ren Bewegungcite-ref-10[10] kam auf das Betreiben von Francos Schwager RamĂłn Serrano SĂșñer zustande, der selbst weder der Falange noch den Carlisten, sondern der CEDA angehörte. Serrano hatte Franco die Vereinigung vorgeschlagen, da seiner Ansicht nach keine der an der nationalspanischen Koalition beteiligten Fraktionen den âAnforderungen des Tagesâ entsprach. Er selbst wurde auf Wunsch Francos der erste GeneralsekretĂ€r der neuen Partei und befasste sich damit, die verschiedenen Teile der neuen Bewegung zu koordinieren. Dies gelang ihm aber nicht vollstĂ€ndig, da nicht alle Falangisten sich dem neuen Kurs anschlieĂen wollten. Ansonsten lieĂen die vorher selbstĂ€ndigen Organisationen die Vereinigung geschehen, da Franco ihnen fĂŒr die Zeit nach Abschluss des BĂŒrgerkriegs die Beteiligung an der Macht in Aussicht stellte.
âDie olympische Verachtung, die Franco fĂŒr die Spanier, fĂŒr Freund und Feind empfand, Ă€uĂerte sich von Anfang an in der Auffassung von dem Staat, zu dessen Oberhaupt er sich ausrief. [âŠ] UnterstĂŒtzt von einem unĂŒbersichtlichen Konglomerat von Faschisten, die sich âFalangistenâ nannten (d. h. Republikaner und Syndikalisten), âTraditionalistenâ, also religiös verwurzelten Karlisten, âJuntas de ofensiva nacional sindicalistaâ, also Nazis mit Knoblauchsuppe, knetete er diese seelenruhig wie einen Brotteig zusammen zur âFalange Española Tradicionalista y de las JONSâ. Konnte man sich eine gröĂere Beleidigung dieser drei Gruppen mit ihren grundverschiedenen Ideologien denken? Aber sie hörten ihn unbewegt, dann begeistert an, weil es ihnen dabei um nicht wenig politische Macht ging, zum ausschlieĂlichen und monopolistischen Gebrauch.â
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Salvador de Madariaga
:
Spanien
, S. 450
Durch diesen Zusammenschluss der beiden sehr ungleichen Partner hatte Franco das franquistische System in seinen GrundzĂŒgen angelegt: aus einer lockeren Koalition war eine Bewegung unter Francos alleiniger FĂŒhrung geworden. Bald darauf wurden auch die legitimistischen Monarchisten der Bewegung angeschlossen, andere Organisationen wie die CEDA waren zu diesem Zeitpunkt schon aufgelöst.
Die neue Organisation âF.E.T. y de las JONSâ, genannt âMovimiento Nacionalâ legte in vieler Hinsicht Ideologie und Zielsetzungen der âaltenâ Falange ab: konservative und monarchistische Zielsetzungen traten in den Vordergrund, von einer Bodenreform war keine Rede mehr. Andererseits wurden zentrale falangistische Programmpunkte wie der Syndikalismus beibehalten. Die F.E.T. y de las JONS stellte, bedingt durch ihre HeterogenitĂ€t, einen Kompromiss dar, der allen etwas bot: den spanischen Antimonarchisten ebenso wie den Königstreuen, der alten Rechten ebenso wie den faschistischen, teilweise sozialrevolutionĂ€r orientierten Falangisten.
So wurden nach und nach alle politischen KrĂ€fte der nationalspanischen Kriegspartei unter Francos FĂŒhrung zusammengefasst, wĂ€hrend umgekehrt das politische Spektrum auf Seiten der Republik â das noch heterogener als die nationale Seite warcite-ref-11[11] â immer uneiniger wurde und (wie in Barcelona im FrĂŒhjahr 1937) sogar BĂŒrgerkriege innerhalb des BĂŒrgerkriegs austrug. âWĂ€hrend die Linke in fast jeder wichtigen Frage gespalten ist, findet die Rechte sich immer fester zusammenâ.cite-ref-12[12] Neben den italienischen Waffenlieferungen war dieses geschlossene Vorgehen der Grund fĂŒr den Sieg der nationalspanischen Sache ĂŒber die Republik im FrĂŒhjahr 1939. Der Franquismus herrschte nunmehr in ganz Spanien.
Die Phasen des franquistischen Regimes
Die Franco-Diktatur begann nach dem militĂ€rischen Erfolg mit einer etwa fĂŒnfjĂ€hrigen Phase gewaltsamer âSĂ€uberungenâ, gefolgt von einem eher ideologisch geprĂ€gten Zeitabschnitt, in dem versucht wurde, AnsĂ€tze einer Planwirtschaft durchzusetzen. Ab etwa Ende der 1950er Jahre bis zu Francos Tod folgte eine lange Zeit der politischen und gesellschaftlichen Lethargie, der jedoch eine beachtliche wirtschaftliche Belebung gegenĂŒberstand.cite-ref-14[14]
Der Umstand, dass sich der Franquismus nach den vorangegangenen Phasen politischer InstabilitĂ€t fast vierzig Jahre lang halten konnte, wird nicht zuletzt darauf zurĂŒckgefĂŒhrt, dass sich Franco nach dem Sieg im BĂŒrgerkrieg in einer Position sah, die ihm praktisch absolute Macht einrĂ€umte und ihm erlaubte, sein Herrschaftssystem nach seinem GutdĂŒnken zu gestalten.
Die âBlaue Periodeâ
Verkörpert im âEstado Nuevoâ, zeigte sich der Franquismus in den Jahren des Spanischen BĂŒrgerkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit als grausame Despotie in einem verwĂŒsteten, bankrotten und wirtschaftlich am Boden liegenden Land. Nach der Parteifarbe der Falange wurden die SĂ€uberungsaktionen auch als âblauer Terrorâ bezeichnet. Vom Beginn des BĂŒrgerkriegs an dominierten in den nationalspanisch beherrschten Landesteilen Repression, Folter und Rache am politischen Gegner. Die spanische Gesellschaft teilte sich in Sieger und Besiegte, und â[die] Besiegten, die in den Augen Francos das absolut Böse verkörpert hatten, sollten zahlen und bĂŒĂenâ.cite-ref-15[15] Schon am 13. Februar 1939 wurde ein Dekret ĂŒber das âVerfahren mit politischen MissetĂ€ternâ in Kraft gesetzt, das AktivitĂ€ten, die von Franco als umstĂŒrzlerische TĂ€tigkeit angesehen wurden, bis zurĂŒck in das Jahr 1934 rĂŒckwirkend unter Strafe stellte.cite-ref-16[16]
Hinter den Verbrechen des ânationalenâ Lagers steht, wie etwa der Historiker Carlos Collado Seidel schreibt, eine âtendenziell genozidale Intentionâ, die Spanien durch die âphysische Vernichtung alles als unspanisch wahrgenommenen Lebensâ reinigen wollte.cite-ref-17[17] Francos PresseattachĂ© gab zu Protokoll, fĂŒr das Ziel, das KrebsgeschwĂŒr des Marxismus in einer blutigen Operation aus dem spanischen Volkskörper zu entfernen, dĂŒrfe ein Drittel der mĂ€nnlichen Bevölkerung Spaniens eliminiert werden.cite-ref-18[18] In dieser Vernichtungsabsicht besteht nach Ansicht mancher Historiker ein grundlegender qualitativer Unterschied zu den im BĂŒrgerkrieg begangenen (und auch quantitativ geringeren)cite-ref-19[19] Repressionen der republikanischen Seite.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]
Die Zahl der politisch motivierten Hinrichtungen ging in die Hunderttausende. Walther L. Bernecker gibt die Zahl derer, die im franquistischen Spanien zwischen 1936 und 1944 durch politischen Mord und Justizverbrechen ums Leben kamen, mit 300.000 bis 400.000 Menschen an.cite-ref-22[22] Neuere SchĂ€tzungen (u. a. von Michael Richards) gehen von 150.000 bis 200.000 Opfern aus. Die Exekutierten wurden in der Regel anonym in MassengrĂ€bern beigesetzt, um sie dort dem Vergessen zu ĂŒberantworten; in Galicien soll darum sogar die Ausstellung von Totenscheinen verweigert worden sein.
Mindestens rund 35.000 ermordete AnhĂ€nger der Republik, die auĂerhalb der Dörfer und StĂ€dte verscharrt worden waren, sollen bis heute in zumeist ungekennzeichneten MassengrĂ€bern liegen. Diese SchĂ€tzung wurde nach jĂŒngsten Forschungsergebnissen aber um ein Vielfaches nach oben korrigiert.cite-ref-23[23] Allein fĂŒr Andalusien wird neuerdings die Zahl der âverschwundenenâ Republikaner mit 70.000 angegeben.cite-ref-24[24] Die Personenerfassung seitens der HinterbliebenenverbĂ€nde, der erste Versuch einer grĂŒndlichen ZĂ€hlung, ergab eine vorlĂ€ufige Zahl von 143.353 (Stand Mitte 2008).cite-ref-25[25] Spanien weist infolge der Diktatur die zweithöchste Anzahl an Verschwundenen weltweit auf.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
In der Literatur wird die Zahl der politischen HĂ€ftlinge nach dem BĂŒrgerkrieg zumeist auf ca. 1,5 Millionen geschĂ€tzt. Sie und ihre Angehörigen wurden beispielsweise bei der Zuteilung von Lebensmittelmarken systematisch benachteiligt, hatten stĂ€ndige DemĂŒtigungen hinzunehmen und lebten auch nach Entlassung aus der Haft in stĂ€ndiger Angst vor einer erneuten Inhaftierung. Die Kinder von Republikanern wurden vielfach von ihren Familien getrennt und der Obhut der katholischen Kirche ĂŒbergeben. Die aktuelle Forschung spricht von 30.000 solcher FĂ€lle von politisch motivierter Kindesentziehung.cite-ref-28[28] Mit nationalsozialistischer UnterstĂŒtzung wurden medizinische Studien an in Konzentrationslagern inhaftierten politischen HĂ€ftlingen vorgenommen, die im Zusammenhang mit ihren marxistischen Anschauungen deren angebliche geistige und rassenbiologische Minderwertigkeit belegen sollten.cite-ref-29[29]
Nach seiner Konsolidierung ging das Regime allmĂ€hlich zu weniger offen gewaltsamen RepressionsmaĂnahmen ĂŒber. Doch die letzten Konzentrationslager Francos,cite-ref-30[30] von denen es ĂŒber ganz Spanien verteilt rund 190 gegeben hat und in die bald eine halbe Million ParteigĂ€nger der spanischen Republik, und wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs auch einige zehntausend FlĂŒchtlinge aus ganz Europa interniert wurden,cite-ref-31[31] wurden erst 1962 geschlossen. Hinzu kamen Strafbataillone (Batallones de Trabajadores, kurz: BB.TT.), deren Angehörige etwa im StraĂen- und Bahnbau, in der Stahlindustrie, als Minenarbeiter oder zur Arbeit an gewissen Prestigebauten des Regimes wie etwa dem Valle de los CaĂdos eingesetzt wurden. Allein im Gebiet der westlichen PyrenĂ€en (Navarra) wurden 15.000 politische HĂ€ftlinge als âSklavenarbeiterâcite-ref-32[32] aus ganz Spanien zur Zwangsarbeit im StraĂenbau verpflichtet.
Rund 500.000 Menschen, darunter allein 150.000 Basken, flĂŒchteten ab 1939 hauptsĂ€chlich nach Frankreich, wo sie in verschiedene Lager interniert wurden. Einige der FlĂŒchtlinge konnten aber auch nach Mexiko emigrieren, wohin sich auch die republikanische Exilregierung wandte. Hierbei handelte es sich um die gröĂte Exilantenbewegung der spanischen Geschichte. FĂŒhrende Politiker der Republik wurden jedoch von Vichy-Frankreich oder durch die Gestapo an Spanien ausgeliefert und dort â wie im Falle von LluĂs Companys â hingerichtet. In der Forschung ist von 13.000 âRotspaniernâ die Rede, die nach der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Truppen aufgegriffen wurden und den Weg in deutsche Konzentrationslager nahmen, wo mindestens 10.000 von ihnen ums Leben gekommen sein sollen â 7.000 davon allein im KZ Mauthausen. Bekannt ist in diesem Zusammenhang der Interbrigadistenblock im KZ Dachau. Etwa die HĂ€lfte aller Exilanten ist demnach aufgrund einer Anzahl von Straferlassen â wie Ende 1939 einer Teilamnestie fĂŒr kleinere Vergehen der âMarxistenâ â in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wieder heimgekehrt. Eine Generalamnestie wurde jedoch niemals ausgesprochen, und so kehrten sehr viele Spanier erst nach Francos Tod aus dem Exil zurĂŒck.
1946 hatte die UNO einen diplomatischen Boykott gegen Spanien verhĂ€ngt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Franco-Regime auĂenpolitisch und wirtschaftlich fast vollstĂ€ndig isoliert. Dies fĂŒhrte zu groĂen Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung. Erst 1953 konnte Franco vor dem Hintergrund des Kalten Krieges mit den USA ein Truppenstationierungsabkommen abschlieĂen. Wenig spĂ€ter wurde ein Konkordat mit dem Vatikan geschlossen. 1955 trat das Land schlieĂlich der UNO bei.
Der SpÀtfranquismus
Der auĂenpolitischen Offensive zur Absicherung des Franquismus folgten keine politischen Freiheiten. Erst unter dem Druck eines bevorstehenden wirtschaftlichen Kollapses und nach wachsenden Protesten der Bevölkerung kam es, nach einem fast vollstĂ€ndigen Austausch der Regierungsmannschaft durch ein Technokratenregime, zu einer wirtschaftspolitischen Liberalisierung, die von konservativen Eliten wie etwa Angehörigen des Opus Dei getragen wurde.
Die Phase des Regimes, die mit diesem wirtschaftlichen Umschwung anhob, wird als tardofranquismo (âSpĂ€tfranquismusâ) bezeichnet. Mit der allerdings erst spĂ€t einsetzenden wirtschaftlichen Gesundung Spaniens und dem daraus folgenden zunehmenden Wohlstand breiterer Schichten der spanischen Bevölkerung konsolidierte Franco seine Herrschaft noch einmal. Dieser wirtschaftspolitische Paradigmenwechsel, der innenpolitisch mit dem relativen Machtverlust des MilitĂ€rs und des Movimiento einherging, wurde dadurch ermöglicht, dass Franco auf Grundlage der auĂenpolitischen Erfolge auch die innere Lage stabilisieren konnte.
Der Franquismus endete in einem Staat, der zwar eine autoritĂ€re Diktatur geblieben war, andererseits aber seine BĂŒrger im Alltag weitgehend unbehelligt lieĂ â wenngleich in den letzten Jahren des Franquismus die Repression wegen der AktivitĂ€ten der ETA und weiterer oppositioneller Gruppen wieder zunahm. Franco vertrat bis zu seinem Tod antimodernistische staatspolitische Vorstellungen. Er gestand der Bevölkerung kaum demokratische Rechte und keine Koalitionsfreiheit auĂerhalb der vom System kontrollierten Syndikate zu und behielt sich als Diktator vor, jederzeit nach seinem Ermessen sĂ€mtliche Instrumente politischer und gesellschaftspolitischer UnterdrĂŒckung gegen jede Art von Opposition einzusetzen. Die staatlichen Institutionen von der Staatspartei Movimiento Nacional bis zu den stĂ€ndischen Organisationen der Sindicatos verticales blieben bis zuletzt Instrumente der persönlichen MachtausĂŒbung des Caudillo. Der franquistische Staat ĂŒbertrug der Polizei (einschlieĂlich der Guardia Civil) und den Sicherheitsdiensten erhebliche Macht. Die internen SicherheitskrĂ€fte waren in vieler Hinsicht besser ausgerĂŒstet und organisiert als die spanische Armee. Besonders die Guardia Civil bekĂ€mpfte jahrzehntelang mit erheblicher BrutalitĂ€t alle Versuche, unabhĂ€ngige, partikularistische oder oppositionelle Parteien und Gewerkschaften zu bilden oder entsprechende persönliche Meinungen zu Ă€uĂern.
Der franquistische Staat wurde nach dem Tod des Diktators 1975 binnen weniger Jahre im Rahmen einer Transition (spanisch TransiciĂłn) beispielhaft friedlich â mit der Ausnahme des Putschversuchs in den Cortes am 23. Februar 1981 â in eine parlamentarische Monarchie umgewandelt.
Das System des Franquismus
Francos System bestand in der Hauptsache â wie Hugh Thomas und Bernecker ĂŒbereinstimmend feststellen â aus einem Kompromiss zwischen MilitĂ€r, Movimiento Nacional und katholischer Kirche. Seine FĂ€higkeit bestand darin, dass er fortwĂ€hrend alle diese innenpolitischen Gruppierungen, die ihn stĂŒtzten bzw. die er nicht ignorieren konnte, gegeneinander ausspielte. Daneben gab es, wie Bernecker ausfĂŒhrt, mit den Latifundisten und der GroĂfinanz weitere Gruppierungen, die zahlenmĂ€Ăig weniger bedeutend waren, aber deren Einfluss in Spanien unĂŒbersehbar war. AuĂerdem sind in dem Zusammenhang die AcciĂłn CatĂłlica und nicht zuletzt das erst in spĂ€teren Jahren einflussreiche Opus Dei zu nennen. Im Zusammenhang mit dem Aufbau des franquistischen Staats dĂŒrfen ferner die Zwangskorporationen, die âSindicatos verticalesâ, nicht vergessen werden.
Mit den einzelnen Phasen des Regimes wechselten auch die StĂŒtzen des Staates, ihre Bedeutung fĂŒr das System oder der Grad ihrer LoyalitĂ€t zu Franco â der Diktator selbst war die einzige echte Konstante des Systems. Auf lange Sicht verloren nicht nur die AnhĂ€nger der Spanischen Republik, sondern auch viele Gruppen, die Franco im BĂŒrgerkrieg an die Macht gebracht hatten, an Einfluss zugunsten des Despotismus eines Einzelnen und seiner Vasallen.
âDie Ziele, fĂŒr die man gekĂ€mpft hatte, waren 1939 ⊠mehr oder minder tot. Aus leidenschaftlichen ideellen Konflikten war zum Schluss nur noch ein opportunistisches Tauziehen um die Weiterexistenz der KĂ€mpfenden geworden. Liberalismus und Freimaurerei waren ausgetrieben, aber die Kirche war von der Falange praktisch entmachtet. Die sozialen Ziele der Falange jedoch waren fast ebenso verblichen wie die der Kommunisten, Anarchisten und Sozialdemokraten. Carlisten und legitime Monarchisten konnten ihren Standpunkt nicht durchsetzen. Auf dieser SchĂ€delstĂ€tte der Ideologien thronte triumphierend ein kĂŒhler, farbloser, grauer Mann, der den Spanischen BĂŒrgerkrieg ĂŒberlebt hatte wie Octavian den römischen. CĂ€sar und Pompeius, Brutus und Antonius, Cato und Cicero â alle diese Genies ermangelten des geringeren Talents, die Dinge ĂŒberleben zu können. Francisco Franco war der Octavian Spaniens.â
â
Hugh Thomas
:
Der Spanische BĂŒrgerkrieg
, S. 465.
Der Diktator: Francisco Franco
â
Hauptartikel
:
Francisco Franco
Francos Griff nach der Macht in den Jahren 1936 und 1937 war im politischen Umfeld einer ausgesprochen heterogenen Kriegspartei erfolgt. Es war abzusehen, dass die einzelnen Gruppen der fragilen, im Wesentlichen nur durch die augenblickliche Krisenlage zusammengehaltenen Koalition frĂŒher oder spĂ€ter ihre Waffen gegeneinander richten wĂŒrden. Die schlecht austarierte Koalition konnte jederzeit zerbrechen, sobald eine der Gruppierungen, aus denen sie sich zusammensetzte, aus welchen GrĂŒnden auch immer, das Ăbergewicht erhalten und sodann die eigenen Zielvorstellungen gegen die anderen Parteien durchzusetzen versuchen wĂŒrde. Franco löste dieses Dilemma, indem er die unter seiner FĂŒhrung kĂ€mpfenden politischen Gruppierungen teils durch Zwang, teils durch Ăberredung und Versprechungen unter seine persönliche Kontrolle brachte und ihre ĂŒberschĂŒssigen politischen Energien auf FlĂŒgelkĂ€mpfe im Rahmen des Movimiento Nacional richtete. In der Staatspartei hielt er die einzelnen Fraktionen dadurch in Gleichgewicht, dass er sie gegeneinander auszuspielen pflegte. Das ideologische Vakuum fĂŒllte Franco absichtlich bis zuletzt nicht aus: Basis und Legitimationsquelle seiner Herrschaft war neben dem traditionalen Katholizismus im Wesentlichen die im BĂŒrgerkrieg erworbene MachtfĂŒlle, ĂŒber die Franco nach dem Prinzip âteile und herrscheâ verfĂŒgte.
Im Unterschied zu anderen zeitgenössischen Diktaturen wurde Spanien weniger von einer die Staatsziele vorgebenden Ideologie als vielmehr von der Person des Diktators geprĂ€gt, was auch in der Bezeichnung âFranquismusâ zum Ausdruck kommt, obwohl es Franco kaum gegeben war, Volksmassen zu begeistern. Der kleingewachsene Franco wirkte in seinem physischen Erscheinungsbild reichlich unmilitĂ€risch und hatte sich in seiner aktiven MilitĂ€rzeit darum Spitznamen wie âKommandantchenâ oder âFranquitoâ zugezogen.cite-ref-beevor73-33-0[33] Auch Payne will Franco Charisma höchstens aufgrund des Umstands zusprechen, dass er den BĂŒrgerkrieg gewonnen hatte, nicht aber wegen seiner Persönlichkeit.cite-ref-34[34] Diesem fehlenden Charisma versuchte der GeneralĂsimo, dessen Fistelstimme âseinen Kommandos den Klang eines Gebetsâcite-ref-35[35] gab, mit der Inszenierung eines Personenkults aufzuhelfen. Das System funktionierte auch ohne charismatischen FĂŒhrer.cite-ref-36[36] Franco, der sich in Naturell und Temperament und seiner eher verschlossenen Artcite-ref-beevor73-33-1[33] von Mussolini und Hitler wesentlich unterschied,cite-ref-37[37] war phantasielos,cite-ref-38[38] scheu, zurĂŒckhaltend, introvertiertcite-ref-39[39] und alles andere als ein Mann der Tat, sondern verdankte sein politisches Ăberleben bis zuletzt seiner Umsicht, seinem Organisationstalent und seiner FĂ€higkeit, Probleme auszusitzen und nie etwas zu ĂŒberstĂŒrzen.cite-ref-bernecker-184-40-0[40] Bernecker berichtet von einer bezeichnenden Anekdote, wonach sich auf Francos Schreibtisch zwei Aktenstapel befunden hĂ€tten â einer fĂŒr Probleme, die sich mit der Zeit erledigt hatten, und ein anderer fĂŒr Probleme, die sich mit der Zeit noch erledigen mussten.cite-ref-bernecker-184-40-1[40] Auch darin, dass Franco eher reagierte als agierte, sich allzu sehr zu exponieren oder wo möglich die Initiative zu ergreifen vermied und Risiken möglichst aus dem Weg ging,cite-ref-bernecker-184-40-2[40] zeigt sich â wie Hugh Thomas es ausdrĂŒckt â der âUnterschied zwischen Franco und dem imperialistischen, eroberungssĂŒchtigen Diktatoren des eigentlich faschistischen Typsâ:cite-ref-41[41] Franco wusste, wann man aufhören muss.cite-ref-42[42] Nach Beevor hatte Franco jedenfalls vor dem BĂŒrgerkrieg trotz allem eine Leidenschaft, nĂ€mlich alles begierig zu lesen, was er ĂŒber die âbolschewistische Gefahrâ auftreiben konnte.cite-ref-beevor73-33-2[33]
Obwohl Franco nicht in vergleichbarem MaĂe wie andere zeitgenössische Diktatoren in der Ăffentlichkeit in Erscheinung trat, war seine Stellung im Staatsganzen in vieler Hinsicht unabhĂ€ngiger als diejenige anderer Despoten. Davon abgesehen, dass sich wĂ€hrend Francos gesamter Regierung nie ein ernstzunehmender Konkurrent zeigte, war dies darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass Franco ĂŒber einige wenige Leitlinien und Schlagworte hinaus nie eine zusammenhĂ€ngende Ideologie formulierte und somit auch kaum durch eine solche in seiner Entschlussfreiheit beschrĂ€nkt war. Hinzu kam, dass nicht eine der verschiedenen Fraktionen des Movimiento Nacional und auch nicht eine der anderen StĂŒtzen des Regimes wie die katholische Kirche und sogar das MilitĂ€r wirklich fĂŒr sich in Anspruch nehmen konnte, dass Franco einer der Ihren sei. Franco herrschte, indem er alle seine StĂŒtzen gegeneinander ausspielte und es vermied, sich zugunsten einer Gruppierung festzulegen. Der Diktator hielt sich im Hinblick auf seine eigene Haltung zu Fragen der StaatsfĂŒhrung und gesellschaftliche Politik hĂ€ufig bedeckt und behielt sich die Rolle des die Debatte abschlieĂenden Schiedsrichters vor. Abgesehen von seiner Familie brachte er nur sehr wenigen Personen jemals echtes Vertrauen entgegen.
Dies ging so weit, dass zahlreiche Institutionen des franquistischen Staats und viele der Elemente des franquistischen IdeologiegebĂ€udes weniger auf Franco selbst als vielmehr auf das Betreiben der SĂ€ulen von Francos Macht â wie insbesondere des durch die Falange dominierten Movimiento Nacional und der Kirche â zurĂŒckzufĂŒhren waren. Die Staatsgewalt ist zwar nicht ohne die Verflechtung mit diesen Machtzentren, doch groĂenteils ohne die Konzessionen vorstellbar, die Franco den StĂŒtzen des Systems je nach OpportunitĂ€t machte. Einzelne Punkte der ideologischen AnsĂ€tze stellten sich zudem als verhandelbar heraus, wenn es Franco fĂŒr seine Zwecke nĂŒtzlich erschien. Salvador de Madariaga stellt Franco als einen machtgierigen Egoisten ohne Ideale dar:
âEr [Franco] war ein Besessener, besessen von dieser Herrschergabe, und bis zu seinem Ende herrschte in ihm die Herrschsucht derart, dass er nicht einmal dem Tod erlauben wollte, sie ihm streitig zu machen [âŠ] Diese Verachtung fĂŒr alles und jeden, die er selten zu verheimlichen bemĂŒht war (auĂer im religiösen Bereich, und auch dort, ohne sich sehr anzustrengen), rĂŒhrte daher, dass er nur von einem Gedanken beseelt war: Franco diente nur Franco. Die politischen Theorien und Ideologien lieĂen ihn unberĂŒhrt. Er unterstĂŒtzte Hitler, weil damals die ganze Macht von Hitler ausging. [âŠ] Als er ins amerikanische Lager ĂŒbergehen musste, warf er seine antidemokratischen Reden in den Papierkorb. Franco hat nie eine uneigennĂŒtzige Meinung vertreten, die sich aus Logik, Vernunft, GroĂmut, NĂ€chstenliebe oder dem RechtsgefĂŒhl ergeben hĂ€tte; jegliche Interpretation seiner Handlungen, die Religiöses zur ErklĂ€rung zulĂ€sst, muss irrig sein. Franco glaubte stets nur an Franco.â
â
Salvador de Madariaga
:
Spanien
, S. 449 f.
Nach Francos Vorstellungen sollte jedoch seine eigene diktatorische Herrschaftsform nicht von Dauer sein, wenngleich der autoritĂ€r-konservative Charakter des spanischen Staates erhalten bleiben sollte. Er sorgte bereits zu Lebzeiten dafĂŒr, dass nach ihm niemand dieselbe MachtfĂŒlle auf sich vereinen wĂŒrde. Das Amt des Regierungschefs ĂŒbertrug er bereits zu Lebzeiten zuerst auf Luis Carrero Blanco, nach dessen Ermordung durch die ETA im Jahr 1973 auf Carlos Arias Navarro. Bereits 1947 hatte Franco die Monarchie in Spanien gesetzlich wieder verankert, jedoch den Thron zu seinen Lebzeiten vakant gelassen. Diese WiedereinfĂŒhrung sah Franco jedoch als Instauration, nicht als Restauration an,cite-ref-43[43] da die Monarchie zukĂŒnftig in vollem Einklang mit den Prinzipien des Movimiento Nacional stehen sollte. Sich selbst sah Franco wohl als Reichsverweser an, der die Wiedereinsetzung der Monarchie vorbereiten wollte, sich aber selbst mit monarchischem Glanz umgab. So trug er eine Uniform, die an sich dem König vorbehalten war. Ăberdies lieĂ er sein Konterfei auf dem MĂŒnzgeld abbilden und maĂ sich sogar Gottesgnadentum bei â sein persönlicher Titel lautete por la gracia de Dios, Caudillo de España y de la Cruzada ("von Gottes Gnaden Caudillocite-ref-44[44] Spaniens und des Kreuzzugscite-ref-45[45] "). Zudem genoss Franco die liturgischen Ehrenrechte, die vordem dem König zugestanden hatten. Er ĂŒbernahm und leitete die Erziehung Juan Carlosâ I., den er schlieĂlich 1969 zu seinem Nachfolger ernannte, nachdem er die Entscheidung ĂŒber die Festlegung seines königlichen Nachfolgers jahrzehntelang aufgeschoben und dabei alle möglichen PrĂ€tendenten, einschlieĂlich derjenigen der Carlisten, gegeneinander ausgespielt hatte.
Das MilitÀr
Franco, der aus den Reihen des MilitĂ€rs kam, rĂ€umte diesem anfangs â quasi als Siegesbeute â bedeutende Macht und eine Anzahl von Privilegien ein. Schon bald entzog er ihm jedoch nach und nach seinen politischen Einfluss und besetzte die RegierungsĂ€mter ĂŒberwiegend mit Zivilisten. Das MilitĂ€r, das ihm im Wesentlichen treu ergeben war, blieb jedoch infolge seines Einflusses auf die SicherheitskrĂ€fte sowie seiner Stellung in der öffentlichen Verwaltung und im Wirtschaftsleben wĂ€hrend der gesamten Regierungszeit Francos eine Macht, die er nicht vernachlĂ€ssigen durfte. Das MilitĂ€r erwies sich als zuverlĂ€ssige StĂŒtze bei der âEntfaschisierungâ des Systems in den Nachkriegsjahren, als es vorĂŒbergehend â bis zur Berufung modernerer Eliten â einige der bis dahin von der F. E. T. y de las JONS gehaltenen Positionen, vor allem im Bereich der öffentlichen Verwaltung, ĂŒbernahm.
Dieser Einfluss des MilitĂ€rs sollte jedoch nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Francos Herrschaft â jedenfalls nach Ende des Zweiten Weltkriegs â keine MilitĂ€rdiktatur im eigentlichen Sinne war. Dies zeigt sich einerseits am anhaltend niedrigen Anteil der staatlichen RĂŒstungsausgaben nach 1945 und andererseits daran, dass die ReprĂ€sentanten des Heers bei wichtigen politischen Weichenstellungen keine entscheidende Rolle spielten und vor allem im SpĂ€tfranquismus auch kaum gefragt wurden.
Das SelbstverstĂ€ndnis des MilitĂ€rs hatte sich wĂ€hrend Francos Herrschaft gewandelt. Der Umstand, dass es zuletzt kaum noch Einfluss auf politischer Ebene ausĂŒben konnte, fĂŒhrte zu einer lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen Entpolitisierung und Disziplinierung des MilitĂ€rs.cite-ref-46[46] So kam es, dass nach Francos Tod die StreitkrĂ€fte, sieht man von einem gescheiterten, durch den König beendeten Putschversuch ab (siehe 23-F), in den Prozess der transiciĂłn nicht eingriffen, sondern den legalen Machtwechsel auf der Basis freier Wahlen geschehen lieĂen. Diese Haltung war keineswegs selbstverstĂ€ndlich, wenn man berĂŒcksichtigt, dass die StreitkrĂ€fte vor dem BĂŒrgerkrieg fĂŒr ihren PrĂ€torianismus berĂŒchtigt waren und allein im 19. Jahrhundert etwa 50 Putsche und Putschversuche ins Werk gesetzt hatten.
Der Movimiento Nacional
Staatspartei des franquistischen Systems war die Falange Española Tradicionalista y de las Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalista (in wörtlicher Ăbersetzung: âSpanische Traditionalistische Phalanx der Vereinigungen der Nationalsyndikalistischen Offensiveâ, kurz F.E.T. y de las JONS, eine âOrganisation [âŠ] so schwerfĂ€llig wie ihr Nameâ).cite-ref-47[47] Ihre Namensbestandteile weisen auf die carlistische ComuniĂłn Tradicionalista (âTraditionalistische Glaubensgemeinschaftâ) und auf die faschistische Falange Española de las JONS hin. Sie wurde auch Movimiento Nacional oder nach der lange Zeit dominierenden Teilfraktion oft einfach Falange genannt.
Bernecker bezeichnet die Herrschaft dieser Bewegung wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren als die âBlaue Periodeâ. Die MachtfĂŒlle des Movimiento Nacional war besonders groĂ, als Franco zwischen den Parteien des Zweiten Weltkrieges die Balance zu wahren und nach Kriegsende die auĂenpolitische Isolation zu ĂŒberwinden versuchte. In den frĂŒhen Jahren bis nach dem Zweiten Weltkrieg prĂ€gte die Bewegung entscheidend die Ideologie des Franquismus. Franco fĂŒhrte jedoch wĂ€hrend seiner gesamten Amtszeit den Einfluss des Movimiento immer weiter zurĂŒck. Einige Historiker sprechen sogar â soweit der ideologische Zustand dieses rechten Sammelbeckens dies rechtfertigt â von einer âEntfaschisierungâ des franquistischen Staats durch Franco selbst. So kosteten die Regierungswechsel von 1957 und 1969 den Movimiento jeweils erhebliche Macht, die anderen Gruppierungen, vor allem dem MilitĂ€r und spĂ€ter dem Opus Dei ĂŒbertragen wurde. Da zahlreiche Altfalangisten (camisas viejas, âAlthemdenâ) den Kurs Francos ablehnten, der auf ihre ZurĂŒckdrĂ€ngung abzielte, gab es im franquistischen Spanien sogar rechte oppositionelle Gruppierungen.cite-ref-48[48] Francisco Herranz, ein MitbegrĂŒnder der Falange, ging so weit, sich 1969 aus Protest gegen den âVerrat an der Falangeâ selbst zu erschieĂen.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]
Ab 1958 erwĂ€hnten die offiziellen Texte des Staats die Bezeichnung Falange nicht mehr, und ab 1970 wurde die Bewegung auch offiziell in Movimiento Nacional umbenannt. Der Movimiento fĂŒllte die Funktionen einer Staatspartei immer eingeschrĂ€nkter aus. Bereits wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs hatte die Staatspartei einen Vergleich mit den Parteiorganisationen totalitĂ€rer Regimes nur eingeschrĂ€nkt zugelassen. Ihre ideologische Ausrichtung war wegen der Verschiedenartigkeit der in ihm zusammengefassten Organisationen bereits wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges unklar und wurde nach einem umfangreichen Zustrom von Mitgliedern im Jahr 1939 noch diffuser. Der Movimiento setzte sich ausschlieĂlich aus FlĂŒgeln zusammen, weil ein ideologisches Zentrum oder eine Parteilinie kaum auszumachen war. Aus diesem Grund war er auch weit entfernt von der ideologischen Geschlossenheit eines Partito Nazionale Fascista oder gar einer NSDAP. Waren die Fraktionen des Movimiento auch von der direkten Macht ausgeschlossen, die von Franco ausgeĂŒbt wurde, so waren sie deshalb nicht machtlos. Ihre AnfĂŒhrer wurden durch Franco auf Basis eines VertrauensverhĂ€ltnisses eingesetzt, was dazu fĂŒhrte, dass keine dieser Gruppen gĂ€nzlich oder auf Dauer ĂŒbergangen wurde.cite-ref-51[51]
Der Movimiento bewirkte aufgrund seiner unĂŒbersichtlichen Zusammensetzung aber immerhin, dass im autoritĂ€ren System Francos in der Praxis ein sehr eingeschrĂ€nkter Pluralismuscite-ref-52[52] möglich war, der in totalitĂ€ren Systemen â man denke in Hinblick auf den deutschen Nationalsozialismus nur an Gregor Strasser oder Ernst Röhm â undenkbar gewesen wĂ€re.
Ideologisch deutlich divergierende Gruppen wie etwa die carlistischen, monarchistischen, altrechten und falangistischen FlĂŒgel innerhalb der F.E.T y de las JONS konnten sich gerade aufgrund des fĂŒr den franquistischen Staat charakteristischen Fehlens einer positiv formulierten Staatsideologie bilden und ihre mitunter sehr verschiedenen Auffassungen zu tagesaktuellen und auch grundsĂ€tzlichen Fragen artikulieren. Franco verwendete groĂe Sorgfalt darauf, dass dieser sehr relative Pluralismus der einzelnen Fraktionen nicht etwa in oppositionelle Haltungen umschlug. Als der PrĂ€tendent der carlistischen Bewegung, Francisco Javier (I.), VerstĂ€ndnis fĂŒr baskische und katalanische Autonomiebestrebungen Ă€uĂerte und sein Sohn Carlos-Hugo seinen Vater wegen dessen Haltung, den AnhĂ€ngern der carlistischen Bewegung im Zuge des Plebiszits von 1966 ĂŒber das Staatsorganisationsgesetz (Ley OrgĂĄnica del Estado) eine Zustimmung zu Francos Nachfolgeregelung zu empfehlen, sinngemÀà als Opportunisten bezeichnete, lieĂ Franco den PrĂ€tendenten und sĂ€mtliche Prinzen der II. Carlistischen Dynastie aus Spanien ausweisen.
Die amorphe und hochbĂŒrokratisierte F.E.T. y de las JONS ĂŒbte nicht, wie die entsprechenden Parteiorganisationen Deutschlands oder Italiens, das Monopol der Rekrutierung sĂ€mtlicher Machteliten aus, allein schon weil Franco sich in der Zusammensetzung seiner Regierungen gerne auf Kleriker und MilitĂ€rs stĂŒtzte, die der Staatspartei nicht anzugehören brauchten. Somit war der Movimiento nur ein Element in der Architektur des franquistischen Staats. Er war â Bernecker zufolge â ein âinnenpolitisches Instrument Francosâ, das er dazu verwendete, die rechten KrĂ€fte in Spanien gegeneinander auszuspielen. Mit dem Antimonarchismus der falangistischen Fraktion etwa war es ihm demnach möglich, ein Gegengewicht zu den monarchistischen Gruppen, vor allem den Carlisten zu schaffen. Aus demselben Grund war die Falange wegen ihres sozialistischen Einschlags gegenĂŒber den Konservativen und der alten Rechten nĂŒtzlich. Auch Teile des MilitĂ€rs, die mit der Falange sympathisierten, lieĂen sich gegen andere Fraktionen innerhalb des MilitĂ€rs in Aufstellung bringen.
Der Movimiento behielt jedoch bis zuletzt eine nicht zu ĂŒbergehende Stellung durch die stĂ€ndische Organisation des Staatswesens, durch seine Vertretung in den Cortes Generales sowie durch seinen Einfluss auf das UniversitĂ€tssystem und auf die Massenmedien: Radio und Fernsehen waren gĂ€nzlich, die Presse zu einem betrĂ€chtlichen Teil von der Staatspartei kontrolliert.
Die Sindicatos verticales
Der Estado Nuevo zeigt deutliche AnsĂ€tze einer korporativen Gliederung, umfasste jedoch nicht die gesamte Gesellschaft. Das stĂ€ndestaatliche Modell â das im franquistischen Staat unter der Bezeichnung âorganische Demokratieâ gefĂŒhrt wurdecite-ref-53[53] â wurde im Gesetz ĂŒber die Prinzipien des Movimiento Nacional von 1958 festgeschrieben. Art. VI sah neben den Familien und den Gemeinden die Syndikate als entidades de la vida social (âElemente des gesellschaftlichen Lebensâ) und estructuras bĂĄsicas de la comunidad nacional (âGrundstrukturen der nationalen Gemeinschaftâ) an. Politische Organisationen, die auĂerhalb der genannten Grundstrukturen und anderer fĂŒr diesen Zweck eingerichteter Körperschaften, insbesondere also auĂerhalb der Syndikate standen, waren nach Art. VIII verboten (Toda organizaciĂłn polĂtica de cualquier Ăndole al margen de este sistema representativo serĂĄ considerada ilegal).
Das System der Syndikate âerlaubt[e] es den Herrschenden, die Entstehung von Gruppen zu verhindern, deren WĂŒnsche möglicherweise nicht mit der von oben angeordneten Linie ĂŒbereinstimmen könnten, sowie die öffentliche Meinung zu kanalisieren und von oben her in die gewĂŒnschte Richtung zu lenken. Als organisch [wurde] dieses System bezeichnet, weil es von der Behauptung ausg[ing], dass alle Gruppen von einem gemeinsamen Interesse zusammengehalten wĂŒrden: alle Personen, die sich mit Metall beschĂ€ftigen, im Metallsyndikat, alle in der Landwirtschaft TĂ€tigen im Agrarsyndikat, alle Rechtsgelehrten in der Anwaltskammer. Dabei [wurde] auĂer Acht gelassen, dass ein GroĂgrundbesitzer andere Interessen hat als sein Tagelöhner, ein Arbeiter andere als der Generaldirektor, ein Anwalt, der politische HĂ€ftlinge verteidigt, andere als der Assessor im Arbeitsministerium und ein Beleuchter andere als der Theaterdirektor.âcite-ref-54[54]
Die Syndikate gingen auf JosĂ© AntĂłnio Primo de Rivera zurĂŒck. Dieser hatte bereits 1935 die Umwandlung der Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen in berufsstĂ€ndische Syndikate gefordert, die, nach Produktionszweigen gegliedert, Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer einzigen Organisation unter Aufsicht und Leitung des Staates zusammenfassen sollten. Andere Organisationen mit gewerkschaftsĂ€hnlichen Funktionen wurden aufgelöst und mit einem Verbot der Neubildung belegt. Dieses Verbot wurde jedoch nicht lĂŒckenlos durchgesetzt, da die Hermandades Obrera de AcciĂłn CatĂłlica (âArbeiterbruderschaften der Katholischen Aktionâ, HOAC) sich weiter betĂ€tigten und offen als Alternative zu den Sindicatos verticales darstellten. Wegen ihres immer schĂ€rferen Konfrontationskurses wurde Anfang der 1960er Jahre schlieĂlich die katholische HOAC-FĂŒhrungsmannschaft auf Druck des Regimes abgesetzt.
Die Syndikate hatten eine politische und eine reprĂ€sentative Funktion, verfĂŒgten allerdings ĂŒber wenig konkrete Machtbefugnisse. Erst 1958 erhielten die schon 1947 eingerichteten BetriebsausschĂŒsse das Recht, die Interessen der jeweiligen Arbeitnehmerschaft bei betrieblichen Abkommen zu vertreten. Wie Bernecker ausfĂŒhrt,cite-ref-55[55] wurden trotz dieser relativen StĂ€rkung der Kompetenzen in den Folgejahren die âKritik an der mangelnden ReprĂ€sentivitĂ€t der SyndikatsfĂŒhrung, der Unverantwortlichkeit der Befehlslinie und der AbhĂ€ngigkeit der Syndikate von der politischen FĂŒhrung geĂŒbtâ.
Das Syndikatssystem bestand im Wesentlichen unverÀndert bis zu Francos Tod, wurde allerdings von illegalen Interessenvertretungen wie den Comisiones Obreras (CC.OO) zuletzt bis fast zur Bedeutungslosigkeit unterwandert und ausgehöhlt.
Die katholische Kirche
WĂ€hrend etwa der ersten zwei Jahrzehnte der ausgeprĂ€gt klerikalistischen Herrschaft Francos war die katholische Kirche eine der wirksamsten StĂŒtzen des franquistischen Staats. Im Gegenzug fĂŒr die Legitimierung der Diktatur erhielt sie weitreichenden Einfluss auf dem Gebiet der spanischen Gesellschaftspolitik. Dieser nacional-catolicismo der Franco-Zeit lastet nach Manfred Tietzcite-ref-56[56] auch nach der Demokratisierung des Landes als schwere Hypothek auf der spanischen Kirche.cite-ref-57[57]
Der Nationalkatholizismus
Die Herrschaft Francisco Francos gab sich betont katholisch und suchte die NÀhe der kirchlichen Institutionen, von denen sie Legitimation beanspruchte und erhielt. So erkannte die Kirche Franco unter anderem ein Gottesgnadentum zu, das Bestandteil seines offiziellen Titels wurde. Dieses besondere VerhÀltnis zwischen Kirche und Diktator wurde als nacional-catolicismo bezeichnet.
Der nacional-catolicismo hatte bereits wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs Gestalt angenommen. Einerseits ging es der spanischen Kirche mit ihrer Parteinahme fĂŒr die nationalspanische Seite darum, ihre Privilegien zurĂŒckzuerhalten, die sie in der antiklerikal geprĂ€gten Zweiten Republik verloren hatte. Andererseits lagen dieser Entscheidung aber auch die zahlreichen gewalttĂ€tigen Ăbergriffe gegen Klerus, Laien und KirchengebĂ€ude wĂ€hrend der Zweiten Republik und des BĂŒrgerkriegs zugrunde, angesichts derer sich die Kirche in einem Kampf auf Leben und Tod wĂ€hnte. 1937 erschien darum ein von allen spanischen Bischöfen bis auf zwei verfasster Hirtenbrief an alle Bischöfe der Welt, in dem der Kampf gegen die Republikaner als âKreuzzugâ und ânationale Bewegungâ gerechtfertigt wurde. Franco versicherte sich dieses mĂ€chtigen Bundesgenossen dadurch, dass er seinen Putsch als einen Kampf fĂŒr die gesamte Christenheit in Gestalt der westlichen Zivilisation im Allgemeinen und der HispanitĂ€t (hispanidad) im Besonderen ausgab und als cruzada (âKreuzzugâ) zur Verteidigung der Religion bezeichnete. Dieser Kampf fĂŒr die Religion wurde zu einem GrĂŒndungsmythos des franquistischen Regimes (s. u. im Abschnitt âÂĄViva Cristo Rey!â).
Die Haltung des Heiligen Stuhls unterschied sich jedoch durchaus von derjenigen der spanischen Kirche. Pius XI. wird seit der Ăffnung der vatikanischen Archive fĂŒr die Zeit seines Pontifikats im September 2006 nach Forschungen des Historikers Vincente CĂĄrcel OrtĂ âeine Distanz [âŠ], wenn nicht gar Opposition des Papstes gegen den GeneralĂsimoâ zugeschrieben. Es sei jedenfalls âfalsch [âŠ], den Ratti-Papst als VerbĂŒndeten Francos hinzustellenâ.cite-ref-58[58] Pius nahm in seiner Enzyklika Divini redemptoris aus dem Jahr 1937 zwar Partei gegen die âGreuel des Kommunismus in Spanienâ,cite-ref-59[59] ohne allerdings Franco selbst gutzuheiĂen.cite-ref-60[60]
Nach dem BĂŒrgerkrieg rĂ€umte Franco den kirchlichen Institutionen die alten Privilegien wieder ein und garantierte sie im âGrundgesetz der Spanierâ auch verfassungsrechtlich. Dem Katholizismus wurde als einziger Konfession die Abhaltung öffentlicher Zeremonien und Kundgebungen ermöglicht. Die Kirche war in den Cortes direkt reprĂ€sentiert, Kleriker waren in politischen Spitzenpositionen vertreten. Das ranghöchste franquistische Grundgesetz, das âGesetz ĂŒber die Prinzipien des Movimiento Nacionalâ von 1958, formulierte (in Art. II) das enge VerhĂ€ltnis zwischen Kirche und Staat wie folgt: La naciĂłn española considera como timbre de honor el acatamiento a la Ley de Dios, segĂșn la doctrina de la Santa Iglesia CatĂłlica, ApostĂłlica y Romana, Ășnica verdadera y fe inseparable de la conciencia nacional, que inspirarĂĄ su legislaciĂłn (etwa: âDie spanische Nation rĂŒhmt sich der Ehrfurcht vor Gottes Gesetz gemÀà der einzig wahren Lehre der heiligen katholischen, apostolischen und römischen Kirche und dem vom nationalen Bewusstsein untrennbaren Glauben, der ihre Gesetzgebung inspirieren wirdâ). Im Rahmen des nacional-catolicismo kam es so zu einer Verschmelzung von Kirche und Staat. Eine fĂŒr das Franco-Regime bezeichnende Geste war es, der Mutter Gottes den Rang eines Ehrengenerals der spanischen Armee einzurĂ€umen.cite-ref-61[61]
Das Konkordat von 1953
Am 17. August 1953 schloss Franco mit dem Vatikan ein fĂŒr den Heiligen Stuhl sehr vorteilhaftes Konkordat ab.cite-ref-62[62]cite-ref-0-63-0[63] Abgesehen davon, dass sich der Franco-Staat und die katholische Kirche gegenseitig offen begĂŒnstigten, steht der Abschluss dieses Konkordats auch im Zusammenhang mit den BemĂŒhungen des Franco-Regimes, die internationale Ăchtung zu durchbrechen. Daher hatte der Vatikan lange mit dem Abschluss einer solchen Vereinbarung gezögert. Erst die Pactos de Madrid mit den USA ĂŒber den Abschluss eines Stationierungsabkommens mit Spanien 1953 beendeten die Hinhaltetaktik des Heiligen Stuhls.
Das Konkordat sicherte der katholischen Kirche neben der BestĂ€tigung bereits bestehender Vorrechte eine noch weitergehendere Einflussnahme auf das öffentliche Leben â insbesondere durch die Ăbertragung elementarer Teile des Bildungs- und Erziehungswesens sowie von Zensurbefugnissen in dogmatischen und moralischen Belangen. Der Kirche wurde das spanische Bildungs- und Erziehungswesen gröĂtenteils ĂŒbertragen; das Konkordat schrieb unter anderem verbindlichen Religionsunterricht von der Grundschule bis zur UniversitĂ€t vor, der in vollem Einklang mit der katholischen Dogmatik und Morallehre zu stehen hatte.
Weitere Bestandteile des Konkordats waren groĂzĂŒgige Steuerbefreiungen fĂŒr die kirchlichen Institutionen und eine EntschĂ€digung fĂŒr staatliche Enteignungen wĂ€hrend der Zweiten Republik. Ferner sollte der spanische Staat fĂŒr den Unterhalt der Priester und die Erhaltung der KirchengebĂ€ude aufkommen. Die Möglichkeit einer zivilrechtlichen Scheidung wurde abgeschafft. Bis 1979 gab es keinerlei zivile Trauungen. Im Gegenzug erhielt der Staat ein Vorschlagsrecht fĂŒr die Besetzung der spanischen BischofsstĂŒhle und damit die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Spitzen der spanischen Kirche. Erst 1967 kam es im Rahmen eines Gesetzes ĂŒber die Freiheit des Kultus (Ley de la libertad de cultos) zu einer Besserstellung der nichtkatholischen Konfessionen, die allerdings bei Weitem keine Gleichberechtigung bewirkte.
WĂ€hrend des SpĂ€tfranquismus drĂ€ngte die Kirche auf eine Revision des Konkordats, weil ihr die enge Verflechtung mit dem Regime nunmehr als Belastung erschien. Nachdem der Vatikan Franco vergebens aufgefordert hatte, auf sein Mitbestimmungsrecht bei der Investitur von Bischöfen zu verzichten, lieĂ er Bischofssitze vakant und ernannte lediglich Weihbischöfe, ein Amt, bei dessen Besetzung Franco Mitbestimmung laut Konkordat nicht zustand. Zu ersten Ănderungen des Konkordats kam es in der Endphase des Franquismus 1976. 1979 wurden schlieĂlich etwa zwei Drittel der Bestimmungen gestrichen.
Gegenbewegungen innerhalb der Kirche
Ab etwa dem Jahr 1960 griff indessen an der kirchlichen Basis eine andere, oppositionelle Einstellung zum Regime um sich. Es ist ein hĂ€ufig zu beobachtendes PhĂ€nomen, dass der Klerus (nicht nur der katholischen Kirche in Spanien) in autoritĂ€ren Staaten FreirĂ€ume bietet und die Rolle von Korporationen wie zum Beispiel Gewerkschaften ausfĂŒllt, die dem Volk vorenthalten werden. Die Kirche wurde â zuerst im Baskenland â zu einer Keimzelle und Zuflucht fĂŒr die Opposition gegen das Regime und rĂŒckte von der ihr zuerkannten Rolle ab, das Regime zu legitimieren. Dies war ein schleichender Prozess, der lange Jahre in Anspruch nahm. An der Kirchenbasis handelten in diesem Sinne die curas rojos und (als Kommunisten verschriene) Arbeiterpriester. Zusammen mit Institutionen wie der AcciĂłn CatĂłlica und vor allem ihrer Arbeiterbruderschaft HOAC bot die spanische Kirche an ihrer Basis denjenigen Menschen in Francos Staat, denen es versagt war, sich öffentlich zu artikulieren, manche FreirĂ€ume. Die Staatsmacht reagierte auf diese BetĂ€tigung mit der ĂŒblichen Repression und nahm Priester ohne Zustimmung ihrer Bischöfe fest, um sie einem besonderen GefĂ€ngnis fĂŒr Geistliche (bei Zamora) zuzufĂŒhren. Durch solche MaĂnahmen kam es auch an der Kirchenspitze zu einem Umdenken und zu einer zunehmenden Distanzierung von Franco, was nach dem II. Vaticanum dazu fĂŒhrte, dass die Spanische Bischofskonferenz Franco die Forderungen der katholischen Weltkirche vortrug.
Hinzu kam das Engagement der Kirche fĂŒr die nichtkastilische Bevölkerung, das einen Höhepunkt erreichte, als der Bischof von Bilbao, Antonio Añoveros, auch um den Preis eines ernsten Konflikts mit Franco um 1974 das Recht der Basken auf eigene Sprache und Kultur postulierte.
Auch das Kloster Montserrat, in dem die Messen in der verbotenen katalanischen Sprache gelesen wurden, ist in diesem Zusammenhang bekannt geworden. Das Loblied auf die Muttergottes von Montserrat, Virolai de Montserrat, ersetzte wÀhrend der Franco-Zeit die verbotene katalanische Hymne Els Segadors.
Latifundisten und GroĂfinanz
Als StĂŒtzen des Systems sind noch der GroĂgrundbesitz und die Finanz-Bourgeoisie zu erwĂ€hnen. Diese Kreise profitierten vor allem in der Autarkiephase nach 1939 erheblich, konnten auch nach Ende dieser Phase, und sogar nach Francos Tod, ihren Einfluss bewahren.
Die GroĂgrundbesitzer hatten Franco von Anfang an ideell und vor allem finanziell unterstĂŒtzt. Sie waren seit Langem die wesentlichen TrĂ€ger des Klientelsystems caciquismo, die das Wahlverhalten der Landbevölkerung kontrollierte. Der Diktator dankte es ihnen mit staatlich garantierten Abnahmepreisen.
Eng mit den Latifundisten war die Finanz-Bourgeoisie verflochten: Die bestehenden Banken erhielten von 1936 bis 1962 eine gesetzlich durch den status quo bancario garantierte Monopolstellung, wobei Franco unbedenklich das Parteiprogramm der Falange von 1934, das die Verstaatlichung der Banken forderte, ein weiteres Mal ĂŒberging. Dieses Bankenoligopol wurde mit einem Verbot der NeugrĂŒndung von Banken verbunden. Die Folge davon war ein starker Konzentrationsprozess auf dem Banksektor, in dessen Zuge sich sieben GroĂbanken etablierten, wĂ€hrend die Zahl der Banken durch Ăbernahmen und Fusionen sich fast halbierte. Diese GroĂbanken bildeten auch nach der Bankenreform von 1962 noch lange âeine uneinnehmbare Festungâ,cite-ref-holzer110-64-0[64] die von wenigen, untereinander vielfach verwandten und verschwĂ€gerten Clans gehalten wurde.cite-ref-65[65]
Bis zur Reform entzogen sich die Banken faktisch der Kontrolle durch den Staat, den sie im Gegenteil als seine Financiers in der Hand hatten.cite-ref-holzer109-66-0[66] Sie hielten auch danach praktisch das Monopol auf dem Geldmarkt und machten so die spanische Wirtschaft von sich in sehr hohem MaĂe abhĂ€ngig â auch dadurch, dass sie fĂŒr die Vergabe von Krediten die EinrĂ€umung von Anteilen des Darlehensschuldners oder die Entsendung von Vertretern in den Aufsichtsrat zu fordern pflegten.cite-ref-holzer110-64-1[64]
Das Opus Dei
Das Opus Dei stieĂ erst spĂ€ter zu den staatstragenden KrĂ€ften und Organisationen hinzu, wenngleich eine pauschale Zurechnung dieser Organisation zu den âStĂŒtzen des Systemsâ ebenso sehr oder ebenso wenig seine Berechtigung hat wie im Falle der katholischen Kirche selbst. Auch fĂŒhrende MĂ€nner der Oppositioncite-ref-67[67] gehörten dem Opus Dei an. GegrĂŒndet und geleitet wurde dieser katholische Laienorden von dem Franco-Bewunderer JosĂ©marĂa EscrivĂĄ de Balaguer.
Ende der 1950er Jahre war Francos Herrschaft ernstlich gefĂ€hrdet, als die Autarkiepolitik das Regime an den Rand einer wirtschaftlichen Katastrophe fĂŒhrte. Franco warf im Jahr 1957 das Ruder herum und berief ein Technokratenkabinett, dessen SchlĂŒsselressorts Handel und Finanzen mit Alberto Ullastres beziehungsweise Navarro Rubio besetzt wurden, beide MĂ€nner des Opus Dei. Diese Organisation konnte nun auf Kosten der Falange ihre Macht ausbauen. Bereits im Jahr 1962 konnten Mitglieder des Opus Dei alle wirtschaftlich bedeutenden Positionen im Kabinett besetzen.cite-ref-holzer109-66-1[66]
Hinter dem Opus stand dessen Förderer Luis Carrero Blanco, der als graue Eminenz des Franco-Staates galt, selbst diesem Orden aber nicht angehörte. Er soll auf das Opus aufmerksam geworden sein, als er sich zwecks Trennung von seiner Ehefrau an eine Anwaltskanzlei wandte, wĂ€hrend der befasste Anwalt Lopez RodĂł, der dem Orden angehörte, es durch seine BemĂŒhungen fertig gebracht haben soll, die kriselnde Ehe erfolgreich zu kitten.cite-ref-holzer108-68-0[68]
Das Opus Dei ist wegen der Verschwiegenheitspflicht seiner Mitglieder und wegen ihres Wirkens im Sinne der Ideale ihres Bundes in Alltag und Beruf gelegentlich mit der Freimaurerbewegung verglichen worden. Seine Mitglieder, unter denen Laien weit ĂŒberwiegen, bilden keine Konvente, sondern bleiben in der Welt und in ihren Berufen tĂ€tig. Das Opus Dei ist eine Bewegung akademisch gebildeter Eliten und als solches ein, wenngleich vergleichsweise straff gefĂŒhrtes und hierarchisch aufgebautes, inkorporiertes Netzwerk Gleichgesinnter. Nach Manfred Tietz stellten sich Ideologie und Handeln des Opus Dei âhĂ€ufig als militanter Katholizismus, autoritĂ€rer Konservativismus, klerikaler Integrismus und gesellschaftspolitischen Elitismusâcite-ref-69[69] dar. Bernecker hingegen hebt hervor, dass die Doktrin des Opus Dei durch âstarke Betonung des Arbeits- und Pflichtethos [âŠ] groĂe Bedeutung fĂŒr die Ăberlagerung vorkapitalistischer Strukturen und Einstellungen durch eine kapitalistische Wirtschaftsgesinnung [erlangte]â.cite-ref-geschichte114-70-0[70] In anderen Worten wurde â wie Bernecker im weiterencite-ref-geschichte114-70-1[70] anklingen lĂ€sst â die Entwicklung, welche die spanische Wirtschaft in den 1960er und 1970er Jahren einschlug, durch eine Organisation vom Schlage des Opus Dei vielleicht ĂŒberhaupt erst möglich.
In Spanien hatte sich das Umfeld fĂŒr das Opus Dei besonders gĂŒnstig gezeigt. Dort waren in der Zeit nach dem BĂŒrgerkrieg Studenten aus den höheren gesellschaftlichen Schichten, die sich weder von der Falange noch von traditionellen Orden angezogen fĂŒhlten, keine Seltenheit. Dieses bereits seit Jahren auf seine Chance hinarbeitende Netzwerk ĂŒberwiegend gut ausgebildeter jĂŒngerer MĂ€nner sorgte nach dem jĂ€hen Sturz der Falange dafĂŒr, dass Gleichgesinnte in fĂŒhrende Positionen nachrĂŒckten, was zu einer beachtlichen wirtschaftlichen und politischen Konzentration von Macht und Mitteln in seinen HĂ€nden fĂŒhrte. Das Opus Dei ermöglichte es Franco, Spanien einem umfassenden Modernisierungsschub auszusetzen, ohne dass der Kongregation daran gelegen gewesen wĂ€re, zugleich eine politische Liberalisierung herbeizufĂŒhren, wenngleich allerdings Bernecker hervorhebt, dass âinnerhalb des Opus Dei [stets] ein relativ breiter Meinungspluralismus bestehen [blieb] â etwa hinsichtlich der Staatsform oder der einzuschlagenden Wirtschaftskonzeptionâ.cite-ref-71[71]
Denn durch die historische Chance um 1957 konnte sich die Gemeinschaft erst im Bankenwesen und schlieĂlich in weiten Teilen der spanischen Industrie etablieren und damit der falangistischen Autarkiepolitik und dem Staatsdirigismus ein Ende setzen, indem sie die Wirtschaft nach wirtschaftsliberalen Gesichtspunkten neu organisierte. Dabei erzielten ihre Mitglieder beachtliche Erfolge: das âspanische Wirtschaftswunderâ nach langen Jahren der Stagnation war wesentlich auf ihre Reformen zurĂŒckzufĂŒhren. Hierbei konzentrierte sich das Opus zunĂ€chst auf den Bankensektor, da die Frage der Finanzierung von Investitionen im Rahmen moderner Finanzprodukte fĂŒr die Entwicklung der spanischen Industrie wesentlich war.
Der Einfluss des Opus Dei war vorrangig auf wirtschaftlichem und wirtschaftspolitischem, weniger hingegen auf allgemeinpolitischem Gebiet spĂŒrbar. Die unmittelbare Einflussnahme auf die spanische Politik sollte daher nicht ĂŒberschĂ€tzt werden, und wirklich gehörten von 116 durch Franco wĂ€hrend seiner Regierungszeit ernannten Ministern gerade acht dem Opus Dei an.cite-ref-72[72] Hinzu kam allerdings eine Anzahl von Personen in fĂŒhrenden politischen Positionen, die dem Opus zwar nicht angehörten, aber ihm nahestanden und ihn förderten, wie vor allem Luis Carrero Blanco. Bis ĂŒber das Ende des Franco-Regimes hinaus ĂŒbte das Netzwerk des Opus Dei starken Einfluss auf die spanische Wirtschaftspolitik, insbesondere im Bereich des Bankwesens und im Bildungssektor aus.
Durch den Matesa-Skandal von 1969, der AffĂ€re um einen Steuer- und Subventionsbetrug unter Beteiligung des fĂŒhrenden Opus-Dei-Mitglieds Juan VilĂĄ Reyes, wurde der Glauben an die IntegritĂ€t der Kongregation stark beschĂ€digt, die politische Macht demzufolge erheblich gemindert. Dieser Fall soll durch die Falange bekannt geworden sein, welche hoffte, damit die unliebsamen Konkurrenten des Opus entmachten zu können. Immense Kredite waren an eine winzige Firma vergeben worden, wo das Geld mit unbekanntem Ziel versickert war â nach Vermutung der Falange in Organisationen des Opus. Dieser Skandal â ein kompliziertes Gewirr aus Nepotismus, Korruption und Politik â wurde niemals aufgeklĂ€rt, da Franco höchstselbst anordnete, die Ermittlungen einzustellen, nachdem amtierende Minister in den Sog der Ermittlungen zu geraten drohten.cite-ref-73[73]
Mit dem Tod seines Protektors Carrero Blanco im Jahr 1973 wurden dem Opus seine Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf die spanische Politik im Wesentlichen genommen.
Die AcciĂłn CatĂłlica
Die katholisch-akademische Laienbewegung AcciĂłn CatĂłlica hatte 1931, nach der Aufgabe der alten monarchistischen Parteien, mit der AcciĂłn Nacional â spĂ€ter AcciĂłn Popular â einen politischen Arm gebildet, der sich als katholische Reaktion auf die Zweite Republik verstand. Diese Partei akzeptierte die Republik, wenngleich nicht ihre antikirchliche Gesetzgebung. Gleichwohl war ihre Hauptforderung die Wiederherstellung der alten Verfassung. Ihr AnfĂŒhrer JosĂ© MarĂa Gil-Robles y Quiñones nahm sich den Korporativismus des österreichischen StĂ€ndestaates unter Bundeskanzler Engelbert DollfuĂ zum Vorbild. Mit einigen kleineren Gruppen Ă€hnlicher Ausrichtung bildete die AcciĂłn Popular die ConfederaciĂłn Española de Derechas AutĂłnomas (CEDA), die in der Zweiten Republik fĂŒr zwei Jahre zur Regierungspartei wurde. Mit allen anderen Parteien verschwand auch die CEDA, die Teil der nationalspanischen Koalition wurde, 1936 unter Franco von der BildflĂ€che. Es verblieb die AcciĂłn CatĂłlica.
Neben dem Opus Dei stellte auch die AcciĂłn CatĂłlica vor allem nach der ZurĂŒckdrĂ€ngung der F.E.T. y de las JONS ab 1957 zahlreiche Mitglieder in fĂŒhrenden Positionen, insbesondere im AuĂenministerium und im diplomatischen Corps. Dieser Bewegung war im Konkordat, als einziger Laienorganisation, das Recht auf BetĂ€tigung eingerĂ€umt worden. Doch auch hier wendeten sich im letzten Jahrzehnt der Franco-Diktatur zahlreiche Mitglieder von dem franquistischen Regime ab.
Teile der Bewegung, nĂ€mlich die HOAC, entwickelten teils neben, teils zusammen mit der illegalen freigewerkschaftlichen Bewegung der CC.OO. ZĂŒge einer Gewerkschaft, obwohl die gewerkschaftliche BetĂ€tigung auĂerhalb der sindicatos verticales verboten war.
Im Umkreis der HOAC wurde Anfang der 1960er Jahre ferner die illegale unabhĂ€ngige Gewerkschaft USO (UniĂłn Sindical Obrera, âArbeitergewerkschaftsbundâ) mit einem linkskatholischen Programm errichtet, die sich vorĂŒbergehend mit der ebenfalls illegalen freien Gewerkschaftsbewegung der CC.OO verbĂŒndete. Gil-Robles, der 1980 verstarb, versuchte sich nach Francos Tod an der GrĂŒndung einer christdemokratischen Partei, die allerdings in den Wahlen von 1977 nicht erfolgreich war.
Ideologie des Franquismus
Die Franco-Herrschaft war eine personalistische, also sehr stark von der Persönlichkeit Francos geprÀgte Diktatur. Salvador de Madariaga bringt es wie folgt zum Ausdruck:
âFrancisco Franco war der einzige despotische Monarch in der Geschichte Spaniens. WĂ€hrend seiner ganzen Regierungszeit war es immer sein höchster Wille, der das öffentliche Wohl bestimmte, ohne Beratung oder Berufung. Weder die Katholischen Könige noch die Habsburger oder die Bourbonen haben auch nur annĂ€hernd die Identifikation zwischen Staatsgewalt und dem persönlichen Willen erreicht, wie dies Franco in den 39 Jahren seiner Herrschaft gelungen ist.â
â
Salvador de Madariaga
:
Spanien
, S. 448.
Daher stand im franquistischen System keine positiv formulierte Ideologie im Vordergrund. Francos Weltanschauung und politische Ziele setzten sich im Wesentlichen aus Negationen zusammen. Schon in seinem Manifest zu Beginn des BĂŒrgerkriegs eröffnete der spĂ€tere Diktator â neben der AufzĂ€hlung einer Reihe von umzusetzenden MaĂnahmen wie der Auflösung aller Gewerkschaften und der Bildung einer Regierung von âFachleutenâ â kaum ideologische Perspektiven, abgesehen von recht allgemeinen Formulierungen wie der EinfĂŒhrung der âstrengsten GrundsĂ€tze der AutoritĂ€tâ oder der HerbeifĂŒhrung âvollstĂ€ndiger nationaler Einheitâ.
Der Franquismus war, wenngleich oder gerade weil er der katholischen Kirche und katholisch-traditionalistischem Gedankengut die Eigenschaft eines staatstragenden Elements einrĂ€umte, selbst keine politische Religion mit determiniertem Geschichtsbild wie der Nationalsozialismus oder der Kommunismus. Franco erklĂ€rte niemandem die Weltgeschichte und postulierte keine nach bestimmten Schemata ablaufenden gesellschaftlichen Entwicklungen; er interessierte sich kaum fĂŒr derartige Themen, sieht man davon ab, dass er die Verantwortung fĂŒr Misserfolge regelmĂ€Ăig der âinternationalen Freimaurereiâ anlastete. Insofern unter einer Ideologie â nach François Furet â âein System zur ErklĂ€rung der Weltâ zu verstehen ist, âdas dem politischen Verhalten der Menschen eine vorherbestimmte Richtung gibt, die jedoch frei von göttlichem Einfluss istâ,cite-ref-74[74] wies der Franquismus darum keine Ideologie auf.
Die politischen Ziele des Diktators
Eine positive â das heiĂt: sich nicht lediglich aus Negationen zusammensetzende â Formulierung des ideologischen Gehalts des Franquismus fĂ€llt nicht leicht. Die wesentlichen Elemente lassen sich in erster Linie den Grundgesetzen des franquistischen Staats oder dem freilich erst nach Francos Tod veröffentlichten Testament des Diktators entnehmen, wenngleich Franco einige Sorgfalt darauf verwendete, diesen Grundgesetzen Formulierungen zu geben, die seine Handlungsfreiheit möglichst wenig einengten. Er [Franco] musste nach wie vor seine Mission fĂŒr Spanien erfĂŒllen, die kaum genau zu definieren war, aber nach seiner Auffassung hoch ĂŒber der Tagespolitik stand.cite-ref-75[75] Der Franco-Staat erhielt â wie unten gezeigt werden wird â auf dem Wege allmĂ€hlich und ĂŒber die gesamte Dauer seines Regimes hinweg erlassener Grundgesetze erst nach und nach eine Art Verfassung; Franco interessierte sich nicht sonderlich fĂŒr staatsrechtliche Fragen.
Allgemeines
Franco war â weit eher als an einem totalitĂ€ren Staat nach faschistischem Muster â insgesamt an einer konservativ-katholischen gesellschaftlichen Renaissance interessiert. Seine Herrschaft kann am treffendsten als konservativ-autoritĂ€rer und katholischer Paternalismus klassifiziert werden.
Die klaren Vorstellungen von der kĂŒnftigen Staatsform, welche die Falange vor Ausbruch des BĂŒrgerkriegs zum Programm gemacht hatte, wurden von Franco vollkommen ignoriert, ihre sozialrevolutionĂ€ren Programmpunkte wurden bis fast zur Unkenntlichkeit mit dem Traditionalismus vermengt, und von einer Kontrolle des Bankensektors, einer Bodenreform oder der Verstaatlichung der Industrie war keine Rede mehr. Selbst das VerhĂ€ltnis der Einheitspartei Movimiento Nacional zum Staat und zum Diktator war unklar.
In Art. 2 und 3 des Ley de Principios del Movimiento Nacional waren einige GrundsÀtze des franquistischen Staats andeutungsweise festgeschrieben worden, zu denen das intime VerhÀltnis zwischen Kirche und Staat (nacional-catolicismo) und die aus der Zusammengehörigkeit der spanischsprachigen Völker erwachsende Propagierung und Förderung als besonders spanisch angesehener Werte (hispanidad) gehörten.
Hinzu kam eine stĂ€ndestaatliche Organisation des öffentlichen Lebens, weshalb der spanische Staat in der PrĂ€ambel des Fuero del Trabajo (in der bis 1967 gĂŒltigen Fassung) als ânational und syndikalistischâ bezeichnet wurde, worunter â charakteristischerweise wiederum im Wege einer schwammigen Formulierung und einer Negativabgrenzung â einerseits zu verstehen war, dass der Staat ein instrumento totalitario al servicio de la integridad patria (âtotalitĂ€res Instrument im Dienst der Unverletzlichkeit des Vaterlandsâ) sei, andererseits, dass sich die spanische Ordnung sowohl gegen den âliberalen Kapitalismusâ als auch gegen den âmarxistischen Materialismusâ wandte.
In seinem Testament beschwor Francisco Franco ein letztes Mal eine Bedrohung der christlichen Zivilisation: ein Gedanke, den er bereits im BĂŒrgerkrieg unter dem Schlagwort der cruzada aufgegriffen hatte. Dieses vielseitige Schlagwort umfasste neben dem Gedanken der Hispanidad und dem als integralen Bestandteil der spanischen Kultur angesehenen katholischen Bekenntnis den Kampf gegen alles, was Franco als Bedrohung der spanischen Gesellschaft ansah, vor allem den Parlamentarismus, der nach Francos Auffassung nur zu kleinlichem GezĂ€nk fĂŒhrte, und insbesondere den Marxismus. Ein Austausch von Botschaftern mit der Sowjetunion wurde erst im Jahre 1973 beschlossen.
Die Hispanidad
Unter der Hispanidad (âHispanitĂ€tâ) â einem zuerst von dem falangistischen Vordenker Ramiro de Maeztu geprĂ€gten Schlagwort â versteht man sowohl die Gesamtheit der spanischsprachigen Welt als auch eine Spanien verherrlichende Lehre von der GröĂe, Sendung und AuserwĂ€hltheit des Landes, auf Spanisch mit der Bezeichnung la vocaciĂłn imperial (âBerufung zum Imperiumâ) umschrieben. Diese Anschauung erhob Franco zu einem der Hauptziele der AuĂenpolitik, das als Programmsatz sogar Verfassungsrang hatte: Nach Art. I des âGesetzes ĂŒber die Prinzipien des Movimiento Nacionalâ von 1958 war Spanien als una unidad de destino en lo universal (etwa: âweltumspannende Schicksalsgemeinschaftâ) anzusehen und empfand sich nach Art. III als raĂz de una gran familia de pueblos, con los que se siente indisolublemente hermanada (âUrsprung einer groĂen Völkerfamilie, der es sich unauflöslich verbunden fĂŒhltâ). So zielte der Gedanke der Hispanidad auf einen FĂŒhrungsanspruch Spaniens in der spanischsprachigen Welt ab. Zu diesem Zweck wurde 1941 ein âRat der HispanitĂ€tâ eingesetzt, der sich aus spanischen Intellektuellen und den Botschaftern der lateinamerikanischen Staaten zusammensetzte, wobei freilich unklar blieb, was eigentlich Aufgabe dieses Rates sein sollte.cite-ref-76[76]
Dieser FĂŒhrungsanspruch ist allerdings weniger im Sinne eines aggressiv nach auĂen wirkenden Nationalismus zu verstehen. Franco-Spanien trĂ€umte nicht von einem âGroĂ-Spanienâ, trachtete nicht nach fremdem Gebiet, und es setzte seine Nachbarn nicht unter Druck â abgesehen von Gibraltar, das Spanien allerdings auch heute noch beansprucht. Auch der Druck auf die Ethnien an den RĂ€ndern des Staates wie den Basken und Katalanen war weniger auf die Hispanidad â die nicht mit einem kastilischen Nationalismus zu verwechseln ist â als vielmehr auf den franquistischen Zentralismus zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-77[77]
Von diesen vordergrĂŒndigen auĂenpolitischen Aspekten abgesehen allerdings wandte sich der Gedanke der Hispanidad â als weit wichtigerer Aspekt dieser politisch-kulturellen Haltung â vornehmlich nach innen als Wunsch nach einer Wiedergeburt Spaniens, welche Nationalspanien sich von einem Sieg ĂŒber die Republik versprach und nach dem BĂŒrgerkrieg ins Werk zu setzen beabsichtigte. So wollte der Franquismus im Sinne der Hispanidad hinter die moderne Zeit zurĂŒck und auf eine Gesellschaft hinaus, die in ihrer Pflege christlicher und als besonders spanisch angesehener Werte ideale ZĂŒge trug. Diese Werte sollten nach dem Empfinden der AnhĂ€nger der Hispanidad von der gesamten spanischsprachigen Welt geteilt werden. Ein in diesem Sinne wiedergeborenes Spanien wĂŒrde sodann erneut unbestrittene Vormacht der spanischsprachigen Welt sein â nicht durch militĂ€rische Gewalt, sondern indem es ihr gleichsam durch die WĂŒrde und MajestĂ€t eines mĂ€chtigen, einigen und starken Mutterlands als natĂŒrliches Oberhaupt vorstehen wĂŒrde.
Die Zeit als Spanien eine Weltmacht war, in deren Reich die Sonne nicht unterging, war eine Zeit der strengen Ordnung einer mittelalterlichen Gesellschaft mit ihrer konfessionellen Geschlossenheit, ihrer stĂ€ndischen Ordnung und der unangefochtenen AutoritĂ€t des Königs und der Kirche gewesen. Spanien konnte im Sinne seiner Sendung, wie sie im Lichte der Hispanidad gesehen wurde, damals GroĂes bewirken: es konnte im Rahmen der Conquista ein Weltreich erobern und im Zuge dessen ganze Kontinente zum Christentum bekehren, und es war der Motor der Gegenreformation in Europa gewesen. Die Hispanidad stellte hier einen Zusammenhang her: Spanien war demnach eine Macht gewesen, weil es damals seine âspanischenâ Werte lebte. Diese idealisierte Vergangenheit Spaniens klang auch in nationalspanischen BĂŒrgerkriegsplakatencite-ref-78[78] an, welche Parolen wie âEspaña, orientadora espiritual del mundoâ (âSpanien, geistiger FĂŒhrer der Weltâ) zeigten und Schlagwörter wie dasjenige von der cruzada (âKreuzzugâ) proklamierten. Der Verwendung dieses Begriffs tat es keinen Abbruch, dass im BĂŒrgerkrieg auf der Seite Nationalspaniens zahlenstarke marokkanische Regimenter zum Einsatz kamen, die sich aus den Nachfahren der Mauren zusammensetzten.
Die Gruppierungen, auf die der Franquismus sich stĂŒtzte, verfolgten den Gedanken der Hispanidad in unterschiedlicher AusprĂ€gung und IntensitĂ€t. Dabei tat sich der Carlismus â eine absolutistisch-monarchistische Bewegung, die lange die Religionsfreiheit abgelehnt und die WiedereinfĂŒhrung der Inquisition gefordert hatte â besonders hervor. Doch selbst die antimonarchistische und in Teilen ihres Programms deutlich sozialistisch inspirierte Falange entlehnte ihre Symbole â Joch und PfeilbĂŒndel â der Zeit der Reyes CatĂłlicos, die auch sie als Spaniens gröĂte Zeit betrachtete. Die Falange propagierte den Gedanken der Hispanidad zudem ausdrĂŒcklich in ihrem Programm vom Oktober 1934.
Zu einer solchen geistigen und moralischen FĂŒhrung hatte Spanien in den Augen der spanischen Rechten sich seit geraumer Zeit wenig geeignet: sie empfanden Spanien als durch Parteienhader und âunspanischeâ linke Umtriebe heruntergekommen. Daher war ein rigider Antikommunismus einer der wenigen gemeinsamen Nenner der Parteien der nationalspanischen Koalition und ihre wesentliche Antriebskraft wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs. Die Zweite Republik stand in ihren Augen stellvertretend fĂŒr alle die zahlreichen DemĂŒtigungen, welche die frĂŒhere Weltmacht seit Napoleon hatte hinnehmen mĂŒssen und von denen das Jahr 1898 (noventa y ocho), als Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg durch die USA die letzten Kolonien und somit die letzten Illusionen ĂŒber seinen Niedergang abgenommen wurden, besonders hervorzuheben ist.cite-ref-79[79] Auch aus diesem Grunde war es fĂŒr den Franquismus essentiell, die Erinnerung an den BĂŒrgerkrieg wach zu halten und gleichsam die Republik jedes Jahr zum Siegestag erneut zu schlagen.
Die aus europĂ€ischer Sicht isolationistische Hispanidad und mit ihr der Franquismus waren mangels AttraktivitĂ€t fĂŒr jedes andere europĂ€ische Land freilich nicht exportierbar und sollten es auch nicht sein â sie richtete sich vielmehr auf das spanischsprachige Lateinamerika, wo die Hispanidad ebenfalls populĂ€r war und Franco ein Vorbild fĂŒr zahlreiche Diktatoren wurde.cite-ref-80[80] Als institutionelle Schaltstelle der internationalen Zusammenarbeit mit rechtsgerichteten KrĂ€ften anderer spanischsprachiger LĂ€ndern unter dem Vorzeichen der Hispanidad entstand 1945 das zunĂ€chst von der Falange dominierte Instituto de Cultura HispĂĄnica (âInstitut fĂŒr Hispanische Kulturâ, ICH). Die AktivitĂ€ten des Kulturinstituts, bei dem der spĂ€ter bedeutende konservative Politiker Manuel Fraga (1951â1956 GeneralsekretĂ€r) seine politische Karriere begann, und die Betonung der Hispanidad im Bereich der internationalen Beziehungen sind im Zusammenhang der BemĂŒhungen des Franco-Regimes zu sehen, die nach der Niederlage der AchsenmĂ€chte in Europa eingetretene politische Isolation Spaniens zu kompensieren.
Sportbewegung
Die Hispanidad stand im Widerspruch zu den Zielen der internationalen Sportbewegung, die zu Zeiten des Faschismus gerade auf das Durchdringen der internationalen Sportorganisationen und Demonstration der eigenen StĂ€rke ausgelegt war. So stand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges der Stierkampf im Vordergrund. Auch in Spanien war jedoch das Regime darauf angewiesen nicht nur Macht auszuĂŒben, sondern im Sinne Gramscis Hegemonie zu erlangen. Erst nach dem Krieg diente auch der Spitzensport dazu, die kulturelle Isolation zu durchbrechen.cite-ref-81[81] Hierbei machte sich zunĂ€chst vor allem Juan Antonio Samaranch verdient, der zunĂ€chst im Rollhockey internationale Meisterschaften nach Spanien holte und auch noch gewann. SpĂ€ter waren es die Erfolge von Real Madrid, die das franquistische Spanien darstellten. Der Sport ist auch eine der wenigen Möglichkeiten gewesen, kulturelle EigenstĂ€ndigkeit zu beweisen. So wurde der FC Barcelona zum Symbol der EigenstĂ€ndigkeit Kataloniens. Der Spitzensport ist auch ein Feld, auf dem man den gelungenen Ăbergang von Franco in die Demokratie am Beispiel Samaranch verfolgen kann.cite-ref-82[82]
Typologie des Franquismus
Der Franquismus wurde und wird gelegentlich als der âspanische Faschismusâ bezeichnet. Diese Typisierung geht von einer Anzahl unstrittiger augenscheinlicher Gemeinsamkeiten aus; nach Ansicht vieler Autoren nimmt diese Klassifizierung allerdings zu wenig RĂŒcksicht auf die hĂ€ufig zu konstatierende OberflĂ€chlichkeit dieser Gemeinsamkeiten und die oft grundlegenden ideologischen und systemtechnischen Unterschiede, die das franquistische System und dasjenige anderer faschistischer Staaten oder Bewegungen aufwiesen. Zudem ist nicht immer einfach zu unterscheiden, wie weit diese Gemeinsamkeiten systemimmanent waren und wie weit ihnen bloĂer Opportunismus zugrunde lag. So nimmt Payne an, dass im Falle des militĂ€rischen Obsiegens der Achse im Zweiten Weltkrieg âder Franquismus wahrscheinlich in seiner Form weniger konservativ und rechtsgerichtet und mehr radikal und offen faschistisch gewordenâcite-ref-payne325-83-0[83] wĂ€re.
Nach Ansicht vieler Historiker ist der Faschismusbegriff allerdings sehr gut auf die totalitĂ€re (nach Juan J. Linz,cite-ref-linz-84-0[84] genauer: unvollstĂ€ndig totalitĂ€re) Epoche des frĂŒhen Franquismus anzuwenden, da, nicht zuletzt auch aufgrund âdes hohen Grades von Terror und Gewalt gegenĂŒber den politischen Gegnern ĂŒber das Ende des BĂŒrgerkriegs hinausâ, eine âdeutliche Parallele zum italienischen Faschismus und zum deutschen Nationalsozialismus gezogenâ werden könne.cite-ref-85[85]
Diese grundsĂ€tzliche Zuordnung der âkriegerisch-totalitĂ€renâ FrĂŒhgeschichte des Franco-Regimes zum Faschismus ist nicht nur in der spanischen Literatur,cite-ref-86[86] sondern auch in Deutschland verbreitet ĂŒblich: Der Historiker Walther L. Bernecker etwa kategorisiert den frĂŒhen Franquismus als âspanischen Faschismusâ, der aufgrund der Entstehungsgeschichte der Einheitspartei als ein âFaschismus von obenâ zu bezeichnen sei.cite-ref-87[87] Auch der deutsche Politologe Klaus von Beyme konstatierte, dass man den Franquismus âwenigstens bis 1945 zu den faschistischen Systemen rechnenâ könne und dass âbis in die Endphase in seiner Politik kleriko-faschistische und korporativ-faschistoide Elemente wirksamâ geblieben seien.cite-ref-88[88]
Dieser Typisierung wird jedoch nicht allseits uneingeschrĂ€nkt zugestimmt; es werden auch kategorische Einordnungen des frĂŒhen Franco-Regimes vertreten, die eine Typisierung fĂŒr die Zeit nach seiner Konsolidierung nach dem BĂŒrgerkrieg als zur GĂ€nze âfaschistischâ abschwĂ€chen oder im Vergleich zu zeitgenössischen faschistischen Regimes zum Schluss gelangen, dass diese Systeme mit dem Franquismus nicht zur GĂ€nze gleichzusetzen seien. Diese Auffassungen gehen jedoch ihrerseits durchwegs davon aus, dass das frĂŒhe Regime in vieler Hinsicht faschistischen Charakters gewesen sei oder zumindest starke faschistische Elemente aufgewiesen habe. Das Regime in der Zeit nach dem BĂŒrgerkrieg möchte etwa Bernecker in einer anderen Publikation lediglich als âfaschistisch inspiriertâ bezeichnen.cite-ref-89[89] Payne hĂ€lt die Bezeichnung des Franco-Regimes der ersten Jahre als âhalbfaschistischâ fĂŒr am zutreffendsten, da der frĂŒhe Franquismus einerseits âeine starke faschistische Komponenteâ enthielt, aber das Regime in Francos Spanien ânicht von generischen oder kategorischen Faschisten beherrscht und aufgebautâ wurde und die erwĂ€hnte faschistische Komponente âeingezwĂ€ngt [war] in einer rechtsgerichteten, prĂ€torianischen, katholischen und halbpluralistischen Strukturâ.cite-ref-90[90] Payne verweist andererseits auf zahlreiche Gemeinsamkeiten des frĂŒhen Franco-Staates mit dem mussolinischen Italien und die â auĂer auf auĂenpolitischem Gebiet â nach seiner Auffassung weitgehend parallele politische Entwicklung in beiden Systemen, rĂ€umt jedoch ein, dass es sich hierbei um âein ziemlich gĂ€ngiges Muster neuer Systemeâ handele.cite-ref-payne325-83-1[83] Beevor bezeichnet das franquistische System, âdas der siegreiche Franco zuwege brachte.â als âdas grausame â reaktionĂ€re, militĂ€rische und klerikale â Regime mit oberflĂ€chlich faschistischem Putzâ.cite-ref-91[91]
Den meisten Autoren erscheint aber jedenfalls eine pauschale Kategorisierung als Faschismus in Hinblick auf die WandlungsfĂ€higkeit und die lange Dauer des Regimes nicht geeignet, alle Phasen des Regimes â die âblaue Periodeâ der unmittelbaren Nachkriegszeit ebenso wie den âtardofranquismoâ, die spĂ€te Franco-Zeit â gleichermaĂen zu charakterisieren.cite-ref-92[92] Der âtardofranquismoâ wird zur Unterscheidung von der FrĂŒhphase des Regimes von Juan J. Linzcite-ref-linz-84-1[84] darum auch als mobilisierendes autoritĂ€res Regime klassifiziert.
Zwar wurde, wie Bernecker ausfĂŒhrt, das franquistische Spanien lange auch in seiner Gesamtheit als totalitĂ€r und faschistisch charakterisiert. Und
â[z]weifellos wies das Regime (vor allem in seiner FrĂŒhphase) eine Reihe von Charakteristiken auf, die es als faschistisch erscheinen lieĂen: Es war dem Anspruch nach und in der Terminologie einiger Propagandisten totalitĂ€r; eine Einheitspartei war die einzig zugelassene politische Organisation, deren faschistischer, unter Hedilla stehender FlĂŒgel anfangs eine Parteidiktatur erstrebte und BĂŒndnisse lediglich unter der FĂŒhrung der Falange abschlieĂen wollte; die Arbeiterbewegungen und ihre Interessenvertretungen wurden zerschlagen, eine Gleichschaltung auf vielen Gebieten versucht, der Terror massiv als EinschĂŒchterungsmittel der(!) Zivilbevölkerung eingesetzt.â
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Walther L. Bernecker
:
Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg
, 1984, S. 75.
Freilich lassen sich, so Bernecker weiter, diese Eigenschaften auch dazu ins Feld fĂŒhren,
âum Zweifel an ebendiesem âfaschistischenâ Charakter des Franquismus zu Ă€uĂern. Denn: Auch wenn Falange/Movimiento eine âEinheitsparteiâ war, ĂŒbte sie nie die unumstrittene Herrschaft im Staate aus; auch gelang ihr nie eine Mobilisierung der Massen wie etwa der NSDAP im âDritten Reichâ; viel eher könnte von einer weitverbreiteten politischen Apathie gesprochen werden. Des Weiteren fehlte es dem Regime an einer umgreifenden, einheitlichen und verbindlichen Ideologie, da allzu viele gegensĂ€tzliche politische KrĂ€fte in der âBewegungâ zusammengeschlossen waren. [âŠ] Der Staat erwies sich als unfĂ€hig, das Erziehungssystem voll zu kontrollieren; er ĂŒberlieĂ es gröĂtenteils der Kirche [âŠ] und was den systematischen Einsatz terroristischer Mittel betrifft, so ist er keineswegs auf faschistische Systeme beschrĂ€nkt. Lassen diese EinschrĂ€nkungen bereits deutlich werden, dass die Charakterisierung des Franco-Regimes als âfaschistischâ eher politisch-polemischem Sprachgebrauch als analytischer Terminologie entspricht, so weist das AbrĂŒcken der Regime-AnhĂ€nger von faschistischen Symbolen oder Gesten (etwa dem FaschistengruĂ) spĂ€testens ab 1943 auch Ă€uĂerlich auf eine zunehmende Distanzierung zum politischen System der AchsenmĂ€chte hin⊠[Die] Charakterisierung des Franquismus als totalitĂ€r oder faschistisch [ist] inzwischen weitgehend aufgegeben [worden] und [findet] fast nur noch zu primĂ€r akkusatorischen Zwecken Verwendung [âŠ]â
â
Walther L. Bernecker
:
Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg
, 1984, S. 75 f.
Diese verbreitete EinschĂ€tzung stöĂt jedoch auch auf Widerspruch. Manche Historiker betonen den ĂŒber die verschiedenen Phasen des Regimes hindurch gleichbleibenden Kern des Franquismus, der von der Ă€uĂerlichen WandlungsfĂ€higkeit des Regimes im GroĂen und Ganzen unberĂŒhrt geblieben sei. So stellte nach Auffassung von Torres de Moral der Franquismus auch noch nach seiner totalitĂ€ren Anfangsphase ein faschistisches Regime dar:
âDas Regime von Franco Bahamonde behielt immer seine ursprĂŒngliche IdentitĂ€t und zögerte nicht, sie vierzig Jahre lang zu zeigen, wenn es dies fĂŒr erforderlich oder opportun hielt.â
â
A. Torres del Moral
:
Constitucionalismo histórico español
Zumeist wird jedoch betont, dass viele der Gemeinsamkeiten mit dem faschistischen Italien oder dem nationalsozialistischen Deutschland nur vordergrĂŒndiger Natur seien: Bernecker weist an anderem Ort darauf hin, dass die Bezeichnungen âtotaler Staatâ und âEinheit von Staat und Gesellschaftâ (wie etwa in der PrĂ€ambel des Fuero de Trabajo) in der Praxis ĂŒber bloĂe Floskeln nicht hinauskamen. Auch die âÂĄFranco! ÂĄFranco! ÂĄFranco!â-Rufe waren â nach Auffassung von Paynes â ebenso wie das Ăbernehmen gewisser parteilicher oder staatlicher Institutionen (wie des Auxilio de Invierno, auf Deutsch âWinterhilfswerkâ) in den frĂŒhen Jahren âeinfach Nachahmungen des italienischen Faschismus oder gelegentlich des Nationalsozialismusâ.cite-ref-payne325-83-2[83]
Die Annahme des Titels Caudillo ist möglicherweise von den Bezeichnungen âFĂŒhrerâ (Hitler) und âDuceâ (Mussolini) inspiriert, wenngleich âCaudilloâ keine direkte Ăbersetzung dieser Begriffe ist, sondern sprachgeschichtlich auf das Ă€ltere âHeerfĂŒhrerâ zurĂŒckgeht.cite-ref-94[94]
Obgleich Franco vordergrĂŒndig mit der Einrichtung der sindicatos verticales einer zentralen Forderung der Falange nachkam, zeigt ein direkter Vergleich zwischen dem faschistischen und dem franquistischen StĂ€ndewesen einige Unterschiede in der Zielsetzung. Die Ansichten Francos und der Falange ĂŒber die Funktion dieser Syndikate unterschieden sich betrĂ€chtlich: WĂ€hrend die Falange die Syndikate nach Art etwa der Deutschen Arbeitsfront als Werkzeug zur Ideologisierung und zur sozialen Revolution heranziehen wollte, hatte Franco mit der Stabilisierung, Ăberwachung und Ruhigstellung der Bevölkerung das ziemlich genaue Gegenteil im Sinn. Da sich die Falange auch hier nicht durchsetzen konnte, trug dies dazu bei, dass sich die ideologiefesten Falangisten, die camisas viejas (âAlthemdenâ), von Franco abwandten und eine an der reinen Lehre Primo de Riveras jun. orientierte oppositionelle Haltung einnahmen.
Das seinem Wesen nach restaurative franquistische System stĂŒtzte sich wesentlich auf die Oberschicht und auf in Spanien traditionell mĂ€chtige Institutionen, wie vor allem die katholische Kirche. Das System in Italien und mehr noch in Deutschland stĂŒtzte sich hingegen vorwiegend auf die Mittelschicht und auch das Proletariat â wenngleich auch dort Kompromisse und BĂŒndnisse mit der Oberschicht oder Teilen davon geschlossen wurden, die im Gegenzug BeitrĂ€ge zur StĂŒtzung Mussolinis bzw. Hitlers leisteten.
Das von Juan Linz postulierte wichtigste Unterscheidungsmerkmal autoritĂ€rer von totalitĂ€ren Diktaturen â nĂ€mlich ein zwar sehr eingeschrĂ€nkter, immerhin aber vorhandener Pluralismus â war in Gestalt der unĂŒbersichtlichen, praktisch nur aus FlĂŒgeln bestehenden F. E. T. y de las JONS auch in Franco-Spanien zu finden, zu schweigen von weiteren vom Regime wenig kontrollierten Körperschaften wie der spanischen Kirche.
SchlieĂlich war das Franco-Regime keineswegs von der fĂŒr faschistische Regimes so typischen Massenbegeisterung unter Propagierung immer neuer Feindbilder geprĂ€gt. Bernecker weist darauf hin,cite-ref-95[95] dass der spanische Historiker Juan J. Linz das Fehlen extensiver und intensiver politischer Massenmobilisierung konstatiert; passive Zustimmung und politische Apathie seien in autoritĂ€ren Regimen viel hĂ€ufiger anzutreffen als Enthusiasmus und Massenbegeisterung.cite-ref-96[96]
Zweifel daran, dass Francos Regime als faschistisches Regime gelten könne, Ă€uĂerte auch der Mussolini-Biograf Renzo de Felice im Jahr 1975: Heute ist es [das Franco-Regime] das [ein faschistisches Regime] ohne Zweifel nicht, und man mĂŒsste darĂŒber diskutieren, ob es das je gewesen ist. Wahrscheinlicher handelt es sich um ein klassisch autoritĂ€res Regime mit modernen Einsprengseln, aber nicht mehr als das.cite-ref-97[97] Laqueur versteht das Franco-Regime âeher als konservative MilitĂ€rdiktatur denn als faschistische[n] Staatâcite-ref-98[98] und als autoritĂ€res Regime. In diesem Zusammenhang weist Laqueur darauf hin, dass die Unterschiede zwischen einem autoritĂ€ren und einem totalitĂ€ren Staat beileibe nicht nur akademischer Natur sind, wobei er als bezeichnendes Beispiel die Schwierigkeiten beim Ăbergang zu einem demokratischen System heranzieht, die sich in Spanien und der Sowjetunion stellten:
âDie Leichtigkeit, mit der sich dieser Prozess auf der Iberischen Halbinsel vollzog, beweist schlagender als jede theoretische Debatte, dass die Unterschiede zwischen autoritĂ€ren und totalitĂ€ren Regimen in der Tat gewaltig sind.â
â
Laqueur
:
Faschismus Gestern â Heute â Morgen
Auch darĂŒber, ob vermittelnde Begriffe wie âKlerikalfaschismusâ oder âHalbfaschismusâ das Regime zutreffend charakterisieren, herrscht keine Einigkeit: Manfred Tietzcite-ref-100[100] etwa hĂ€lt die Bezeichnung âklerikalautoritĂ€râ fĂŒr zutreffender. Wie oben schon dargestellt hĂ€lt Payne jedenfalls den Franquismus der ersten Jahre fĂŒr âhalbfaschistischâ. Im Ăbrigen fĂŒhrt Bernecker aus, dass sich fĂŒr den Franquismus systemtypologisch die Bezeichnung âAutoritarismusâ durchgesetzt habe.cite-ref-lexikon207-101-0[101]
Salvador de Madariaga gibt als einziges Land, dessen (zeitgenössisches) Regime demjenigen des franquistischen Spanien vergleichbar gewesen sei, Jugoslawien an, wo âein HeerfĂŒhrer, nachdem er mit der Fahne in der Hand die Macht erobert hat, an der Macht geblieben [ist], mit oder ohne die Fahne, die ihm zum Aufstieg dienteâ,cite-ref-102[102] wobei er freilich einschrĂ€nkt, dass sich bei Tito immerhin eine ideologische Ăberzeugung habe vermuten lassen.
Der deutsche Historiker Wolfgang Wippermann, der persönlich die Ideologie Franco-Spaniens dem Faschismus zuordnet, konstatierte zum Forschungsstand im Jahr 2009, dass diese These ânur von wenigen Historikern geteiltâ werde.cite-ref-103[103]
AuĂenpolitik
Die auĂenpolitische Situation des Regimes bestand zunĂ€chst in einer Anlehnung an die AchsenmĂ€chte und war darum nach dem Krieg von weitgehender Isolation geprĂ€gt, welche sich erst spĂ€t einigermaĂen abmildern lieĂ.
Franco-Spanien zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Adolf Hitler und Benito Mussolini waren Francos erste auĂenpolitische VerbĂŒndete. Bereits in den ersten Tagen bewahrten sie den MilitĂ€rputsch dadurch vor dem Scheitern, dass sie die in Spanisch-Marokko gebundenen Armeeteile auf das spanische Festland ĂŒbersetzten. Sie unterstĂŒtzten Franco erheblich durch Materiallieferungen und die Beistellung eigener Truppen. Es ist zweifelhaft, ob Franco ohne diese Hilfe den BĂŒrgerkrieg fĂŒr sich hĂ€tte entscheiden können. Der italienische und der deutsche Diktator sahen den konservativen General nicht recht als einen der ihren an. Es kam ihnen in erster Linie darauf an, ihren Einfluss auf Spanien auszudehnen, Zugriff auf seine kriegswichtigen Ressourcen zu erhalten sowie Frankreich und GroĂbritannien in Schach zu halten.cite-ref-104[104]
Franco und die AchsenmÀchte
In vielen Bereichen waren der deutsche Nationalsozialismus und der italienische Faschismus Vorbild fĂŒr den Franco-Staat: so wurden nicht nur einige Strukturen der NSDAP, sondern auch verschiedene Institutionen aus Italien ĂŒbernommen, beispielsweise das GrĂŒndungsgesetz des Instituto Nacional de Industria teils wörtlich von Mussolinis Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) kopiert.cite-ref-105[105]
Obgleich Franco unbestreitbar Sympathien fĂŒr das faschistische Regime in Italien und fĂŒr das nationalsozialistische Regime in Deutschland hegte, hielt sich in der Praxis die SolidaritĂ€t mit seinen angeblichen weltanschaulichen VerbĂŒndeten in Grenzen. Mit den genannten Regimes verband ihn eher eine GeschĂ€ftsbeziehung als eine ideologische Schicksalsgemeinschaft. Spanien trat im MĂ€rz 1939 dem Antikominternpakt bei. Franco erklĂ€rte im Juli 1940, dass sein Land nicht neutral, sondern lediglich nicht Krieg fĂŒhrend sei und stellte gegenĂŒber Hitler in einem vom Februar 1941 datierten Brief fest, dass wir drei MĂ€nner, der Duce, Sie und ich, durch den hĂ€rtesten Zwang der Geschichte aneinander gebunden sind.cite-ref-106[106] Kennzeichnender fĂŒr Francos Einstellung zu den AchsenmĂ€chten ist allerdings auch sein oben bereits erwĂ€hntes Verhalten in Hendaye im Jahr 1940 (somit auf dem Gipfelpunkt der nazideutschen Macht in Europa) anlĂ€sslich seines einzigen Zusammentreffens mit Hitler, als Franco fĂŒr den Kriegseintritt Spaniens nicht nur französisches Kolonialgebiet forderte, sondern sich darĂŒber hinaus weigerte, deutsche Truppen in sein Land zu lassen. Franco soll sich seinen eigenen Angaben zufolge Hitler gegenĂŒber sogar dahin geĂ€uĂert haben, dass Spanien gegen jeden Eindringling bis zum letzten Mann kĂ€mpfen werde, von wo immer er komme. AuĂerdem verlangte Franco die Lieferung von Rohstoffen wie Baumwolle und Kautschuk, die Deutschland kaum liefern konnte. Franco verschloss sich schlieĂlich trotz seiner vordergrĂŒndigen Zustimmung in diesem Punkt der Anregung Hitlers, das seit Langem von GroĂbritannien geforderte Gibraltar zu besetzen â denn dies hĂ€tte Francos Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bedeutet.cite-ref-107[107] Sein Entgegenkommen bestand schlieĂlich darin, dass er die DivisiĂłn Azul an die Ostfront schickte, 47.000 falangistische Freiwillige unter General AgustĂn Muñoz Grandes, die er aber 1943 nach der Schlacht von Stalingrad dort wieder abziehen lieĂ. AuĂerdem stellte Franco Deutschland unter anderem U-Boot-StĂŒtzpunkte und Nachrichtenmaterial zur VerfĂŒgung.
Adolf Hitler zeigte sich mit Francos Politik unzufrieden und stellte im Juli 1942 im kleinen Kreis Ăberlegungen an, âeine fĂŒr die Bereinigung der spanischen politischen VerhĂ€ltnisse geeignete Persönlichkeitâ zu finden. Dabei dachte er besonders an General Muñoz Grandes und erklĂ€rte, die Blaue Division werde möglicherweise âbei der Erledigung des derzeitigen Pfaffensystems die entscheidende Rolle spielen.âcite-ref-108[108]
Noch weniger hatte das faschistische Italien von seiner UnterstĂŒtzung der nationalspanischen Partei. Die italienische Intervention im spanischen BĂŒrgerkrieg, die die Achsenmacht etwa 15.000 Tote und Verwundete und 4,5 Milliarden Lira kostete, honorierte Franco lediglich mit 100.000 Tonnen Eisen und einer protokollarischen Zusicherung, dass die Beziehungen zwischen Italien und Spanien âweiterentwickeltâ werden sollten.cite-ref-109[109]
Payne sieht bereits Absetzungsbewegungen Spaniens von Deutschland und Italien, noch bevor sich in Russland das Blatt wendete, da bereits zu dieser Zeit ein Artikel eines falangistischen FĂŒhrers, in dem Spanien von den totalitĂ€ren Regimes unterschieden wurde, in Druck gehen durfte. â1943 wurde dieser Gedanke Allgemeingut, so dass Spanien, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, auf dem Weg des Ăbergangs von einem teilweise mobilisierten, halbfaschistischen Staat zu einem katholischen, korporativen und zunehmend demobilisierten autoritĂ€rem Regime schon weit fortgeschritten war.âcite-ref-payne325-83-3[83] Als sich um das Jahr 1943 ihre Niederlage abzeichnete, ging Franco auf Distanz zu den AchsenmĂ€chten. Er erklĂ€rte in diesem Jahr Spanien fĂŒr neutral und stellte im Austausch gegen alliierte Ăllieferungen die materielle und ideelle UnterstĂŒtzung Deutschlands weitgehend ein. Zudem entlieĂ er die mit der Achse sympathisierenden Mitglieder seiner Regierung, darunter seinen Schwager RamĂłn Serrano SĂșñer. Durch dieses Umschwenken konnte Franco die Alliierten etwas beschwichtigen. Hinzu kam bereits wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs die Abschaffung Ă€uĂerer Symbole wie des FaschistengruĂes. FĂŒr Franco waren Hitler und Mussolini nur so lange interessant, als sie mĂ€chtig waren und er etwas von ihnen zu erwarten hatte. Ein anderer Aspekt ist allerdings, dass das vom wenige Jahre zurĂŒckliegenden BĂŒrgerkrieg noch immer stark geschwĂ€chte Spanien sich die Teilnahme an einem weiteren Waffengang nicht leisten konnte.
Spanien war Station auf einer der Rattenlinien, der Fluchtrouten der WĂŒrdentrĂ€ger sowohl des NS-Regimes selbst als auch seiner weltanschaulich VerbĂŒndeten â hĂ€ufig zum Zwecke einer Weiterreise nach SĂŒdamerika. Auch in Spanien selbst fanden einige von ihnen Zuflucht, so etwa LĂ©on Degrelle, AnfĂŒhrer der belgischen Rexisten.
Spanien und der Holocaust
Die insbesondere vom Nationalsozialismus vertretenen Rassenlehren fanden in Spanien kaum Widerhall. Indem Spanien als Transitland nach Portugal fungierte, konnten sich nach aktuellen SchĂ€tzungen rund 20.000 bis 35.000 europĂ€ische Juden ĂŒber Spanien vor der nationalsozialistischen Verfolgung retten.cite-ref-110[110]
Spanien zeigte sich â von den schon erwĂ€hnten Konzentrationslagern fĂŒr FlĂŒchtlinge einmal ganz abgesehen â insoweit insgesamt wenig gastlich, als zur Einreise ein französisches Ausreisevisum verlangt wurde, das die FlĂŒchtlinge selten beibringen konnten, so dass oft nur die illegale Einreise blieb. Zudem operierten deutsche Diplomaten und spĂ€ter die Gestapo im spanischen Hinterland. Spanien wurde von FlĂŒchtlingen in der Regel als Transitland angesehen, das man besser schnell hinter sich lieĂ. Dass die Flucht ĂŒber die iberische Halbinsel manchen Verfolgten das Leben rettete, ist in erster Linie der Haltung Portugals zu verdanken, das ab 1941 die Verfolgung der FlĂŒchtlinge weitgehend einstellte.
Ein angebliches Engagement bei der Rettung der bedrohten Judenheit, das Franco spĂ€ter fĂŒr sich in Anspruch nahm, hat sich hingegen durch quellenkritische Forschungen als Konstruktion der Propaganda Francos aus der Nachkriegszeit herausgestellt und kann heute als widerlegt gelten.cite-ref-111[111] Franco soll sich zwar fĂŒr einen Teil der sephardischen Gemeinden in Griechenland eingesetzt haben.cite-ref-112[112] Von diesen Sepharden hatten einige in den 1920er-Jahren als Nachfahren 1492 vertriebener spanischer Juden die spanische StaatsbĂŒrgerschaft annehmen können. Francos Engagement bezog sich nur auf diese Sepharden spanischer StaatsbĂŒrgerschaft, die mit 4.500 von 175.000 Sepharden verhĂ€ltnismĂ€Ăig gering an Zahl waren, wĂ€hrend er die Gelegenheit nicht wahrnahm, zahlreiche weitere Sepharden aus dem deutschen Machtbereich zu entfernen. Selbst die FĂ€lle der besagten 4.500 StaatsbĂŒrger wurden nur schleppend und mit bĂŒrokratischer HĂ€rte bearbeitet.cite-ref-113[113]
Neue Archivfunde aus Madrid belegen, dass Franco spĂ€testens seit 1944 detailliert ĂŒber die Judenvernichtung im KZ Auschwitz informiert war und das âAusmaĂ der Vernichtung genauestens kannteâ.cite-ref-114[114]
Das Gebaren des Regimes war besonders in seiner Anfangszeit auĂerdem antisemitisch. So stellte Franco im Dezember 1943 etwa gegenĂŒber dem deutschen Botschafter Dieckhoff die offizielle spanische Position mit den Worten dar, dass
â⊠die Einstellung der spanischen Regierung gegenĂŒber Bolschewismus und Kommunismus sich nicht Ă€ndern werde, und dass dieser Kampf im In- und Ausland fortgefĂŒhrt werden wĂŒrde, ebenso wie gegen das Judentum und die Freimaurerei.â
â
yale.edu (englisch)
Bereits 1938 war die Synagoge von Madrid geschlossen worden, die wĂ€hrend der Zweiten Republik in mehreren spanischen StĂ€dten errichteten jĂŒdischen Gemeinden wurden wieder aufgelöst und SakralgegenstĂ€nde entwendet. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs entspannte sich die repressive Haltung des Regimes in Hinblick auf die Behandlung der jĂŒdischen Gemeinden wieder; die verbotenen jĂŒdischen Gemeinden wurden wieder zugelassen, und einige profanierte Synagogen â etwa die von Barcelona â wurden wieder geöffnet.
Siehe auch
:
Geschichte der Juden in Spanien
Nach dem Zweiten Weltkrieg
AuĂenpolitisch war das Franco-Regime direkt nach dem Zweiten Weltkrieg fast völlig isoliert: Spanien wurde als VerbĂŒndeter der AchsenmĂ€chte angesehen.cite-ref-116[116] Am 29. April 1946 verurteilte der Sicherheitsrat in der Resolution 4 das Regime und startete eine Untersuchung. Im Juni erneuerte er in der Resolution 7 die Verurteilung. Am 2. November beendete der Sicherheitsrat mit der Resolution 10 sein Engagement in der Sache und ĂŒbergab die Akten der Generalversammlung. Im Dezember 1946 zogen nach einer UN-Resolution fast alle Staaten ihre Botschafter aus Madrid ab. Diese vor allem von der Sowjetunion und Polen initiierte Resolution kam allerdings in einer Weise zustande, die erkennen lieĂ, dass die USA und GroĂbritannien sie nicht begrĂŒĂten.cite-ref-117[117] Frankreich schloss zudem seine PyrenĂ€engrenze. Franco ĂŒberstand diese Krise durch Geduld und durch umfangreiche Weizenlieferungen des mit ihm sympathisierenden argentinischen PrĂ€sidenten Juan PerĂłn.
Bald schon Ă€nderte sich die auĂenpolitische Lage wieder zu Francos Gunsten: Mit Beginn des Kalten Kriegs konnte es sich die NATO nicht mehr leisten, das strategisch wichtige Spanien weiter auszugrenzen. 1950 hob die UNO ihr Verdikt gegen Spanien wieder auf. Es folgten der Austausch von Botschaftern und 1951 die Zahlung amerikanischer Fördermittel, die den años del hambre, den Jahren des Hungers, ein Ende setzten.cite-ref-holzer106-118-0[118]
Obwohl eine Mitgliedschaft Franco-Spaniens fĂŒr die NATO nicht in Frage kam, konnte Franco 1953 durch ein StĂŒtzpunktabkommen mit den USA (Tratado de Amistad y CooperaciĂłn, âVertrag ĂŒber Freundschaft und Zusammenarbeitâ) einen fast gleichwertigen Status herbeifĂŒhren, wenngleich Spanien kaum greifbare Gegenleistungen von den USA erhielt.cite-ref-119[119]cite-ref-120[120] Was Spanien fĂŒr die USA besonders interessant machte, war der Umstand, dass die FlugplĂ€tze auĂerhalb der Reichweite sowjetischer Maschinen lagen. Von den Zentren bei Sevilla, Saragossa und Madrid aus konnte das Strategic Air Command mit seinen Tankflugzeugen und seinem Jagdschutz operieren. Die Versorgung erfolgte durch den StĂŒtzpunkt Rota bei CadĂz.cite-ref-holzer106-118-1[118] Durch den StĂŒtzpunktvertrag flossen 1,5 Milliarden Dollar zur Errichtung der militĂ€rischen Infrastruktur nach Spanien, was auf das Land einen tiefgreifenden Einfluss ausĂŒbte. Die Effekte, die diese Fördergelder nach sich zogen, sollen zu einem Gesinnungswandel der Eliten beigetragen haben, dass höhere Profite und Weiterentwicklung unter der bisher verfolgten Autarkiepolitik nicht zu erreichen waren.cite-ref-holzer107-121-0[121]
Mit dem Abkommen mit den USA und dem Abschluss eines Konkordats mit dem Vatikan im Jahr 1953 war die auĂenpolitische Isolation aufgebrochen. Von da an hatte das Franco-Regime zwar noch immer wenige Freunde und weltanschaulich VerbĂŒndete (vornehmlich nur in SĂŒdamerika und im benachbarten Portugal), wurde aber respektiert. Die weitgehende Integration des Franco-Regimes in die westliche Staatenwelt stieĂ bereits frĂŒh auf die auch propagandistisch genĂŒtzte Kritik seitens der Sowjetunion und von Teilen der europĂ€ischen Linken, die dem Westen vorwarfen, mit faschistischen Staaten Kumpanei zu treiben.cite-ref-122[122]
Dennoch erfolgte die Aufnahme in die Vereinten Nationen im Jahr 1955. Vom Beginn der 1960er Jahre an bemĂŒhte sich Franco um ein Assoziierungsabkommen mit der EG. Einen entsprechenden Antrag reichte er am 9. Februar 1962 ein. Erst 1966 begannen die Verhandlungen, die sich vor allem wegen politischer Vorbehalte der damals noch sechs Staaten bis zum Abschluss eines ersten Abkommens im Jahr 1970 hinauszögerten.
Wirtschaft
Auch ökonomisch lassen sich â Ă€hnlich wie in der AuĂenpolitik â zwei Phasen unterscheiden: ZunĂ€chst die Autarkiepolitik wĂ€hrend und nach Ende des BĂŒrgerkriegs und spĂ€ter die wirtschaftsliberalen Reformen ab Ende der 1950er Jahre (die Bernecker als âtechnokratische Phaseâ bezeichnet),cite-ref-lexikon207-101-1[101] die binnen weniger Jahre ein spanisches Wirtschaftswunder nach sich zogen.
Die Autarkiepolitik hatte verschiedene Ursachen. In ihren AnfĂ€ngen war sie aus der Not geboren worden, da Spanien auĂenpolitisch als Paria galt und das auch zu spĂŒren bekam. Hatten die westlichen Alliierten auch den Vorschlag Stalins nicht gutgeheiĂen, die alliierten Waffen bis nach Madrid zu tragen, wurde Spanien doch von der Mitgliedschaft in der UNO ferngehalten und vor allen Dingen von der Teilnahme am Marshallplan und generell von billigen Krediten aus dem Ausland ausgeschlossen. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren fĂŒr die spanische Bevölkerung eine Zeit der Knappheit und selbst des Hungers. Bis 1951 blieben die Grundnahrungsmittel in Spanien bei Ă€uĂerst kleinen, phasenweise unter dem Existenzminimum liegenden Zuteilungen rationiert.
Zudem war die staatsinterventionistische, mit hohen Schutzzöllen bewehrte Autarkiepolitik ein zentraler Punkt des ideologischen Programms der Falange, welche die Vorstellung hegte, dass die Wirtschaft sich der Politik unterzuordnen und sich in den Dienst am Vaterland zu stellen habe. Franco strebte im Sinne dieser ideologisch motivierten Wirtschaftspolitik danach, Spanien von Einfuhren unabhĂ€ngig zu machen und im Wesentlichen nur fĂŒr den eigenen Bedarf des Landes zu produzieren. Er unterzog zu diesem Zweck die spanische Wirtschaft einer Anzahl einschneidender MaĂnahmen wie staatlicher Lenkung und der Festsetzung von Höchstpreisen. Ein wichtiges Instrument dieser Politik war der 1941 gegrĂŒndete Instituto Nacional de Industria (INI). Diese Politik fĂŒhrte, abgesehen davon, dass Spanien ein Agrarland mit einer international nicht konkurrenzfĂ€higen Wirtschaft blieb, zu einer lange Jahre anhaltenden Stagnation bei stetig sinkenden Reallöhnen und den typischen Folgeerscheinungen einer Mangelwirtschaft wie SchwarzmĂ€rkten, hoher (offiziell aber inexistenter) Arbeitslosigkeit, Nepotismus und Herstellung von Waren mangelhafter QualitĂ€t. WĂ€hrend der gesamten fĂŒnfziger Jahre bewegte sich Spanien am Rande des Staatsbankrotts.cite-ref-holzer108-68-1[68]
Um 1957 spitzte sich die Krise zu, als die Inflation Rekordhöhen erreichte, die von Lohnsteigerungen höchst ungenĂŒgend aufgefangen wurden. Streiks, die sich auch durch dekretierte Lohnerhöhungen nicht beschwichtigen lieĂen, brachten die spanische Wirtschaft fast zum Erliegen. Franco sah sich dazu veranlasst, das Steuer herumzuwerfen. Dahinter stand auch amerikanischer Druck, da die USA Interesse daran hatten, ihre StĂŒtzpunkte in einem einigermaĂen stabilen Umfeld zu unterhalten, und darauf drĂ€ngten, Spanien auslĂ€ndischem Kapital zu öffnen und somit die bisherige Autarkiepolitik zu beenden.cite-ref-holzer107-121-1[121] Die falangistische Wirtschaftspolitik wurde aufgegeben und mit der Zulassung eines Wirtschaftsliberalismus die entgegengesetzte Strategie verfolgt. Die neue Politik stand unter dem Schlagwort des desarrollo (âEntwicklungâ). Im Rahmen einer Kabinettsumbildung im Jahre 1962, in deren Zuge zwei Drittel des Kabinetts auf einen Schlag ausgetauscht wurden, installierte Franco ein Technokratenkabinett, in dem Mitglieder des Opus Dei fĂŒhrende Posten einnahmen.
Der franquistische Autarkismus wurde umgehend durch wirtschaftlichen Liberalismus ersetzt. Im Zuge dieser Reformpolitik wurde eine Reihe alter Zöpfe abgeschnitten. Unter anderem trat Spanien dem Internationalen WĂ€hrungsfonds, der Weltbank und der OECD bei, die mit den heimischen Technokraten ein âklassischesâ Stabilisierungs- und Liberalisierungsprogramm ausarbeiteten, das ab 1959 umgesetzt wurde. Um 1962 waren die Mitglieder des Opus bereits in einer Position, die es erlaubte, die spanische Wirtschaft sehr weitgehend zu kontrollieren.
Der rasante wirtschaftliche Aufschwung in den Folgejahren rettete das Regime und legitimierte Francos Herrschaft nun auch ökonomisch. Die Industrialisierung erfolgte mit hohem Tempo: 1974 sank der Anteil des Agrarsektors an der heimischen Wirtschaft auf unter zehn Prozent. Der Anteil BerufstĂ€tiger in der Landwirtschaft sank von 50 % auf 28 %. Dies fĂŒhrte zu einer rapiden VerstĂ€dterung, da viele ehemalige Bauern in die GroĂstĂ€dte wie Madrid oder Barcelona zogen, so wuchs die Bevölkerungszahl Madrids in zwei Jahrzehnten von 1,6 Millionen auf 3,2 Millionen Einwohner an.cite-ref-holzer105-123-0[123] Spanien, das jahrelang die neben Japan zweitgröĂten Wachstumsraten der westlichen Welt aufwies, war zur zehntgröĂten Industrienation der Welt aufgerĂŒckt. Ferner wurde Spanien als Touristenziel entdeckt â 35.000 Touristen im Jahr 1951cite-ref-holzer108-68-2[68] und 1,4 Millionen Touristen im Jahr 1955 standen 6 Millionen im Jahr 1960cite-ref-holzer108-68-3[68] und 33 Millionen im Jahr 1972 gegenĂŒber â und konkurrierte bald mit Italien um den Mittelmeertourismus.
Symbol des spanischen Wirtschaftswunders wurde der Seat 600, fĂŒr viele Spanier das erste Auto, das sie ihr Eigen nennen konnten. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der Spanier hatte sich von 315 Dollar im Jahr 1960 auf 827 Dollar im Jahr 1971 steigern können.cite-ref-holzer105-123-1[123] Dieses Durchschnittseinkommen war jedoch sehr ungleich verteilt, was in der Praxis bedeutete, dass zahlreiche Spanier mehreren BeschĂ€ftigungen nachgingen. Noch auffĂ€lliger war dieses MissverhĂ€ltnis zwischen Land und Ballungsgebieten sowie zwischen Nord- und SĂŒdspanien.cite-ref-124[124] Hinzu kam, dass sich zahlreiche Spanier â Anfang der 1970er Jahre waren es eine Million â als Gastarbeiter im Ausland verdingten. Die RĂŒckĂŒberweisung ihrer Ersparnisse war mit etwa 700 Millionen Dollar sehr wichtig fĂŒr die spanische Zahlungsbilanz.cite-ref-125[125]
Im Ergebnis fĂŒhrten die Reformen zu einer wirtschaftlichen Liberalisierung, der freilich keine politische Ăffnung entsprach. In diesem Sinne hat Spanien den Weg einer Anzahl heutiger SchwellenlĂ€nder vorweggenommen.
Grundgesetze des Franquismus
Der Estado Nuevo zog seine Legitimation aus dem BĂŒrgerkrieg und dem traditionalistischen Katholizismus und bedurfte nach Ansicht seiner Eliten deswegen keiner demokratischen Verfassung und keiner Gewaltenteilung. Eine zusammenhĂ€ngende Verfassung besaĂ der Franco-Staat bis zuletzt nicht; stattdessen bestand das spanische Verfassungsrecht aus grundlegenden Gesetzen, die erst nach und nach erlassen wurden. Sie können nach ihrem Inhalt in ideologisch-staatsphilosophische und staatsrechtlich-organisatorische Grundgesetze unterteilt werden.cite-ref-126[126] Die Grundgesetze des franquistischen Staats wurden durch Schlussbestimmungen der Verfassung von 1978cite-ref-127[127] aufgehoben.
âFranco triumphierte deshalb, weil ihm die VerhĂ€ltnisse die absolute Gewalt anboten, die er seinerseits in den Grundgesetzen definierte, die mit Ă€uĂerster Sorgfalt formuliert waren, so dass sie seine Allmacht in nichts beschrĂ€nkten; der Gesetzesapparat, der ganz dem Kopf seines Autors entsprungen war, verkĂŒndet die völlige Ohnmacht der Nation und die völlige Allmacht des Despoten.â
â
Salvador de Madariaga
:
Spanien
, S. 449
Im franquistischen Staat war die Rechtsprechung nicht unabhĂ€ngig. Streiks galten als Aufruhr und wurden als solcher bestraft. Hinzu kam eine Zensurbehörde, die fĂŒr Medien aller Art zustĂ€ndig war. Das Gesetz gegen âBanditentumâ und âTerrorâ vom 18. April 1947, das sich gegen politische Gegner richtete, wurde durch MilitĂ€rgerichtshöfe umgesetzt, die Urteile im Rahmen eines summarischen Verfahrens aussprechen konnten.cite-ref-128[128]
Gesetz ĂŒber die Prinzipien des Movimiento Nacional (1937/1958)
âZwischen Volk und Staat vermittelt[e]â nach einem Erlass vom 19. April 1937 die Falange Española Tradicionalista y de las JONS. AnfĂŒhrer dieser Organisation war Franco selbst. Am 17. Mai 1958 wurde zusĂ€tzlich das âGesetz ĂŒber die Prinzipien des Movimiento Nacionalâ (Ley de Principios del Movimiento Nacional) erlassen, das nicht nur dem Movimiento als solchem galt, sondern darĂŒber hinaus Auswirkungen hatte. Denn der ganze Staat sollte auf den Prinzipien der Bewegung fuĂen, die das Gesetz als âGemeinschaft aller Spanier im Glauben an die Ideale, derentwegen der Kreuzzug gefĂŒhrt wurdeâ definierte. Von den verschiedenen âGrundgesetzenâ, die im franquistischen Staat im Lauf der Zeit erlassen wurden, war dieses Gesetz das ranghöchste, da kein anderes Gesetz gegen die Prinzipien des Movimiento Nacional verstoĂen durfte. Diese unwandelbaren Prinzipien waren im Einzelnen: der Konfessionalismus des Staates, die monarchische Staatsform und die stĂ€ndestaatliche Vertretung.
Gesetz zur Organisation der Zentralverwaltung (1938)
Nach dem am 30. Januar 1938 erlassenen Gesetz zur Organisation der Zentralverwaltung hatten die Entscheidungen des Staatschefs Gesetzeskraft, sofern es sich um staatsrechtliche Fragen handelte. Aus dieser grundlegenden ZustĂ€ndigkeit leiteten sich alle weiteren Befugnisse ab. Durch dieses Grundgesetz wurden zudem die Ministerien eingerichtet. Der spanische Staat selbst hatte keine eigentliche rechtliche Grundlage; vielmehr beruhte er allein auf Franco, der nur âvor Gott und der Geschichteâ verantwortlich war. Seine Macht unterlag keinen Schranken. Nicht nur Minister, sondern die Inhaber aller wichtigen StaatsĂ€mter bis hin zu den Provinzgouverneuren konnte er nach Belieben ernennen und entlassen. Franco behielt sich im Rahmen seiner persönlichen und auĂerordentlichen âMagistraturâ insbesondere die folgenden Ămter vor:
âą das Amt des Staatsoberhaupts,
âą das Amt des Regierungschefs (spĂ€ter auf Luis Carrero Blanco und nach dessen Tod auf Carlos Arias Navarro ĂŒbertragen)
âą das Amt des GeneralĂsimo im Sinne eines Oberbefehlshabers der StreitkrĂ€fte,
âą das Amt des AnfĂŒhrers der Staatspartei F.E.T. y de las JONS, die spĂ€ter in Movimiento Nacional umbenannt wurde.
Grundgesetz der Arbeit (1938)
Im Jahr 1938 wurde ferner das Fuero del Trabajo âGrundgesetz der Arbeitâ erlassen, das erst am 26. Juli 1947 als Verfassungsgesetz verkĂŒndet wurde. Dieses Gesetz richtete sich als Ausdruck der falangistischen syndikalistischen Ordnung sowohl gegen Kapitalismus als auch Marxismus. Seit dem Ley de Unidad Sindical âGesetz ĂŒber die syndikale Einheitâ von 1940 wurden â getreu den Vorstellungen JosĂ© Antonio Primo de Riveras, der sich hierbei an italienische Vorbilder anlehnte â ArbeitskrĂ€fte und Unternehmer in einer Art Einheitsgewerkschaft, der OrganizaciĂłn Sindical, zusammengefasst, deren Vorsitzender Ministerrang hatte. Die OrganizaciĂłn Sindical umfasste nach Produktionszweigen gegliederte sindicatos verticales âvertikale Gewerkschaftenâ, in denen Arbeiter und Arbeitgeber zwangsvereint wurden. Die Syndikate sollten bestimmungsgemÀà ein Werkzeug des Staates sein, mit dem dieser Einfluss auf die Wirtschaft ausĂŒben konnte. Dies geschah ĂŒber enlaces âVerbindungsleuteâ und ĂŒber BetriebsrĂ€te (jurados de empresa). Diese Strukturen erwiesen sich nicht zuletzt wegen der unklaren Verteilung der Verantwortlichkeiten als ineffektiv und wurden bereits vor Francos Tod durch die CC.OO weitgehend unterlaufen. Ihr endgĂŒltiges Ende fanden die Syndikate im Jahr 1977 durch die Aufhebung der Zwangsmitgliedschaft.
Gesetz zur Einrichtung der Cortes (1942)
1942 erlieĂ Franco das âGesetz zur Einrichtung der Cortesâ (Ley de la CreaciĂłn de las Cortes), durch das die Cortes Generales wieder institutionalisiert wurden und ein Vorschlagsrecht fĂŒr Gesetze erhielten. Ăber Annahme und Ablehnung der Gesetzesvorhaben bestimmte Franco. Die Cortes traten zwei- oder dreimal im Jahr auf Ladung ihres durch Franco berufenen Vorstehers zusammen. Franco stand es auch zu, zwei Drittel der Mitglieder der Cortes direkt und das letzte Drittel indirekt zu bestimmen â durch Wahlen stĂ€ndischer und kommunaler Kreise nĂ€mlich, bei denen wenig dem Zufall ĂŒberlassen wurde. 1967 reduzierte eine Reform die Anzahl der ernannten Abgeordneten erheblich und legte ein stĂ€rkeres Gewicht auf Wahlen, wobei allerdings die HĂŒrden fĂŒr die AusĂŒbung des passiven Wahlrechts so hoch lagen, dass andere als regimetreue Kandidaten kaum eine Chance hatten.
Grundgesetz der Spanier und Gesetz ĂŒber Plebiszite (1945)
1945 wurden â als Ausdruck der BemĂŒhungen Francos, die auĂenpolitische Isolation der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Spanien von den SiegermĂ€chten ausdrĂŒcklich von der Teilnahme an der UNO und dem Marshallplan ausgeschlossen worden war, wenigstens abzuschwĂ€chen â am 17. Juli das âGrundgesetz der Spanierâ (Fuero de los Españoles) und am 22. Oktober das Gesetz ĂŒber Plebiszite (Ley del Referendum) erlassen. Mit dem ersten wurden im Bestreben, angesichts der starken auĂenpolitischen BedrĂ€ngnis dieser Jahre den Gegnern des Systems den Wind etwas aus den Segeln zu nehmen, einige Grundrechte garantiert. Die Anerkennung dieser Grundrechte war allerdings davon abhĂ€ngig, dass ihre AusĂŒbung systemkonform geschah. Zudem standen ihnen generalklauselartige Pflichten wie die âTreue zum Staatsoberhauptâ gegenĂŒber. Die Schwelle fĂŒr die Aufhebung der Grundrechte blieb bei alldem niedrig, Franco machte von dieser Möglichkeit nicht selten Gebrauch. Durch das âGrundgesetz der Spanierâ wurde politische BetĂ€tigung zwar zugelassen, allerdings ausdrĂŒcklich auf Familie, Kommune und Syndikat beschrĂ€nkt.
Das Gesetz ĂŒber Plebiszite diente dazu, den Entscheidungen Francos durch Akklamation einen Anschein demokratischer LegitimitĂ€t zu verleihen, da ausschlieĂlich er selbst solche Plebiszite ansetzen konnte und dies in der Praxis nur veranlasste, wenn er sich seiner Sache sicher sein konnte.
Zudem hielten die Plebiszite Mindestanforderungen an eine faire Abstimmung nicht stand. So war die Abstimmung ĂŒber das Ley OrgĂĄnica del Estado von 1966 von massiven UnregelmĂ€Ăigkeiten begleitet. Es wurde nach Angaben von Manfred von Conta nach massiver Propaganda, vorgedruckten âJaâ-Stimmzetteln und zwei Millionen mehr abgegebenen Stimmen, als ĂŒberhaupt Wahlberechtigte vorhanden waren, mit einer Mehrheit von offiziell angeblich 95 % der Stimmen angenommen.cite-ref-129[129]
Nachfolgegesetz (1947)
Das âNachfolgegesetzâ vom 28. Juli 1947 (Ley de SucesiĂłn a la Jefatura de Estado) erklĂ€rte Spanien zu einem âkatholischen und sozialenâ Staat, der âsich in Ăbereinstimmung mit seiner Tradition zu einer Monarchie erklĂ€rtâ. Mit diesem Gesetz wurde also â nach einem Jahrzehnt, in dem Franco die Frage der Staatsform mit RĂŒcksicht auf die antimonarchistische Falange bewusst offen gelassen hatte â die Monarchie wieder eingefĂŒhrt. Der Thron blieb jedoch zu Lebzeiten Francos vakant â ein deutliches Zeichen, dass die Zeiten des gröĂten Einflusses der Falange sich ihrem Ende zuneigten. Bereits der darauf folgende Artikel allerdings sah vor, dass die Macht im Staate Franco selbst zustand. Anstelle eines Monarchen wurde in diesem Gesetz ein Regentschaftsrat bestimmt.
Pressegesetz (1966)
1966 wurde ein reformiertes âPressegesetzâ (umgangssprachlich nach dem Informationsminister als âFraga-Gesetzâ bekannt) erlassen. Es löste dasjenige aus der Zeit des BĂŒrgerkriegs ab. Die Zensur wurde etwas gelockert. Obwohl die Pressefreiheit damit noch immer keineswegs gewĂ€hrleistet war, sollte es in der Praxis dennoch erhebliche Auswirkungen auf die spanische Gesellschaft haben, da diese erstmals seit Jahrzehnten den Zeitungen in Form von Berichten ĂŒber Streiks und Unruhen entnehmen konnte, dass nicht alles im Lande so problemlos verlief, wie die falangistisch kontrollierten Medien es glauben machen wollten. Es wurde allgemein bekannt, wie viele verschiedene KrĂ€fte sich mit ihren jeweiligen Anliegen gegen das Regime stellten, so viele Studenten, Basken und Katalanen, der Klerus der spĂ€ten Jahre, und diejenigen, die Koalitions- und Streikrechte fĂŒr Arbeitnehmer forderten.
Staatsorganisationsgesetz (1967)
Den Abschluss der franquistischen Staatsverfassung bildete das am 11. Januar 1967 erlassene âStaatsorganisationsgesetzâ (Ley OrgĂĄnica del Estado). Neben einigen weiteren Modifikation der Staatsorganisation, welche die ZustĂ€ndigkeiten verschiedener Gremien wie des Nationalrats und des Rates des Königreichs neu regelten, wurden im Wesentlichen die Ămter des Staatsoberhaupts und des Haupts der Exekutive (des MinisterprĂ€sidenten) getrennt. Staatsoberhaupt blieb Franco, das Amt des MinisterprĂ€sidenten blieb zunĂ€chst vakant. Bedeutung hatte das Gesetz fĂŒr Francos Nachfolge. Zu einer konkreten Regelung der Sukzession in das Amt des Staatsoberhaupts kam es jedoch erst zwei Jahre spĂ€ter, als Juan Carlos I. auch offiziell fĂŒr Francos Nachfolge ausgewĂ€hlt wurde.
Opposition gegen Franco
Im franquistischen System gab es keine legale Opposition, wohl aber, insbesondere in den ersten Jahren des Regimes, Widerstandsgruppen der traditionellen Linken, die den Guerillakampf gegen Franco aufnahmen. Sie mussten allerdings spĂ€testens in der Zeit der Entfaschisierung in den fĂŒnfziger Jahren infolge des Desinteresses der Bevölkerung, aber auch deren Ablehnung einer neuerlichen bewaffneten Auseinandersetzung, die Waffen vollends strecken. Als sich herausstellte, dass das Regime bis auf weiteres weder von innen noch durch Interventionen von auĂen zu stĂŒrzen war, besannen sich diese Gruppen auf andere Vorgehensweisen, die allerdings Franco nie ernsthaft gefĂ€hrlich wurden.
Durch alle Jahre des Franquismus existierte bis in das Jahr 1977 eine Exilregierung der Republik in Mexiko, die sich erst unmittelbar nach den ersten freien Wahlen auflöste. Im Zuge der ökonomischen Krise Ende der 1950er Jahre, die das Opus Dei in seiner Machtrolle beförderte, sah sich auch die Opposition auĂerhalb Spaniens zu einigen Aktionen berufen und gab ein viel beachtetes Lebenszeichen von sich, als alle oppositionellen spanischen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten einen Kongress in MĂŒnchen abhielten.
In den spĂ€teren Jahren des Franco-Regimes bildeten sich von diesen traditionellen Parteien und Bewegungen weitgehend unabhĂ€ngige oppositionelle Gruppen heraus. Widerstand war selbst â und sogar vor allem â unter den nominellen VerbĂŒndeten Francos zu finden. Bereits erwĂ€hnt wurden die kirchliche Opposition gegen Franco in den letzten Jahren seines Regimes und die Oppositionshaltung der Altfalangisten.
Die Comisiones Obreras (CC.OO)
Als eine neue Form der Opposition, die nicht allgemeinpolitisch tĂ€tig war und von der traditionellen Linken und Teilen der katholischen Kirche unterstĂŒtzt wurde, sind insbesondere die illegalen freien Gewerkschaften anzusehen. Diese Gewerkschaften konnten im franquistischen Staat insoweit Erhebliches bewirken, als sie einer tragenden SĂ€ule des franquistischen Regimes â nĂ€mlich den vertikalen Syndikaten â und damit dem System des Franco-Regimes ganz konkret gefĂ€hrlich wurden.
Neben der HOAC und der USO sind hier besonders die Comisiones Obreras (CC.OO, Arbeiterkommissionen) hervorzuheben. Sie wurden von 1956 an, als das franquistische System gerade durch Streiks und Wirtschaftskrise gelĂ€hmt wurde, als freie Gewerkschaftsbewegung zu einer der bedeutsamsten oppositionellen Gruppierungen. In ihnen verbanden sich Sozialisten, Kommunisten und die katholische Arbeiterbewegung, zumeist unter kommunistischer FederfĂŒhrung.cite-ref-130[130] Ihr gelang es in noch höherem MaĂe als den anderen illegalen Gewerkschaften, die Zwangskorporation der Arbeiter unter staatlicher Aufsicht â den Syndikalismus â zu unterlaufen und die Arbeiterschaft recht weitgehend der Kontrolle durch den franquistischen Staat zu entziehen. Die CC.OO machten gewissermaĂen die Prinzipien des Guerillakampfes dem Gebiet des Arbeitskampfes dienlich: sie organisierten zum Kampf fĂŒr jeweils konkrete, fest umrissene Ziele die Arbeiterschaft in Versammlungen, die anschlieĂend sofort wieder aufgelöst wurden. Aus diesem Grund waren die CC.OO fĂŒr die Obrigkeit kaum zu fassen. Dennoch kam es in den letzten Jahren des Regimes zu Verhaftungen und zu Verurteilungen, zu langjĂ€hrigen Haftstrafen, wie insbesondere im Falle der â11 von Carabanchelâ oder 1972/73 im âProzess Tausendeinsâ gegen die FĂŒhrungsmannschaft der CC.OO.
Der Franquismus und die nichtkastilischen Gebiete Spaniens
Der Franquismus war streng zentralistisch ausgerichtet und stand Autonomiebestrebungen der seit jeher weniger fest in den spanischen Staat integrierten nichtkastilischen Gebiete Spaniens, insbesondere Kataloniens und des Baskenlands, mit gröĂtem Misstrauen gegenĂŒber. Diese Gebiete hatten zudem wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs die Republik unterstĂŒtzt, weshalb die RepressionsmaĂnahmen hier besonders hart ausfielen â am stĂ€rksten hatte das Baskenland, dessen drei Provinzen Franco wegen ihrer Rolle im Spanischen BĂŒrgerkrieg als âVerrĂ€terprovinzenâ bezeichnete, zu leiden. Unter Franco konnte bereits ein katalanischer Volkstanz, die Sardana, oder das Zeigen der baskischen Flagge, der Ikurriña, als Zeichen zum Umsturz aufgefasst werden.
Die Repression bezog sich auch auf den öffentlichen Sprachgebrauch. Der Unterricht in nichtkastilischen Sprachen wurde abgeschafft, so dass alleine noch der Unterricht in âchristlicherâ (kastilischer) Sprache zulĂ€ssig war. Ortsnamen wurden hispanisiert, und der Gebrauch der katalanischen, baskischen und galicischen Sprache wurde unter Einsatz des Slogans âWenn du Spanier bist, sprich spanisch!â bei Behörden und in der Ăffentlichkeit verboten. Das ging so weit, dass der bereits nominierte SĂ€nger Joan Manuel Serrat nicht beim Eurovision Song Contest 1968 antreten durfte, weil er den Song La, la, la in katalanischer Sprache singen wollte. Die Regionen reagierten zuerst, indem die spezifische Landeskultur im privaten Bereich gepflegt wurde und indem sie sich bei Volksabstimmungen aller Art massenhaft der Stimme enthielten.
In Katalonien ĂŒberwog dieser passive Widerstand bis in die 1970er Jahre und fand ab Anfang der 1960er Jahre Ausdruck in der Nova Cançó, dem âNeuen Liedâ. Vorbilder fanden die zuerst anonymen Liedermacher beim angelsĂ€chsischen Folk, beim Chanson und im eigenen Volksliedgut.
In Katalonien kam der Brauch auf, in Kneipenhinterzimmern in der aus der Ăffentlichkeit verbannten katalanischen Sprache Lieder zu singen. Die Liedermacher verfassten ihre Werke selbst und traten wegen der stets drohenden Repression zumeist im bescheidenen Rahmen auf. Die Lieder hatten oft Zusammenhalt und GemeinschaftsgefĂŒhl zum Thema. BerĂŒhmte Vertreter der Nova Cançó waren LluĂs Llach (nicht zuletzt mit seinem Lied LâEstaca â âDer morsche Pfahlâ â, mit dem er auf das Franco-Regime anspielte), Francesc Pi de la Serra, Maria del Mar Bonet und Raimon. In Katalonien ist bis heute der Auftritt Raimons am 18. Mai 1968 legendĂ€r (bekannt als 18 de maig a la villa), zu dem trotz um sich knĂŒppelnder Polizei Hunderttausende strömten. Die Nova Cançó wurde nach dem Ende des Franquismus zunĂ€chst voreilig als ĂŒberholt abgetan, setzte sich aber auch in der Folgezeit durch, als LluĂs Llach in den Achtzigern daran mit Liedern wie No es aixĂł (âKein solches Spanien war gemeintâ) anknĂŒpfte.cite-ref-131[131]
Im Baskenland begann sich ab etwa 1960 â dem Jahr der GrĂŒndung der ETA in Bilbao â aktiver Widerstand zu formieren, der sich ab 1967 in BombenanschlĂ€gen Ă€uĂerte. Das Mittel gewaltsamer AnschlĂ€ge zur sukzessiven Erreichung einer Autonomie bzw. UnabhĂ€ngigkeit vom Nationalstaat war jedoch unter der baskischen Bevölkerung bereits damals keineswegs unumstritten. Die hierauf einsetzenden RepressionsmaĂnahmen des Regimes trugen dazu bei, Franco im Baskenland noch verhasster zu machen.
Im Zuge des Burgos-Prozesses von 1970, in dem 16 etarras vor Gericht gestellt wurden, erlitt das Franco-Regime einen erheblichen innen- wie auĂenpolitischen Gesichtsverlust, als die unerschrockenen Angeklagten vor dem Gericht unter den Augen der Weltöffentlichkeit die antibaskische Politik und die Foltermethoden des Regimes anprangerten.
Mythologie des Franquismus
Der militĂ€rische Sieg Francos im Spanischen BĂŒrgerkrieg diente als zentrale Legitimationsquelle des Regimes. Der Franquismus zielte darauf ab, jedermann fortwĂ€hrend an diesen Sieg zu erinnern. Der Krieg und die Begebenheiten, die sich zur heroischen Stilisierung eigneten, wurden zum GrĂŒndungsmythos der Franco-Diktatur. In diesem Sinne wurde zum 1. April, dem Tag des Sieges und wichtigstem Anlass im franquistischen Jahreslauf, alljĂ€hrlich eine MilitĂ€rparade (desfile de la Victoria) abgehalten.cite-ref-132[132]
âÂĄEl AlcĂĄzar no se rinde!â
(âDer AlcĂĄzar ergibt sich nicht!â)
â
Hauptartikel
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Belagerung des AlcĂĄzars von Toledo
Eine zentrale franquistische WeihestĂ€tte, in der die nationalistischen Leistungen im BĂŒrgerkrieg verherrlicht wurden, war der AlcĂĄzar von Toledo. Diese alte Festung, die das Stadtbild Toledos dominiert, war von Oberst JosĂ© MoscardĂł 1936 unter groĂen Entbehrungen durch zwei Monate gegen die republikanischen StreitkrĂ€fte verteidigt worden. Franco hatte den Heeresteil unter Oberst JosĂ© Varela im September 1936, als die nationalspanischen Truppen sich Toledo hinreichend genĂ€hert hatten, nicht zuletzt unter propagandistischen Gesichtspunkten mit dem Auftrag entsandt, den AlcĂĄzar vor dem Fall zu bewahren. Seine Rechnung ging auf:cite-ref-133[133] die KĂ€mpfe in Toledo, das Ausharren des AlcĂĄzars und seine Entsetzung aus höchster Not â die Besatzung, unter ihnen Frauen und Kinder,cite-ref-134[134] lebte zuletzt von 180 Gramm Brot am Tag und kratzte als Ersatz fĂŒr das Speisesalz den Salpeter von den WĂ€nden â wurde zu einem BĂŒrgerkriegsmythos des Franco-Regimes, der auch auĂerhalb Spaniens Beachtung fand. Der Slogan ÂĄEl AlcĂĄzar no se rinde! (âDer AlcĂĄzar ergibt sich nicht!â) wurde zu einem franquistischen GegenstĂŒck des von Dolores IbĂĄrruri geprĂ€gten republikanischen Slogans ÂĄNo pasarĂĄn! (âSie werden nicht durchkommen!â).
Der Kampf um Toledo und den AlcĂĄzar wurde zu einem Monument des Siegs im BĂŒrgerkrieg. In den KellergĂ€ngen des Alcazar, wo die Besatzung ausgeharrt hatte, hingen GruĂtafeln der Regimenter des spanischen Heers, und in den oberen RĂ€umen wurden republikanische Geschosse, Bilder der bei der Verteidigung Gefallenen und Ă€hnliche Objekte gezeigt.
Insbesondere war im AlcĂĄzar noch lange nach Francos Tod das BĂŒro MoscardĂłs zu sehen, das man eigens in dem halbzerstörten, einschussĂŒbersĂ€ten Zustand belassen hatte, in dem es nach der Durchbrechung der republikanischen Belagerung vorgefunden worden war. In diesem Raum zeichneten Tafeln in zahlreichen Sprachen den Dialog nach, den MoscardĂł telefonisch mit seinem gefangen genommenen Sohn Luis hielt. Dieser war Faustpfand der republikanischen Truppen, welche die Kapitulation des AlcĂĄzars forderten: Der Sohn sollte fĂŒr den Fall getötet werden, dass der AlcĂĄzar nicht ĂŒbergeben werden wĂŒrde. MoscardĂł war sich allerdings gewĂ€rtig, dass das Leben seines Sohnes im spanischen Juli 1936 (als Antoine de Saint-ExupĂ©ry notierte: âMan erschieĂt hier, wie man BĂ€ume fĂ€lltâ) wohl auf jeden Fall verlorencite-ref-135[135] und dass Ă€uĂerst ungewiss war, wie mit der Besatzung des AlcĂĄzars nach ihrer Kapitulation verfahren werden wĂŒrde. Der Dialog gipfelt darin, dass MoscardĂł seinem Sohn rĂ€t, seine Seele Gott zu empfehlen, Viva España zu rufen und wie ein Patriot zu sterben (Pues encomienda tu alma ĂĄ Dios, dĂ un grito de ÂĄViva España! y muere como un patriota).cite-ref-136[136] Nachdem sein Sohn sich verabschiedet hat, lĂ€sst MoscardĂł dem republikanischen Befehlshaber ausrichten: Puede ahorrarse el plazo que me ha dado, puesto que el AlcĂĄzar no se rendirĂĄ jamĂĄs (âSie können sich die mir eingerĂ€umte Bedenkzeit sparen, denn der AlcĂĄzar wird sich niemals ergebenâ). Diese Episode fand weltweit besondere Beachtung. So verfasste der SĂŒdafrikaner Roy Campbell, dessen Sympathien bei Franco lagen und der den Ausbruch des BĂŒrgerkriegs und den anschlieĂenden Kampf um Toledo selbst erlebt hatte, ein lĂ€ngeres Gedicht mit dem Titel âFlowering Rifleâ, worin er MoscardĂł mit Gott vergleicht, da er wie jener seinen eigenen Sohn hingegeben habe.cite-ref-137[137]
Ein anderes derartiges Denkmal ist der Ort Belchite in der Provinz Saragossa. Dieser war zwischen dem 24. August und dem 6. September 1937 Schauplatz eines HĂ€userkampfes infolge einer republikanischen Offensive auf Saragossa. Die hierdurch beinahe vollstĂ€ndig zerstörte Stadt, die Francos Truppen 1938 zurĂŒckeroberten, wurde als ein Symbol fĂŒr die ârote Barbareiâ nicht wieder aufgebaut.cite-ref-138[138] Am 13. Oktober 1954 eröffnete Franco in einem Gedenkakt das mit kriegsgefangenen Zwangsarbeitern in der NĂ€he gebaute âneue Belchiteâ, das als franquistische Idealstadt geplant war.cite-ref-0-63-1[63]
âÂĄViva Cristo Rey!â
(âEs lebe Christus, unser König!â)
Ein weiterer politischer Mythos, der vom Franquismus als StĂŒtze seiner Legitimation verwendet wurde, bezieht sich auf die gegen Klerus, Laien und das Eigentum der Kirche gerichtete Gewalt, die, vor allem durch anarcho-syndikalistische Aktivisten, bereits zu Zeiten der Zweiten Republik (wie in den Tagen nach dem 10. Mai 1931) begonnen hatte. WĂ€hrend der ersten Zeit des spanischen BĂŒrgerkriegs Ă€uĂerte sich diese Gewalt gegen den spanischen Klerus in Brandstiftungen und BilderstĂŒrmereien in spanischen Kirchen und Klöstern. Auch H. Thomas rĂ€umt ein, dass man â[nie] in der europĂ€ischen Geschichte oder sogar Weltgeschichte [âŠ] einen so leidenschaftlichen Hass gegen die Religion und alles damit ZusammenhĂ€ngende gesehenâcite-ref-139[139] habe. Auch wenn die massiven Verfolgungen â unter anderem durch Todesschwadronen, die sich selbst als âTschekasâ bezeichnetencite-ref-140[140] â nach einigen Monaten stark abebbten, war der nationalspanische Mythos und das propagandistische Instrument einer fanatischen Religionsfeindlichkeit der republikanischen Seite geboren.cite-ref-141[141]
Unter den Begriff der Christenverfolgung werden hier nicht nur jene Gewaltakte gegen die katholische Kirche und ihre GlĂ€ubigen gefasst, die oft von erheblicher Grausamkeit geprĂ€gt und an blasphemischen Elementen nicht armcite-ref-142[142] waren, sondern auch gegen die Religionsfreiheit gerichtete Akte wie die praktisch vollstĂ€ndige Einstellung der Gottesdienste, die Zweckentfremdung zahlreicher Kirchen als WarenhĂ€user und Markthallen oder zugunsten anderer profaner Zweckecite-ref-madariaga331-143-0[143] und selbst die Vernichtung privater Devotionalien als âKultobjekteâ.cite-ref-144[144] Wenngleich die groĂen KunstschĂ€tze im BĂŒrgerkrieg erhalten blieben, wurden dennoch zahlreiche Kunstwerke nicht zuletzt durch derartige Ăbergriffe unwiederbringlich zerstört.cite-ref-145[145]
Gerald Brenan fĂŒhrte in den 1940er Jahren aus, dass man
âkaum falsch in der Behauptung [gehe], daĂ alle in der letzten Zeit in Spanien niedergebrannten Kirchen von Anarchisten angezĂŒndet wurden und dass die meisten getöteten Priester von ihrer Hand starben.cite-ref-geschichte217-146-0[146]â
Das erklÀre sich, so Brenan,
âaus dem HaĂ eines HĂ€retikers gegen die Kirche, aus der er hervorging. Denn in den Augen spanischer Anarchisten nimmt die katholische Kirche einen Ă€hnlichen Platz ein, wie im christlichen Denken der Antichrist. Sie bedeutet ihnen weit mehr als nur ein Hindernis zur Revolution. Sie erkennen in ihr die Quelle allen Ăbels, die VerfĂŒhrerin der Jugend mit ihrer Lehre von der ErbsĂŒnde, die Leugnerin von Natur und Naturgesetz, das sie salud, Heil, nannten. Auch karikiert die Kirche mit ihrer angeblich brĂŒderlichen Liebe und gegenseitigen Vergebung das groĂe Ideal menschlicher SolidaritĂ€t.cite-ref-geschichte217-146-1[146]â
Ein hĂ€ufig wiedergegebenes ErklĂ€rungsmuster fĂŒr diesen fanatischen Antiklerikalismus ist das Folgende. In den vergangenen hundert Jahren war der Kirche zunĂ€chst der materielle Boden entzogen worden, als 1836 die Orden und 1841 die Kirche selbst enteignet wurden; im Konkordat von 1851 hatte die Kirche auf diesen enteigneten Besitz auch formell verzichtet. Das allerdings geschah gegen das ZugestĂ€ndnis, dass der Staat fĂŒr den Unterhalt der Kirche und der Geistlichkeit aufkam und sie seinem besonderen Schutz unterstellte. Im Konkordat vollends wurde die katholische Konfession als âReligion der spanischen Nationâ anerkannt, und der Staat hatte fĂŒr Religionsunterricht in den Schulen zu sorgen. In der Verfassung von 1876 wurde der Katholizismus wie bereits 1812 endgĂŒltig wieder zur Staatsreligion erklĂ€rt und die Kirche sukzessive in ihre alten Rechte wieder eingesetzt.
Hatten sich zumindest Teile der Kirche, insbesondere die Angehörigen mancher Orden, in frĂŒheren Jahrhunderten noch an die Seite der unteren Schichten der spanischen Gesellschaft gestellt,cite-ref-147[147] so nahm sie, die nun vom Wohlwollen des Staats abhĂ€ngig geworden war, betont RĂŒcksicht auf die Oberschicht, um sich gut mit ihr zu stellen. Die Oberschicht vergalt es ihr damit, dass sie es der Kirche gestattete, regelrechte Konzerne aufzubauen und zu betreiben, womit die Kirche ihre wirtschaftliche HandlungsfĂ€higkeit bald wiederherstellen konnte. In den Augen der unteren Schichten aber hatte die Kirche sie vergessen und verraten und war habgierig geworden. Diese neue Sicht setzte sich vor allem in der Tagelöhnerwirtschaft des SĂŒdens durch. Gerade der SĂŒden aber â vor allem Andalusien â wurde zur Hochburg der anarchosyndikalistischen Bewegung. Salvador de Madariaga zitiert einen katalanischen Priester mit den folgenden Worten: âDie Roten haben unsere Kirchen verbrannt, doch zuerst haben wir Priester die Kirche zerstört.âcite-ref-148[148]
Die AuĂenwelt war nicht immer geneigt, zwischen der Republik als solcher und den Urhebern der Gewalt gegen die katholische Kirche zu unterscheiden, deren in Spanien einflussreiche politische Stellung im Ausland wenig bekannt war. Im republikanischen Gebiet wurden die exzessiven Gewaltakte in der Regel â soweit unter den gegebenen UmstĂ€nden möglich â eingedĂ€mmt, sobald die chaotischen ZustĂ€nde der ersten Wochen vorbei waren. Im Unterschied dazu wurde im nationalspanischen Gebiet gegen GewalttĂ€tigkeiten im Hinterland kaum etwas unternommen. Die unleugbaren GrĂ€uel verursachten jedoch einen nicht wieder gutzumachenden Schaden am Image der Republik. Denn der Umstand, dass es sich um militĂ€risch nicht gebotene und somit um politisch motivierte Gewalthandlungen und Tötungen handelte, lag hierbei auf der Hand,cite-ref-149[149] weshalb die Zahl der getöteten religiosos sehr viel gröĂere Aufmerksamkeit auf sich zog als die absolut oft bedeutend höheren Zahlen der Getöteten aus anderen gesellschaftlichen Gruppen. Relativ war die Zahl der getöteten Kleriker indessen beachtlich hoch: Salvador de Madariaga geht davon aus, dass 13 Prozent des Klerus und 23 Prozent der Ordensangehörigen getötet worden seien.cite-ref-madariaga331-143-1[143]
Nach Hugh Thomas soll sich die Zahl der getöteten Geistlichen, die er mit 7.937 Geistlichen angibt,cite-ref-150[150] in der GröĂenordnung der âsechzehntausend Priesterâ jener Hymne Paul Claudels Aux Martyrs Espagnols (âAn die spanischen MĂ€rtyrerâ) halten:
Sechzehntausend entsprĂ€che allerdings glatt der doppelten von Hugh Thomas genannten Opferzahl. Diese Angabe geht offenbar auf die vom Vatikan im Jahr 1937 veröffentlichte, damals zu hoch gegriffene Zahl getöteter Kleriker zurĂŒck. Der Vatikan geht heute von 6.845 getöteten Geistlichen aus, zu denen er allerdings mehrere tausend Laien zĂ€hlt, deren genaue Zahl nicht bestimmbar sei. Auch andere Quellen geben gegen 7.000 ermordete Geistliche an.cite-ref-152[152]
Der nationalspanischen Seite war mit diesen VorfĂ€llen ein propagandistisch bestens verwertbares Argument fĂŒr ihren Kampf gegen die Republik an die Hand gegeben, die in den Augen vieler Betrachter innerhalb und auĂerhalb Spaniens sogar den eher groĂspurigen Ausdruck der cruzada (âKreuzzugâ) und den Ehrgeiz rechtfertigen konnte, in Spanien das christliche Abendland mit der Waffe in der Hand gegen die ârote Barbareiâ zu verteidigen. Das Schlagwort von der cruzada wurde rasch zu einem wirksamen Element der nationalspanischen Propaganda, besonders nachdem im September 1936 auch der Bischof von Salamanca, Enrique Pla y Deniel, in einem Hirtenbrief offiziell zum âKreuzzugâ aufrief.
So konnte eine moralische Rechtfertigung dem republikanischen Anspruch entgegengesetzt werden, dass in Spanien die Demokratie gegen den Faschismus verteidigt werde â ein Mythos auch dies, war doch in der Republik alsbald eine âdurchgreifende soziale Revolution [âŠ] vierspĂ€nnig ĂŒber die Verfassung von 1931 hinweggefahrenâ.cite-ref-153[153]
Die dramatischen Geschehnisse erweckten bei zahlreichen Zeitgenossen den Eindruck, als ginge geradezu ein endzeitlicher Kampf vor sich, und die Wirkung auf die Katholiken nicht nur Spaniens, sondern Europas war betrĂ€chtlich. Viele KĂ€mpfer auf nationalspanischer Seite zogen darum mit dem bereits im Zuge der antiklerikalen Mexikanischen Revolution wĂ€hrend des Cristero-Kriegs bekannt gewordenen Ruf âÂĄViva Cristo Rey!â (âEs lebe Christus, unser Königâ) auf den Lippen in die Schlacht. Sogar die Falange entwickelte einen bis dahin bei ihr nicht feststellbaren religiösen Eifer; âdie Propaganda stellte den idealen Falangisten als halb Mönch, halb Krieger darâ.cite-ref-154[154] Hinzu kam der erwĂ€hnte am 1. Juli 1937 von den meisten spanischen Bischöfen veröffentlichte Hirtenbrief, in dem die KriegsfĂŒhrung der nationalistischen Seite als Verteidigung der Religion gerechtfertigt wurde. Neben dem Umstand, dass die nationalspanische Seite alles tat, um die Sympathien dieser mĂ€chtigen VerbĂŒndeten auf ihre Seite zu ziehen â was nicht allzu schwierig war, da wenig Zweifel daran statthaft waren, welcher Seite die Abneigung der Kirche von vorneherein zukam â wird man gewiss den Eindruck in Rechnung zu stellen haben, welchen die Morde an ihren Amtskollegen im Klerus hervorrufen mussten.
Die zahlreichen FĂ€lle von Priestern und Ordensangehörigen, aber auch von Laien, von denen viele noch im Angesicht ihrer Mörder ihren Glauben bezeugten (233 von ihnen wurden von der katholischen Kirche im Jahr 2001 seliggesprochen),cite-ref-155[155] wurden in Francos Spanien (und nicht nur dort) unter der Bezeichnung âChristkönigsheldenâ an den Schulen gelehrt. Von dem Historiker Hugh Thomascite-ref-156[156] wird die Geschichte des Priesters von Navalmoral geschildert, den seine Peiniger mit Auspeitschen, Dornenkrone und einem mit Essig getrĂ€nkten Schwamm die Passion Christi nachleiden lieĂen, bevor sie die Lust an der Sache verloren und ihn, der seine Mörder segnete und ihnen vergab, erschossen, statt ihn an ein Kreuz zu heften. Obgleich es unbestreitbar zu derartigen Glaubensbezeugungen kam, sind im Einzelfall Tatsachen und propagandistische Fiktion mitunter schwer auseinanderzuhalten. So scheinen die Berichte ĂŒber angeblich vergewaltigte Nonnen, die erhebliche propagandistische Wirkungen im Ausland hervorriefen, praktisch vollstĂ€ndig dem Reich der Phantasie entsprungen.cite-ref-157[157]
Eine unter dem Franquismus besonders hĂ€ufig kolportierte, aber ebenfalls mindestens ausgeschmĂŒckt anmutende Geschichte eines âChristkönigsheldenâ ist zum Beispiel der Bericht vom Schicksal des jungen Carlisten AntĂłnio Molle Lazo,cite-ref-158[158] der einem Zug von âMarxistenâ, die âÂĄMuera España! ÂĄViva Rusia!â (âTod Spanien! Hoch Russland!â) gerufen haben sollen, ein âÂĄViva España! ÂĄViva Cristo Rey!â (âEs lebe Spanien! Es lebe Christus, der König!â) entgegensetzte. Hierauf soll dem AnfĂŒhrer die Idee gekommen sein, Molle so lange zu foltern, bis er âÂĄViva el comunismo!â von sich geben wĂŒrde, wobei Molle der Geschichte zufolge starb, ohne sich dieses Wort entringen zu lassen.
Das Bild des damit einhergehenden, von Franco gepflegten und fĂŒr seinen FĂŒhrerkult in vieler Hinsicht verwendeten Mythos einer spanischen Kirche von MĂ€rtyrern ist jedoch unvollstĂ€ndig. So ist festzustellen, dass in der Republik keineswegs alle Priester umgebracht oder vertrieben wurden, sondern der Mehrheit der Kleriker â was freilich ebenfalls ein Eingriff in elementare Rechte war â lediglich die AusĂŒbung ihrer Arbeit und das Tragen geistlicher Tracht untersagt wurde.cite-ref-159[159] Zudem kam es auch auf Seiten der Nationalen zu Ăbergriffen gegen den Klerus, besonders gegen baskische Priester, die mit der Republik kooperiert hatten.cite-ref-160[160] Bereits vor dem Spanischen BĂŒrgerkrieg hatte ferner die Falange selbst KirchengebĂ€ude angezĂŒndet, um die Tat dann den Anarchosyndikalisten anzuhĂ€ngen,cite-ref-161[161] und beim Fall der Stadt Badajoz fanden die Eroberer wenig dabei, MilizionĂ€re der republikanischen Seite noch auf den Stufen des Hochaltars der Kathedrale zu töten.cite-ref-162[162]
âÂĄTenemos un Caudillo!â
(âWir haben einen AnfĂŒhrer/HeerfĂŒhrer!â)
Franco selbst wurde zum Gegenstand der Mythologisierung. Der FĂŒhrerkult um Franco bediente sich nicht selten religiöser Vergleiche, indem er Franco als auserwĂ€hlten Retter Spaniens und sogar als vom Heiligen Geist erleuchtet darstellte.cite-ref-163[163] Franco wurde von seinen AnhĂ€ngern ferner mit Alexander dem GroĂen, NapolĂ©on Bonaparte oder dem Erzengel Gabriel verglichen.cite-ref-164[164] Der Diktator, dessen Geburtsstadt Ferrol in âEl Ferrol del Caudilloâ umbenannt wurde, war in den gröĂeren spanischen StĂ€dten mit einem Standbild hoch zu Ross als AnfĂŒhrer der cruzada und in zahllosen weiteren spanischen StĂ€dten und Dörfern als Namensgeber der HauptstraĂen vertreten.
Als Beispiel fĂŒr den FĂŒhrerkult soll auszugsweise das folgende Lied der Jugendorganisation des Movimiento Nacional dienen, das aus der Zeit vor dem Umbau des Staats Ende der 1950er Jahre stammt. Es stammt von JosĂ© Antonio Medrano, trĂ€gt den Titel Tenemos un Caudillo (âWir haben einen Caudilloâ) und kann fĂŒr eine Anzahl von Liedern dieser Zeit als typisch angesehen werden:cite-ref-165[165]
«Nuestro guĂa y capitĂĄn: unidos en la guerra hermanados en la paz, tan solo a ti juramos como guĂa y capitĂĄn que prometemos seguir con lealtad. [âŠ] Tenemos un Caudillo forjador de nueva historia es Franco, ÂĄFranco! ÂĄFranco!, nuestro guĂa y capitĂĄn es Franco ÂĄFranco! ÂĄFranco! en la guerra y en la paz.»
âUnser FĂŒhrer und Hauptmann: im Krieg vereinigt, im Frieden verbrĂŒdert nur dir allein schwören wir als FĂŒhrer und KapitĂ€n dass wir versprechen, dir in Treue zu folgen. [âŠ] Wir haben einen Caudillo den Schmied der neuen Geschichte es ist Franco! Franco! Franco! unser FĂŒhrer und KapitĂ€n es ist Franco! Franco! Franco! in Krieg und Frieden.â
Der franquistische FĂŒhrerkult und das franquistische BĂŒrgerkriegsgedenken kommen in dem franquistischen Bauwerk par excellence â dem Valle de los CaĂdos (âTal der Gefallenenâ) bei El Escorial â am reinsten zum Ausdruck. Das Valle de los CaĂdos wurde von Kriegs- und politischen Gefangenen in den Felsen der Sierra de Guadarrama gehauen. In diesem Mahnmal wurden neben den Gebeinen zehntausender auf Seiten Nationalspaniens sowie der Republik gefallener Krieger nicht nur Franco selbst, sondern auch der (der franquistischen Darstellung zufolge â ein weiterer GrĂŒndungsmythos â als MĂ€rtyrer ums Leben gekommene) GrĂŒnder der Falange JosĂ© Antonio Primo de Rivera beigesetzt. Nach offizieller Darstellung des Franco-Regimes handle es sich um einen Ausdruck der âVersöhnungâ, da auch Spanier der anderen Seite dort ihre letzte RuhestĂ€tte fanden â einer vordergrĂŒndigen Versöhnung allerdings, die nicht nur architektonisch zu den Bedingungen des Siegers geschah und neben der Apotheose Francos und des jĂŒngeren Primo de Rivera eher wie ein Almosen anmutet. Zudem ist die Basilika mit Szenen aus der Apokalypse des Johannes ausgeschmĂŒckt, wobei die Anspielungen auf das Tier mit den sieben Hörnern oder den Antichristen kaum missverstĂ€ndlich sind.
Ende des Franquismus
Siehe auch
:
Transition in Spanien
Mitte Oktober 1975 erkrankte Franco, der immer deutlichere Zeichen von SenilitĂ€t gezeigt hatte,cite-ref-166[166] an Grippe und erlitt hierauf drei Herzinfarkte. Wochenlang lag der Diktator in Agonie, das Elektroenzephalogramm zeigte lĂ€ngst kein Leben mehr an. Erst am 20. November 1975 (in Spanien als â20-Nâ bekannt) â dem 39. Todestag JosĂ© Antonio Primo de Riveras â wurde Francos Tod bekannt gegeben.cite-ref-167[167] In seinem Testament ermahnte er die Spanier, dass âdie Feinde Spaniens und der christlichen Zivilisationâ nicht ruhen wĂŒrden und dass sie, die Spanier, sich um den zukĂŒnftigen König Spaniens scharen und die Einheit Spaniens bewahren sollten.cite-ref-168[168]
Mit Francos Tod war der Franquismus noch nicht am Ende. Die maĂgeblichen Stellen des franquistischen Staats, der Nationalrat, der Königliche Rat und die Cortes, waren durch seine AnhĂ€nger besetzt. Entsprechend gering war der Spielraum des Königs Juan Carlos I., der noch im selben Jahr 1975 inthronisiert wurde und eine beherzte Thronrede hielt, in der er ausfĂŒhrte, dass âeine freie und moderne Gesellschaft die Beteiligung aller in den Entscheidungszentren, den Medien, den unterschiedlichen Ebenen des Erziehungswesens und der Kontrolle des nationalen Wohlstandsâ erfordere.cite-ref-zitschneider40-169-0[169] Er sah sich, wie er weiter ausfĂŒhrte, als âKönig aller Spanier, WĂ€chter der Verfassung und KĂ€mpfer fĂŒr die Gerechtigkeitâ.cite-ref-zitschneider40-169-1[169]
Es war keine leichte Aufgabe fĂŒr Juan Carlos, die Umgestaltung (transiciĂłn) Spaniens ins Werk zu setzen. ZunĂ€chst blieben der Premier Carlos Arias Navarro â der ausdrĂŒcklich kundtat, den Franquismus weiterfĂŒhren zu wollen â und seine Regierung im Amt. Juan Carlos sah sich gleichsam zwischen Hammer und Amboss: der Linken und der Mitte, die ihn zu einem radikalen Bruch mit dem alten Regime aufforderten, und Guardia Civil, MilitĂ€r und Movimiento Nacional, die den König wissen lieĂen, nur kleine Reformen, keineswegs aber einen vollstĂ€ndigen Umbau des Staates mittragen zu wollen.
Unter dem Eindruck von Massendemonstrationen und auf nachdrĂŒckliches Verlangen des Königs reichte Arias schlieĂlich seinen RĂŒcktritt ein. Neuer Premier wurde Adolfo SuĂĄrez, der letzte GeneralsekretĂ€r des Movimiento Nacional. Zwar war er ein Mann des alten Regimes, und die EnttĂ€uschung der ReformkrĂ€fte war zunĂ€chst groĂ, doch gerade in dieser Eigenschaft, als ein Mann, dem die StĂŒtzen des Systems vertrauten, konnte SuĂĄrez den entscheidenden Schritt wagen. Sein Programm umschrieb er wie folgt: âDie Krone hat ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, aus Spanien eine moderne Demokratie zu formen. Es ist mein fester Entschluss, dem zu dienen.âcite-ref-170[170]
1976 wurde im Zuge einer Strafrechtsreform die Bildung von Parteien wieder legalisiert. Im Zentrum der von SuĂĄrez angestoĂenen Reform aber stand eine neue Verfassung, die aus den Cortes, die zuvor ein StĂ€ndeparlament gewesen waren, ein allgemein, frei, gleich und geheim gewĂ€hltes Zweikammerparlament machte. Juan Carlosâ Anteil an diesen Reformen bestand nicht zuletzt darin, dass er sich hinter seinen Premier stellte, seine eigene Reputation fĂŒr ihn in die Waagschale warf und bei den alten StĂŒtzen des Systems fĂŒr die NeubegrĂŒndung des spanischen Staats warb. Ein Referendum sprach dem neuen System eine Zustimmung von nicht weniger als 95 % der Stimmen aus. Damit war es in Spanien gelungen, aus dem herrschenden System heraus einen Demokratisierungsprozess umzusetzen. In diesem Sinne wurde der Franquismus nicht gestĂŒrzt und brach auch nicht zusammen: Er machte einem neuen System in einer unblutigen Weise Platz.
Die Jahre zwischen Francos Tod und dem MilitĂ€rputsch von 1981 (â23-Fâ) waren jedoch durchaus nicht ohne Spannungen. So kam es zu Bombenattentaten vermutlich rechtsgerichteter KrĂ€fte gegen Carlisten des Partido Carlista (PC) auf dem Montejurra,cite-ref-171[171] und Anfang 1977 kam es zur Semana negra, der schwarzen Woche: Am 23. Januar wurde der Student Arturo Ruiz GarcĂa nach einer Demonstration von einem Rechtsextremisten erschossen. Am folgenden Tag starb Mari Luz NĂ©jera bei einer Protestdemonstration durch den Treffer einer Rauchbombe gegen ihren Kopf. Einige Stunden spĂ€ter verĂŒbten falangistische Terroristen das Blutbad von Atocha gegen AnwĂ€lte der CC.OO. In diesen Jahren waren von linker Seite auĂerdem die erst 2007 fĂŒr aufgelöst erklĂ€rte linksextremistische Terrororganisation GRAPO mit ihren marxistisch-leninistischen Zielsetzungen und auch weiterhin die ETA aktiv.
Die wichtigste Nachfolgeorganisation der historischen Falange, die von Blas Piñar geleitete Fuerza Nueva (spĂ€ter Frente Nacional) spielte seit den 1980ern keine Rolle mehr, nicht zuletzt, weil der Partido Popular das Spektrum rechts des PSOE erfolgreich abdeckte und die Nachfolgeorganisationen âmit dem untĂŒchtigen und verhassten Franco-Regime identifiziert wurden. [âŠ] Selbst jene, die Francos Regime unterstĂŒtzt hatten, mussten zugeben, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine politische, soziale und wirtschaftliche Revolution in Spanien vollzogen hatte und dass das Franco-Regime nicht wiederzuerwecken war.âcite-ref-172[172]cite-ref-173[173]
Nachwirkungen des Franquismus
Insbesondere der Spanische BĂŒrgerkrieg und die Nachkriegsjahre werden in der spanischen Gesellschaft bis heute ungern thematisiert, und erst seit Beginn der 2000er Jahre ist ein gesteigertes Interesse an den damaligen Vorkommnissen festzustellen.cite-ref-174[174] Einen breitenwirksamen Impuls zur Aufarbeitung des BĂŒrgerkriegs von 1936 setzte in den 1990er Jahren der Film Land and Freedom.cite-ref-175[175]
Aber erst seit etwa der Jahrtausendwende werden die MassengrĂ€ber aus der Zeit wĂ€hrend und nach dem BĂŒrgerkrieg geöffnet.cite-ref-176[176] Eine öffentlichkeitswirksame Exhumierung von dreizehn BĂŒrgerkriegsopfern im Herbst 2000cite-ref-n-tzenadel105-177-0[177] fĂŒhrte zur GrĂŒndung der AsociaciĂłn para la RecuperaciĂłn de la Memoria HistĂłrica (ARMH) (âVereinigung zur RĂŒckgewinnung des historischen GedĂ€chtnissesâ), die sich um die Exhumierung und wĂŒrdige Neubestattung ihrer Ăberreste kĂŒmmert. Eines der vermutlich gröĂten MassengrĂ€ber wurde 2003 in El Carrizal bei Granada entdeckt; dort waren 5000 Hinrichtungsopfer vergraben worden.cite-ref-178[178] Die Zahl der unidentifizierten Opfer wird landesweit auf 30.000 geschĂ€tzt.cite-ref-n-tzenadel105-177-1[177]
Im November 2002 verurteilte das spanische Parlament einstimmig die franquistische Diktatur und versprach denjenigen Angehörigen, die ihre damals âverschwundenenâ Angehörigen (siehe auch Desaparecidos) aufzufinden und zu exhumieren wĂŒnschten, finanzielle UnterstĂŒtzung.cite-ref-n-tzenadel105-177-2[177] Seit November 2007 sieht das âGesetz ĂŒber das historische Gedenkenâ vor, dass die Kommunen die private Initiative der Exhumierungsarbeiten unterstĂŒtzen. Der oppositionelle Partido Popular kritisiert dieses Gesetz allerdings, weil es âalte Wunden aufreiĂe und nur den Zweck habe, die spanische Nation zu spaltenâ.cite-ref-179[179] In vielen Gemeinden und Regionen stellte er sich bereits gegen die Auffindung und Umbettung der ermordeten Opfer Francos.cite-ref-180[180]
Erst seit diesen Arbeiten wird darĂŒber debattiert, dass an zahlreichen Stellen das falangistische PfeilbĂŒndel und auf StraĂentafeln der Name des Diktators zu sehen sind. In der ersten JahreshĂ€lfte 2005 kam es auf Betreiben der PSOE-Regierung zur Entfernung zweier verbliebener Franco-Statuen aus Madrid und Guadalajara,cite-ref-181[181] was nicht ohne ZwischenfĂ€lle vor sich ging. Auf Betreiben der sozialistischen Regierung von Zapatero verabschiedete das spanische Parlament ein Gesetz, in dem die Unrechtsurteile der Franco-Zeit fĂŒr unrechtmĂ€Ăig erklĂ€rt werden und die letzten Symbole und DenkmĂ€ler der Diktatur auch gegen den Widerstand der Gemeinden entfernt werden dĂŒrfen.cite-ref-182[182]
Der Artikel 15 des Ley de Memoria HistĂłrica vom 26. Dezember 2007 (ley 52/2007),cite-ref-183[183] schreibt die Entfernung von öffentlichen Symbolen und DenkmĂ€lern vor, die den MilitĂ€raufstand, den BĂŒrgerkrieg und die UnterdrĂŒckung wĂ€hrend der Diktatur verherrlichen.cite-ref-184[184] FĂŒr den Valle de los CaĂdos mit dem Grab Francos schreibt der Artikel 16 des Gesetzes vor, dass dieser Ort nach den allgemeinen Regeln fĂŒr Friedhöfe zu behandeln sei.
Die DurchfĂŒhrung dieses Gesetzes wird von verschiedenen Stadtverwaltungen nur zögerlich betrieben. Die Stadtverwaltung von Santa Cruz de Tenerife Ă€nderte den Namen der Rambla del General Franco erst, als sie durch einen Gerichtsbeschluss dazu verpflichtet wurde.cite-ref-185[185] In einem anderen Fall wurde ein Denkmal einfach umbenannt. FĂŒr den Entwurf des Denkmals war dem KĂŒnstler im Jahr 1964 als Thema vorgegeben: âFranco verlĂ€sst die Insel, um ganz Spanien zu rettenâ (Franco saliendo desde la isla para salvar a toda España).cite-ref-186[186] Das Denkmal wurde umbenannt in âDenkmal des Gefallenen Engelsâ (Monumento al Ăngel CaĂdo). Bei dem Gefallenendenkmal (Monumento de los CaĂdos) auf der Plaza de España (Santa Cruz de Tenerife) wurden verschiedene Inschriften und Plaketten entfernt, so dass nur noch eine nicht eindeutige Widmung verblieb: âTeneriffa zu Ehren Aller, die ihr Leben fĂŒr Spanien gabenâ (Tenerife en honor al todos los que dieron su vida por España). Diese Inschrift kann sich sowohl auf die Opfer der einen als auch die der anderen Seite beziehen.
Eine weitere Wiedergutmachung franquistischen Unrechts besteht in der Möglichkeit fĂŒr FlĂŒchtlinge des BĂŒrgerkriegs und der Nachkriegszeit sowie ihrer Nachkommen, die spanische Staatsangehörigkeit anzunehmen bzw. zurĂŒckzuerhalten. Es wird angenommen, dass eine halbe Million oder mehr Personen vor allem aus lateinamerikanischen LĂ€ndern dieses Angebot wahrnehmen möchten.cite-ref-187[187]
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: Franquismus
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Von Franco an Benito Mussolini und Adolf Hitler vergebene Auszeichnungen
â Quellen und Volltexte (spanisch)
Wikisource: Die Beziehungen der Mitglieder der Vereinten Nationen mit Spanien, 1946
â Quellen und Volltexte (spanisch)
Wikisource: Testament Francisco Francos
â Quellen und Volltexte (spanisch)
⹠Sören Brinkmann: Zwischen Apokalypse und Erlösung: Die Mythen des Franquismus (Memento vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive) (PDF; 172 kB)
âą Abhandlungen ĂŒber das franquistische System, die franquistische Innenpolitik und AuĂenpolitik (englisch)
âą Sammlung franquistischer Propagandaplakate
âą Julia Macher: VerdrĂ€ngung um der Versöhnung willen? Die geschichtspolitische Auseinandersetzung mit BĂŒrgerkrieg und Franco-Diktatur in den ersten Jahren des friedlichen Ăbergangs von der Diktatur zur Demokratie in Spanien (1975â1978) (Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung; PDF; 504 kB)
âą The Spanish Government and the Axis: Dokumente zu den Verhandlungen zwischen Franco-Spanien und WĂŒrdentrĂ€gern des faschistischen Italien sowie Nazideutschland zum Thema eines Eintritts Spaniens in den Zweiten Weltkrieg (Memento vom 22. April 2010 im Internet Archive) (englisch)
⹠Moisés Prieto: Burgos-Prozess, in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor, Arnd Koch (Hrsg.): Lexikon der Politischen Strafprozesse, Online, Stand: Dezember 2017.
Grundgesetze des franquistischen Staats
Die Grundgesetze (hier eine Auswahl) sind als TIF-Dateien unter den nachfolgenden Weblinks Seite fĂŒr Seite aufrufbar. Quelle: Suchseite fĂŒr spanische Gesetzestexte (offizielle BOE-Seite) von 1875 bis 1967. Eine Auswahl auf Spanisch in HTML-Format gibt es hier.
âą Decreto aprobando el Fuero del Trabajo (mit Text desselben): BOE 505/1938, S. 6178â6181 (Burgos). 6178, 6179, 6180, 6181.
âą Ley de creaciĂłn de las Cortes Españolas: BOE 200/1942, S. 5301â5303: 5301, 5302, 5303.
âą Fuero des los Españoles: BOE 199/1945, S. 358â350: boe.es, boe.es, boe.es (sowie in Wikisource)
âą Ley de 22 de octubre de 1945 por la que el Jefe del Estado podrĂĄ someter a refĂ©rendum aquellas Leyes que su transcendencia lo aconseje o el interĂ©s pĂșblico lo demande (Ley de ReferĂ©ndum Nacional), BOE 297/1945, S. 2522.
âą Ley de SucesiĂłn en la Jefatura del Estado: BOE 208/1947, S. 4238â4239, 4238, 4239.
âą Ley de Principios del Movimiento Nacional: BOE 119/1958, S. 4511â4513, 4511 (Memento vom 1. September 2007 im Internet Archive), 4512 (Memento vom 1. Oktober 2007 im Internet Archive), 4513 (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive) 1064 (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)
âą Ley OrgĂĄnica del Estado, nĂșmero 1/1967, de 10 de enero, BOE 9/1967, S. 466â477 466, 467, 468, 469, 470, 471, 472, 473, 474, 475, 476, 477.
Einzelnachweise
cite-note-22. â Decreto no 108 de la Junta TĂ©cnica del Estado in der spanischsprachigen Wikisource
cite-note-nolte135-33. â Ernst Nolte: Die faschistischen Bewegungen. Die Krise des liberalen Systems und die Entwicklung der Faschismen. dtv, MĂŒnchen 1966, S. 135.
cite-note-44. â âWie alle Parteiungen Spaniens â mit Ausnahme der gemĂ€Ăigsten und liberalsten â grĂŒndete die CEDA ihre eigene Jugendorganisation und eine Hemdenbewegung. Nach 1933 machte letztere, die JAP, wie so viele andere rechtsnationalistische Gruppierungen in anderen LĂ€ndern einen gewissen hektischen Prozess der Faschisierung durch.â (Payne 2006, S. 314).
cite-note-55. â Salvador de Madariaga: Spanien, S. 321: âDie Auseinandersetzung, die spĂ€ter in der westlichen Welt ĂŒber den BĂŒrgerkrieg entbrennen sollte, geriet auf ein falsches Geleise, weil die meisten Beurteiler die spezifisch spanische Natur des Konflikts entweder fĂŒr unwesentlich hielten, oder gar ignorierten und seinen internationalen Charakter ĂŒbermĂ€Ăig betonten.â
cite-note-61. Hans-Christian Kirsch (Hrsg.): Der Spanische BĂŒrgerkrieg in Augenzeugenberichten. dtv, 1967, ISBN 3-423-00796-6, S. 11 f.
cite-note-77. â Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. S. 323.
cite-note-88. â Antony Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 132.
cite-note-99. â Ernst Nolte: Die faschistischen Bewegungen. dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Band 4. dtv, MĂŒnchen 1966, S. 141.
cite-note-1010. â Der Zusammenschluss der Carlisten mit der Falange konnte allerdings auf ein unmittelbares Vorbild zurĂŒckgreifen: die JONS, einer der VorgĂ€ngerorganisationen der Falange, waren durch â allerdings freiwillige â Vereinigung der faschistischen Bewegung Ramiro Ledesmas mit der streng katholischen Gruppe um OnĂ©simo Redondo entstanden. Ferner hatten die Carlisten und die Falange vor ihrem spĂ€teren zwangsweise betriebenen Zusammenschluss VereinigungsgesprĂ€che gefĂŒhrt, da ihre Ziele in vielem nicht allzu weit auseinanderlagen; die Carlisten hatten freilich zuletzt gegen eine Fusion ausgesprochen.
cite-note-1111. â Salvador de Madariaga (Spanien, S. 355) beschreibt die republikanische Seite als eine âechte revolutionĂ€re Hydra, mit einem syndikalistischen, einem anarchistischen, zwei kommunistischen und drei sozialistischen Köpfen, die sich gegenseitig zu beiĂen suchtenâ.
cite-note-1212. â Hans-Christian Kirsch (Hrsg.): Der Spanische BĂŒrgerkrieg in Augenzeugenberichten, dtv, 1967, S. 23.
cite-note-132. @1@2Vorlage:Toter Link/www.dur.ac.uk (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2022. Suche in Webarchiven)
cite-note-1414. â fortunecity.es (Memento vom 5. April 2012 im Internet Archive) â eine knappe Zusammenfassung der einzelnen Phasen des Regimes mit ihren Charakteristica (spanisch)
cite-note-1515. â Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 55.
cite-note-1616. â Salvador de Marariaga: Spanien. S. 376 f.
cite-note-1717. â Carlos Collado Seidel: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. Geschichte eines europĂ€ischen Konflikts. C.H. Beck, MĂŒnchen 2006, S. 187.
cite-note-1919. â Eine â leider nicht vollstĂ€ndig durch Quellen belegte â SchĂ€tzung findet sich unter sbhac.net. Bei der Berechnung ist der Toten ist man jedoch vor die Aufgabe gestellt, die hinter den Linien von politischer Repression ums Leben gekommenen von denjenigen zu unterscheiden, die unmittelbar durch Kriegshandlungen und mittelbar durch Hunger starben. Zudem wird immer unklar bleiben, wie eine republikanische Regierung nach Kriegsende mit den AnhĂ€ngern der nationalen Seite verfahren wĂ€re â die franquistischen Machthaber jedenfalls scheuten sich, wie im Artikel ausgefĂŒhrt, nicht vor blutiger Siegerjustiz. Da aber festzustellen ist, dass Franco eindeutig weniger gegen GrĂ€ueltaten hinter den Linien einschritt als die republikanische Seite, spricht viel dafĂŒr, dass die GrĂ€ueltaten auf nationaler Seite diejenigen der republikanischen Seite in absoluten Zahlen klar ĂŒberwogen.
cite-note-2020. â Michael Richards: Civil War, violence and the construction of Francoism. In: Paul Preston, Ann L. Mackenzie (Hrsg.): The republic besieged. Civil War in Spain 1936â1939. Edinburgh 1996, S. 197â239.
cite-note-2121. â Julius Ruiz: A Spanish Genocide? Reflections on the Francoist Repression after the Spanish Civil War. In: Contemporary European History. Vol. 14, No. 2 (May 2005), S. 171â191.
cite-note-2222. â Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Spaniens. Von der frĂŒhen Neuzeit bis zur Gegenwart. 4., ĂŒberarbeitete und aktualisierte Aufl., Stuttgart 2005; ISBN 3-17-018766-X, S. 366
cite-note-2323. â anschaulich Gregor Ziolkowski: Das dunkelste Kapitel der Franco-Diktatur. Deutschlandfunk, 23. September 2008.
cite-note-2424. â Walther L. Bernecker, Sören Brinkmann: Kampf der Erinnerungen. Der Spanische BĂŒrgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1936â2006. MĂŒnster 2006.
cite-note-2525. â Gregor Ziolkowski: Das dunkelste Kapitel der Franco-Diktatur. Deutschlandfunk, 23. September 2008.
cite-note-2828. â Angela Cenarro: Zaragoza. In: Carme Molinero, Margarida Sala, Jaume SobrequĂ©s (Hrsg.): Una inmensa prisiĂłn. Los campos de concentraciĂłn y las prisiones durante la guerra civil y el franquismo. CrĂtica, Barcelona 2003.
cite-note-2929. â Javier BandrĂ©s, Rafael Llavona: La psicologĂa en los campos de concentraciĂłn de Franco. In: Psicothema. ISSN 0214-9915, Band 8, Nr. 1, 1996, S. 1â11, vgl. psicothema.com (Memento vom 21. September 2013 im Internet Archive; PDF; 35 kB) mit englischer Zusammenfassung zu Beginn des Textes.
cite-note-3030. â Siehe etwa: Antony Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. MĂŒnchen 2006, Besprechung in: Die Welt, 15. Juli 2006; vgl. z. B. auch (Forschungsstand 2004): 3sat.de/kulturzeit (Memento vom 20. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) (Bild von einem Lager bei Barcelona â Prisioneros republicanos en un campo de concentraciĂłn cerca de Barcelona)
cite-note-3131. â Nicht wenigen FlĂŒchtlingen mag die Internierung in Spanien allerdings als hinnehmbar erschienen sein â wenn man sich vor Augen hĂ€lt, welches Schicksal ihnen drohte, wenn sie sich nicht aus dem von Nazideutschland direkt oder indirekt kontrollierten Territorium hinausbegaben, vgl. z. B. im Artikel zum Lager Camp de Gurs. Die Internierung bedeutete zwar Festsetzung, aber immerhin nicht Auslieferung an die Behörden des besetzten Frankreichs oder an die Gestapo, was fĂŒr viele FlĂŒchtlinge den sicheren Tod bedeutet hĂ€tte. Ăhnlich verhielten auch andere LĂ€nder wie etwa die Schweiz, vgl. ManĂšs Sperber: Bis man mir Scherben auf die Augen legt. Deutscher Taschenbuch-Verlag, MĂŒnchen 1982, S. 215. Dass die betreffenden FlĂŒchtlinge sich dieses relativen Vorteils durchaus bewusst waren, zeigt das nachfolgende Zitat von Erich Maria Remarque (Schatten im Paradies. Ludwigsburg 1971, S. 5): âEinige der LĂ€nder waren allerdings menschlich genug, uns wenigstens nicht ĂŒber die deutsche Grenze abzuschieben; dort wĂ€ren wir in den Konzentrationslagern umgekommen.â
cite-note-3232. â Fernando Mendiola, Edurne Beaumont: Esclavos del franquismo en el Pirineo, La carretera Igal-VidĂĄngoz-Roncal (1939â1941). Navarra 2007, S. 74â76.
cite-note-beevor73-3333. â Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 73.
cite-note-3434. â Payne: Franco and Hitler: Spain, Germany and World War II. Yale University Press, New Haven 2008, ISBN 978-0-300-12282-4, S. 16.
cite-note-3535. â Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 78.
cite-note-3636. â Bernecker: Geschichte Spaniens seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 77.
cite-note-3737. â Rill, in: Der Caudillo. Francisco Francos Herrschaft. G-Geschichte 2/2001, S. 36 f.
cite-note-3838. â H. Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 78.
cite-note-3939. â Sancho Pansa oder Die Kunst des Ăberlebens. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1975 (online).
cite-note-bernecker-184-4040. â Bernecker: Geschichte Spaniens seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 184.
cite-note-4141. â Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 472.
cite-note-4242. â Dieser Feststellung stehen auch Francos Forderungen anlĂ€sslich seines einzigen persönlichen Zusammentreffens mit Hitler in Hendaye 1940 nach der Niederwerfung Frankreichs nicht entgegen, als er vom deutschen Diktator als Gegenleistung fĂŒr eine Beteiligung am Weltkrieg unter anderem den französischen Teil Marokkos forderte. Francos gesamtes Betragen bei dieser Gelegenheit (er lieĂ Hitler zunĂ€chst eine volle halbe Stunde antichambrieren, bis er seine Siesta abgehalten hatte, und kam in einem darauf folgenden neunstĂŒndigen GesprĂ€ch Hitlers Begehren um UnterstĂŒtzung so wenig entgegen, dass Hitler â Hugh Thomas zufolge (Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 472) â anschlieĂend Ă€uĂerte, sich lieber drei ZĂ€hne ziehen zu lassen, als eine solche Unterredung nochmals zu fĂŒhren) legt eher den Schluss nahe, dass Franco mit dieser Forderung lediglich den Preis fĂŒr seine UnterstĂŒtzung unannehmbar hoch treiben wollte. Notizen zum Ablauf des Treffens zwischen Franco und Hitler in Hendaye 1940 (englisch) (Memento vom 25. November 2005 im Internet Archive); einige Bilder von dieser Zusammenkunft: site.voila.fr fuenterrebollo.com com.castleton.edu (Memento vom 10. Mai 2015 im Internet Archive); sie sollen allerdings wenigstens in Teilen auf Fotomontagen zurĂŒckzufĂŒhren sein, vgl. focus.de
cite-note-4343. â Was u. a. darin zum Ausdruck kam, dass Juan Carlos I. 1969 in das Amt eines âPrinzen von Spanienâ, nicht eines âPrinzen von Asturienâ berufen wurde.
cite-note-4545. â Gemeint ist der Spanische BĂŒrgerkrieg
cite-note-4646. â Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 69.
cite-note-4747. â Salvador de Madariaga: Spanien. S. 353.
cite-note-4848. â So lieĂ Franco sogar die âAlthemdenâ von knĂŒppelnder Polizei auseinandertreiben: Google Books. Das Werk des Admirals. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1969 (online).
cite-note-4949. â Vergleiche Google Books.
cite-note-5050. â Gestorben: Francisco Herranz. In: Der Spiegel. Nr. 49, 1969 (online).
cite-note-5151. â Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 77.
cite-note-5252. â So Bernecker unter Hinweis auf die AusfĂŒhrungen von Juan J. Linz.
cite-note-5353. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 114.
cite-note-5454. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 115 f.
cite-note-5555. â Spanien-Lexikon. S. 401 f.
cite-note-5656. â Spanien-Lexikon. S. 239.
cite-note-5757. â Die Verfassung von 1931 (Memento vom 16. Oktober 2005 im Internet Archive) bestimmte in TĂt. Prel. Art. 3, dass der spanische Staat keine offizielle Religion habe. Die WiedereinfĂŒhrung der Trennung von Kirche und Staat war bei der Redaktion der Verfassung von 1978 höchst umstritten, wurde jedoch durchgesetzt, wenngleich sich Artikel 16 entnehmen lĂ€sst, dass der spanische Staat die religiöse Orientierung der spanischen Gesellschaft zu berĂŒcksichtigen und entsprechende Beziehungen zur katholischen Kirche zu unterhalten habe.
cite-note-5858. â Nikolaus Nowak, Die Welt, 28. Januar 2008, S. 29, âNeue Quellen ĂŒber Papst Pius XI. und Francos Kriegâ. Der an anderem Ort angefĂŒhrte CĂĄrcel OrtĂ gibt an, neben vergeblichen Telegrammen des Papstes an Franco ĂŒber die Einhaltung eines Waffenstillstands ĂŒber Weihnachten auch Listen der Namen von 12.000 Basken gefunden zu haben, deren RĂŒckkehr nach Spanien der Vatikan ĂŒber mehrere europĂ€ische Nuntiaturen betrieb; ferner auf den Einsatz des Papstes fĂŒr Einzelpersonen auf Schreiben der Angehörigen hin, um lediglich in einigen FĂ€llen die Antwort zu erhalten, dass die betreffende Person bereits exekutiert worden sei.
cite-note-5959. â Randziffer 20 der Enzyklika; nachdem er in Dilectissima nobis bereits eine ganze Enzyklika der âKirchenverfolgung in Spanienâ wĂ€hrend der Zweiten Republik gewidmet hatte.
cite-note-6060. â Allerdings auch ohne dessen GrĂ€uel zu erwĂ€hnen, wobei freilich die Enzyklika thematisch eine Verdammung des Kommunismus beinhaltet. Der Papst nahm andererseits gegen den Nationalsozialismus in seiner Enzyklika Mit brennender Sorge Stellung und starb vor Veröffentlichung der gegen den Totalitarismus gerichteten Enzyklika Humani generis unitas.
cite-note-6161. â Bernecker, Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 71.
cite-note-6262. â Raimund Beck: Das Regierungssystem Francos. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1979, ISBN 3-88339-083-6, hier S. 206.
cite-note-0-6363. â StĂ©phane Michonneau: Franco : Le temps et la lĂ©gende. Hrsg.: GrĂ©goire Kauffmann (= Collection «Grandes Biographies»). Ăditions Flammarion, Paris 2025, ISBN 978-2-08-029128-8, S. 167â170, 188.
cite-note-holzer110-6464. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 110.
cite-note-6565. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 109 f.
cite-note-holzer109-6666. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 109.
cite-note-6767. â Bernecker (Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg, S. 113) nennt im Zusammenhang mit Mitgliedern des Opus Dei den âChefideologenâ Rafael Calvo Serer, der sich âvom reaktionĂ€ren Restaurationsideologen zum gemĂ€Ăigten Liberalen und Oppositionspolitiker gewandeltâ habe.
cite-note-holzer108-6868. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 108.
cite-note-6969. â Spanien-Lexikon. S. 312.
cite-note-geschichte114-7070. â Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 114.
cite-note-7171. â Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 113.
cite-note-7272. â Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 2. April 2006, S. 59.
cite-note-7373. â Holzer, von Conta: Spanien â Renaissance ⊠S. 118 f.
cite-note-7474. â François Furet: Das Ende der Illusionen. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert. Piper Verlag, MĂŒnchen 1995/1996, 2. A. 1998, ISBN 3-492-04038-1, S. 15.
cite-note-7575. â Bernd Rill: Tod am Tajo. In: Geschichte 2/2001, S. 37.
cite-note-7676. â Salvador de Madariaga: Spanien. S. 386.
cite-note-7777. â Es gibt, wie unten noch gezeigt werden wird, Argumente dafĂŒr, dass an dieser Feststellung wohl auch das viel zitierte Treffen mit Hitler in Hendaye 1940, in dem Franco die tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung der AchsenmĂ€chte unter bestimmten Bedingungen wie insbesondere territorialer Gewinne fĂŒr Spanien in Aussicht stellte, nichts Wesentliches Ă€ndert.
cite-note-7878. â dur.ac.uk
cite-note-7979. â Dem ist allerdings hinzuzufĂŒgen, dass die mit dem Schicksalsjahr 1898 eng in Verbindung gebrachte GeneraciĂłn del 98 aus diesem SchlĂŒsselereignis der spanischen Geschichte die genau entgegengesetzten SchlĂŒsse zog; unter anderem sollte Spanien nach Ansicht dieser Literaten endlich sein Wunschdenken und Schwelgen in der Vergangenheit ablegen. Bekannt ist das Schlagwort JoaquĂn Costas, eines der fĂŒhrenden Köpfe der 98er: ÂĄCerrad con siete llaves el sepulcro del Cid! â âVerschlieĂt mit sieben SchlĂŒsseln das Grab des Cid!â
cite-note-8080. â So fĂŒhrt Salvador de Madariaga den Aufstieg Juan PerĂłns in Argentinien auf die englische und amerikanische Haltung gegenĂŒber dem Franco-Regime zurĂŒck. Das peronistische System Ă€hnelt dem Franquismus in vieler Hinsicht, wĂ€hrend freilich der Populist Juan PerĂłn unter ganz anderen UmstĂ€nden an die Macht gelangte als Franco. Auch Augusto Pinochet in Chile sah in Franco ein Vorbild, vgl. z. B. Mit absoluter HĂ€rte. In: Die Welt, 25. November 2005.
cite-note-8181. â Teresa Gonzalez Aja, Patrick Stumm: Spain. In: James Riordan, Arnd KrĂŒger (Hrsg.): European Cultures in Sport. Examining the Nations and the Regions. Intellect, Bristol 2003, S. 123â138. https://books.google.de/books?id=X1qF3XolSxsC&pg=PA123&lpg=PA123&dq=%22teresa+gonzalez+aja%22+spain+%22James+Riordan%22&source=bl&ots=E5Z8rAevHs&sig=VwZ5Hzy0Ctjq8MfCWtmzZnRAZVU&hl=de&sa=X&ei=GnTRU-eZFqjX7Abj6oCIBg&ved=0CCMQ6AEwAA#v=onepage&q=%22teresa%20gonzalez%20aja%22%20spain%20%22James%20Riordan%22&f=false
cite-note-8282. â Arnd KrĂŒger: Strength through joy. The culture of consent under fascism, Nazism and Francoism. In: J. Riordan, A. KrĂŒger (Hrsg.): The International Politics of Sport in the 20th Century. Routledge, London 1999, ISBN 0-419-21160-8, S. 67â89.
cite-note-payne325-8383. â Payne: Geschichte des Faschismus. S. 325.
cite-note-linz-8484. â Juan J. Linz: TotalitĂ€re und autoritĂ€re Regime. In: Potsdamer TextbĂŒcher, Berlin 2000, ISBN 3-931703-43-6.
cite-note-8585. â Karl-Peter Sommermann: Staatsziele und Staatszielbestimmungen, Jus Publicum. In: BeitrĂ€ge zum Ăffentlichen Recht. Band 25, ISBN 3-16-146816-3, S. 158; siehe dort auch umfassende weiterfĂŒhrende Literaturangaben.
cite-note-8686. â Siehe etwa: J. Tusell: La dictadura de Franco. Madrid 1988, S. 251 ff. A. Torres del Moral: Constitucionalismo histĂłrico español. 3. Auflage. Madrid 1990, S. 212, 242. J. Fernado BadĂa: El regĂmen de Franco. Un enfoque politico-juridico. Madrid 1984, S. 93. J. Fontana: Reflexiones sobre la naturaleza y las consecuencias del franquismo. In: J. Fontana (Hrsg.): España bajo el franquismo. Barcelona 1986, S. 25.
cite-note-8787. â W. L. Bernecker: Krieg in Spanien 1936â1939. Darmstadt 1991, S. 115â129 (Zitate siehe S. 118 und 121); vgl. auch J. Tusell: La dictadura de Franco. Madrid 1988, S. 251 ff.
cite-note-8888. â Klaus v. Beyme: Vom Faschismus zur Entwicklungsdiktatur. Machteliten und Opposition in Spanien. Piper, MĂŒnchen 1971.
cite-note-8989. â Spanien-Lexikon. S. 206.
cite-note-9090. â Payne: Geschichte des Faschismus. S. 324.
cite-note-9292. â fortunecity.es (Memento vom 5. April 2012 im Internet Archive) â knappe Zusammenfassung des Meinungsstandes von Juan J. Linz bis Payne ĂŒber die Typisierung des Regimes (spanisch)
cite-note-933. A. Torres del Moral: Constitucionalismo histórico español. 3. Auflage. Madrid 1990, S. 242 f.
cite-note-9494. â Bernd Rill, in: G-Geschichte 2/2001, S. 36, hebt den Umstand, dass die Bezeichnung âCaudilloâ mit den anderen Bezeichnungen nicht deckungsgleich ist, wie folgt hervor: ââCaudilloâ ist im spanischen Kulturbereich der AnfĂŒhrer â nicht zu verwechseln mit dem ideologisch festgelegten deutschen âFĂŒhrerâ oder dem italienischen âDuceâ.â
cite-note-9595. â Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 77.
cite-note-9696. â JosĂ© Hierro (1922â2002) hat in seinem Gedicht âCanto a Españaâ (Memento vom 22. Februar 2010 auf WebCite) der in groĂen Teilen der Bevölkerung vorherrschenden Apathie und Hoffnungslosigkeit Ausdruck verliehen, wobei er auf offenbare propagandistische BemĂŒhungen des Regimes anspielt (Les pides que pongan sus almas de fiesta â etwa: âdu verlangst, dass ihre Seelen sich festlich stimmenâ).
cite-note-9797. â Renzo De Felice: Der Faschismus. Klett-Cotta, 1975, ISBN 3-12-910500-X, S. 65.
cite-note-9898. â Laqueur: Faschismus GesternâHeuteâMorgen. S. 70.
cite-note-994. Laqueur: Faschismus Gestern â Heute â Morgen. S. 176.
cite-note-100100. â Spanien-Lexikon. S. 242.
cite-note-lexikon207-101101. â Spanien-Lexikon. S. 207.
cite-note-102102. â Spanien. S. 452.
cite-note-103103. â Wolfgang Wippermann: Faschismus. Eine Weltgeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute. Primus Verlag, Darmstadt 2009, S. 95 u. 304, Anm. 88.
cite-note-105105. â Stanley G. Payne: Franco and Hitler. Spain, Germany, and World War II. Yale University Press, New Haven 2008, ISBN 978-0-300-12282-4, S. 166.
cite-note-106106. â Bernd Rill, in: Geschichte 2/2001, S. 36.
cite-note-107107. â Vergleiche yale.edu (Memento vom 5. August 2003 im Internet Archive) und yale.edu (Memento vom 10. Mai 2004 im Internet Archive) (englisch).
cite-note-108108. â Henry Picker: Hitlers TischgesprĂ€che im FĂŒhrerhauptquartier 1941â1942 Seewald Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 978-3-512-00425-4, S. 427f.
cite-note-109109. â Frank Schmausner, in: G-Geschichte, Mai 2008 (Memento vom 16. Februar 2009 im Internet Archive): Mussolini. Aufstieg und Fall des Duce. S. 43, ISSN 1617-9412
cite-note-110110. â An die 5000 weitere Juden konnten als spanische StaatsbĂŒrger einreisen. Zahlen nach: Bernd Rother: Spanien und der Holocaust. Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 2001. Siehe auch: Bernecker. In: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 82 (buecher.de).
cite-note-111111. â Bernd Rother: Spanien und der Holocaust. Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 2001, dazu auch Rezensionen der FAZ und der SZ in buecher.de
cite-note-112112. â Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem BĂŒrgerkrieg. S. 82.
cite-note-113113. â Artikel auf shoa.de ĂŒber die jĂŒdische Gemeinde von Saloniki â dazu auch netzeitung.de (Memento vom 17. August 2003 im Internet Archive) und buecher.de.
cite-note-114114. â elpais.com In: El PaĂs, 21. MĂ€rz 2010. sueddeutsche.de In: SĂŒddeutsche Zeitung, 22. MĂ€rz 2010.
cite-note-1155. yale.edu (Memento vom 20. August 2016 im Internet Archive) (englisch)
cite-note-116116. â Vergleiche hierzu: Die Beziehungen der Mitglieder der Vereinten Nationen mit Spanien, 1946 in der spanischsprachigen Wikisource (englisch, spanisch).
cite-note-117117. â Winston Churchill Ă€uĂerte sich am 10. Dezember 1948 dahin, dass in Spanien kein Brite oder Amerikaner getötet worden und Francos Verhalten gegen Hitler und Mussolini ein Beispiel von Undankbarkeit gewesen sei. Bei dieser Gelegenheit lieĂ er auĂerdem durchblicken, dass er selbst nur darum einen Ausschluss Spaniens befĂŒrwortet habe, um Stalin fĂŒr eine UnterstĂŒtzung der Charta der Vereinten Nationen zu gewinnen (Salvador de Madariaga: Spanien. S. 401).
cite-note-holzer106-118118. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 106.
cite-note-119119. â Aufgrund des Abkommens operierten die USA in Spanien auch mit Nuklearwaffen. In Palomares kam es hierbei 1966 nach dem Absturz einer B-52 zu dem bislang folgenreichsten Unfall mit Waffen dieser Kategorie, siehe atomwaffena-z.info (Memento des Originals vom 5. Oktober 2006 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.atomwaffena-z.info. Franco strebte möglicherweise spĂ€ter selbst nach Nuklearwaffen, siehe sueddeutsche.de und diepresse.com (Memento vom 22. Januar 2008 im Internet Archive)
cite-note-120120. â Eine zeitgenössische Kritik an dieser AnnĂ€herung an Franco-Spanien hat James Wright in seinem Gedicht Eisenhowerâs Visit to Franco (1959) formuliert, siehe uni-giessen.de (Memento vom 26. Februar 2008 im Internet Archive)
cite-note-holzer107-121121. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 107.
cite-note-122122. â Bereits 1950 schreibt Arthur Koestler (The Trail of the Dinosaur, London 1950, S. 200): âWe consider Francoâs totalitarian rĂ©gime to be as abhorrent as any other tyranny. But [âŠ] we refuse to fall into the trap of Cominform propagandists who want to divert our attention and energies from the real threat into a crusade against Francisco Franco.â
cite-note-holzer105-123123. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 105.
cite-note-124124. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 111.
cite-note-125125. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 112.
cite-note-128128. â Salvador de Madariaga: Spanien. S. 405.
cite-note-129129. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 116 f.
cite-note-130130. â Holzer, von Conta: Spanien: Renaissance ⊠S. 123.
cite-note-131131. â Bernhard Schmidt, in: Spanien-Lexikon. S. 298 ff.
cite-note-132132. â Zu diesem Themenkreis vergleiche allgemein Sören Brinkmann: Zwischen Apokalypse und Erlösung: Die Mythen des Franquismus (Memento vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive) (PDF; deutsch; 172 kB), oder auch: Sören Brinkmann, Katalonien und der Spanische BĂŒrgerkrieg. Geschichte und Erinnerung, Berlin (edition tranvĂa) 2007, ISBN 978-3-938944-12-7.
cite-note-133133. â Die militĂ€risch nicht gebotene Entsetzung Toledos trug andererseits wahrscheinlich dazu bei, dass Franco vor Madrid Zeit verlor und die Stadt nicht im Handstreich genommen werden konnte.
cite-note-134134. â Von den 100 linken Geiseln allerdings, welche die Verteidiger mit sich in den AlcazĂĄr genommen hatten, fehlt bis heute jede Spur (Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 161).
cite-note-135135. â Luis starb allerdings erst einen Monat spĂ€ter als Vergeltung fĂŒr einen Luftangriff (Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 161).
cite-note-136136. â Hugh Thomas schildert diese Episode in: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 165 f. Der Dialog ist in verschiedenen, voneinander im Wortlaut abweichenden Fassungen ĂŒberliefert. Beispiel (spanisch): generalisimofranco.com
cite-note-137137. â gwdg.de (PDF; 94 kB) S. 6 des PDF bzw. S. 82 des Werks.
cite-note-138138. â belchite41° 17âČ 59âł N, 0° 44âČ 57âł W41.299722222222-0.74916666666667
cite-note-139139. â Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 145.
cite-note-140140. â Hans-Peter von Peschke, in: Geschichte 2/2001, S. 31: âDem eher zynischen Terror der Rechten stand ein zĂŒgelloser der Linken gegenĂŒber. Fast wahllos ergriffen selbst ernannte RĂ€chergruppen, die sich als âTschekasâ bezeichneten, Leute auf, die ihnen irgendwie rechts, klerikal oder eben nur verdĂ€chtig erschienen, und erschossen sie ohne viel Federlesens.â
cite-note-141141. â Beevor (Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 111 f.) verortet solche Ausschreitungen vor allem in AragĂłn, Katalonien und Valencia. Dagegen wurde im Baskenland âdie Kirche nicht angetastetâ (Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 111 f.).
cite-note-142142. â Dieses Bild aus dem Bestand des Instituto Municipal de Historia, Barcelona, zeigt Angehörige einer nicht nĂ€her identifizierten republikanischen Miliz bei der Entweihung einer Kirche in Barcelona (Milicianos durante la profanaciĂłn de una iglesia en Barcelona). Als Bauern verkleidete Ordensangehörige werden im Bischöflichen Palais von SigĂŒenza festgenommen (Frailes vestidos de paisano detenidos por los milicianos en el palacio episcopal de SigĂŒenza, Guadalajara).
cite-note-madariaga331-143143. â Salvador de Madariaga: Spanien. S. 331.
cite-note-144144. â Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 157.
cite-note-145145. â Thomas nennt als Beispiel den Brand in der Bibliothek der Kathedrale von Cuenca, die u. a. den Catecismo de Indias enthielt. (Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 143 ff.)
cite-note-geschichte217-146146. â Geschichte Spaniens. S. 217.
cite-note-147147. â Brenan: Geschichte Spaniens. S. 54: âInnerhalb Spaniens war die Religion nicht die einzige Verbindung zwischen den einzelnen Provinzen, aber sie war das gröĂte [sic!] Bindeglied. Niemals war Marxâ Feststellung, dass die Religion das Opium der Armen [sic!] ist, unrichtiger. In allen sozialen Auseinandersetzungen dieser Zeit [âŠ] waren es die Mönche, die das Volk leiteten und unterstĂŒtzten. Wie im heutigen Deutschland [sic!, geschrieben um 1940] bewirkte allein die Kraft der nationalen Religion ein Land [sic!], in dem bisher die Aufspaltung in Adel und Plebejer besonders krass gewesen war, ab 1620 bemerkenswert egalitĂ€r zu werden. [âŠ] Klassenunterschiede verloren ebenfalls an Bedeutung. Franzosen und Italiener waren erschreckt ĂŒber die Frechheit, mit der der kleinste HĂ€ndler, ausgerĂŒstet mit Mantel und Degen, auch wenn er zu Hause nichts zu essen hatte, die erlauchtesten Grafen anrempelte.â
cite-note-148148. â Spanien. S. 332. Bezeichnenderweise geschah protestantischen Kirchen nichts, und sie blieben wĂ€hrend des Krieges geöffnet. Es gab aber nur etwas ĂŒber 6.000 Protestanten in ganz Spanien (Hugh Thomas, S. 143).
cite-note-149149. â Hugh Thomas (Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 151), berichtet zwar von âeinigenâ EinzelfĂ€llen, in denen Priester tatsĂ€chlich mit der Waffe in der Hand an den Kampfhandlungen teilnahmen, wobei hier aber offenbar die Ausnahme die Regel bestĂ€tigte. Waffenverstecke in Kirchen und Klöstern mag es gegeben haben, allerdings soll es sich â ebenso wie FĂ€lle, in dem das Feuer von KirchtĂŒrmen aus eröffnet worden sein sollte â hierbei zumeist um GerĂŒchte gehandelt haben, vgl. Salvador de Madariaga: Spanien. S. 332. Beevor berichtet von aus Barcelona von SchĂŒssen von KirchtĂŒrmen, doch habe es sich hierbei um verschanzte Soldaten, nicht um den Klerus gehandelt (Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 95).
cite-note-150150. â Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 144.
cite-note-1516. Zitiert nach: Hugh Thomas, Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 144.
cite-note-152152. â Zu den Zahlen des Vatikans vergleiche den unten stehenden Link ĂŒber die Seligsprechungen im Jahr 2001. Die Rede ist im Einzelnen von 13 Bischöfen, 4.184 Priestern, 2.365 OrdensbrĂŒdern und 283 Ordensschwestern. Diese Zahlen werden von Antony Beevor (Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 111) bestĂ€tigt. Salvador de Madariaga spricht von etwa 6.800 getöteten Geistlichen, OrdensmĂ€nnern und Ordensfrauen. Auch almendron.com gibt an: Cerca de 7000 religiosos fueron asesinados.
cite-note-153153. â Salvador de Madariaga: Spanien. S. 338.
cite-note-154154. â Hugh Thomas, Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 150 f.
cite-note-155155. â Vergleiche hier auf vatican.va (spanisch), Predigt Johannes Pauls II. (deutsch). Dem schlossen sich 2005 weitere Seligsprechungen an.
cite-note-156156. â Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 144 f.
cite-note-157157. â Beevor (Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 111) verweist auf den Umstand, dass sogar die amtliche spanische AufzĂ€hlung der Verbrechen der Republik aus dem Jahr 1946 keinen einzigen solchen Fall belegt und nur einen vermutet.
cite-note-158158. â Vergleiche requetes.com. Der geschilderte Vorfall erinnert sehr an den dreizehnjĂ€hrigen Joseph Bara (auch Barra), der 1793 getötet worden sein soll, weil er anstelle von âVive le Roiâ darauf bestand, âVive la RĂ©publiqueâ zu rufen.
cite-note-159159. â Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 146.
cite-note-160160. â Antony Beevor (in: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 111) berichtet von einem Massaker franquistischer Truppen an 16 Angehörigen des Klerus, darunter den Erzpriester von Mondragon, sowie von der Ermordung von 20 protestantischen Geistlichen. Der Bischof von Vitoria veranlasste daraufhin den Papst, bei Franco gegen die Exekutionen zu protestieren. Hugh Thomas fĂŒgt hinzu (Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 349), dass daneben 278 Pfarrer und 125 OrdensbrĂŒder abgesetzt, eingesperrt oder strafversetzt wurden.
cite-note-161161. â Francis L. Carsten: Der Aufstieg des Faschismus in Europa. S. 237.
cite-note-162162. â Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. S. 197.
cite-note-163163. â Vergleiche etwa diese Abbildung
cite-note-165165. â VollstĂ€ndiger Text und MP3 von Tenemos un Caudillo (spanisch)
cite-note-166166. â Bernd Rill, Geschichte 2/2001, S. 38.
cite-note-168168. â Testamento de Francisco Franco in der spanischsprachigen Wikisource.
cite-note-zitschneider40-169169. â Zitiert nach: Karin Schneider-Ferber, M. A., In: Geschichte. 2/2001, S. 40.
cite-note-170170. â Karin Schneider-Ferber 2001, S. 41.
cite-note-171171. â Montejurra in der englischsprachigen Wikipedia
cite-note-172172. â Laqueur: Faschismus GesternâHeuteâMorgen. S. 177 f.
cite-note-173173. â Umfrage zum Image der Franco-Diktatur in Spanien 30 Jahre nach Francos Tod (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (spanisch)
cite-note-174174. â Zum Themenkreis der spanischen VergangenheitsbewĂ€ltigung wĂ€hrend und nach der TransiciĂłn vergleiche Julia Machter: VerdrĂ€ngung um der Versöhnung willen? (PDF; deutsch; 504 kB) sowie dieses Interview mit Walther L. Bernecker und Interview mit Paul Preston: Das Ende des Schweigens. In: Die Welt, 26. Mai 2005. Siehe auch Wunderbare Mamita. In: Die Welt, 10. Oktober 2006.
cite-note-175175. â Eine Zusammenfassung des Films kann auf fictionzone.comicblog.de nachgelesen werden.
cite-note-n-tzenadel105-177177. â Alexander NĂŒtzenadel, Wolfgang Schieder: Zeitgeschichte als Problem. Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, ISBN 3-525-36420-2, S. 105.
cite-note-178178. â Wo Franco 5000 Opfer verscharren lieĂ. In: Spiegel Online, 1. September 2003.
cite-note-179179. â Irene Fuentetaja Cobas, Laura Mestre GascĂłn in arte.tv (Memento vom 21. September 2013 im Internet Archive)
cite-note-180180. â W. Bernecker, S. Brinckmann: Zwischen Geschichte und Erinnerung. Zum Umgang mit der Zeitgeschichte in Spanien. In: Alexander NĂŒtzenadel u. a. (Hrsg.): Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven der Forschung in Europa (Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 20), Göttingen 2004, S. 78â106, 105. A painful past uncovered. In: Guardian. 21. August 2008; siehe zum Beispiel: Republicanos muertos en Albalate. In: El PeriĂłdico de AragĂłn. 5. September 2008, elperiodicodearagon.com (Memento vom 6. Februar 2009 im Internet Archive). PP y CC rechazan realizar una de ley de exhumaciĂłn de desaparecidos en Canarias durante la Guerra. In: Canarias 24 horas. 12. Juni 2008, PoblacionPress, Tenemos un problema en Monroyo, 22. Mai 2007: poblacionpress.net (Memento des Originals vom 7. Februar 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.poblacionpress.net. La exhumaciĂłn cuenta con el apoyo de la alcaldĂa. In: La Voz de asturias. 2. August 2007. Vergleiche auch die Stellungnahme der konservativen BĂŒrgermeisterin von Santa Cruz im Dokumentarfilm Santa Cruz por ejemplo⊠â Der Mord von Santa Cruz von H. Peseckas und G. Schwaiger. Ute MĂŒller: Franco-Opfer: Richter will Schicksal klĂ€ren. In: Die Welt, 3. September 2008.
cite-note-181181. â Zu den VorfĂ€llen in Madrid 2005.
cite-note-182182. â Spanien will Franco-Symbole entfernen. (Memento vom 24. Oktober 2007 im Internet Archive) In: Tages-Anzeiger, 11. Oktober 2007.
cite-note-183183. â Cortes de España: LEY 52/2007, de 26 de diciembre. (PDF; 197 kB) 27. Dezember 2007, abgerufen am 10. Juni 2012 (spanisch, Text des Gesetzes).
cite-note-184184. â Mit dem Problem der Zerstörung von KulturgĂŒtern als Folge dieses Gesetzes beschĂ€ftigt sich eine Zeitschrift des Kulturministeriums aus dem Jahr 2009 AntĂłn Castro, Antonio RodrĂguez (Hrsg.): Conservar o destruir: la Ley de Memoria HistĂłrica. Revista patrimonio cultural de España. Ministerio de Cultura, 2009, ISSN 1889-3104, S. 322 (calameo.com [PDF]).
cite-note-185185. â Patricia Campelo: Los simbolos franquistas desapareceran de Santa Cruz. PĂșblico.es, 14. September 2010, abgerufen am 10. Juni 2012 (spanisch).
cite-note-186186. â Alberto Darias PrĂncipe: Santa Cruz de Tenerife: Ciudad, Arquitectura y Memoria HistĂłrica 1500â1981. Tomo I. Ayuntamiento de Santa Cruz de Tenerife, Santa Cruz de Tenerife 2004, ISBN 84-89350-92-2, S. 567 (spanisch).